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Schallmessungen im Windpark

Zum Lärm werden Fakten gesammelt

COPPENBRÜGGE. Stefanie Mertz, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit und Projektmanagement bei der Firma Landwind, die acht Windräder im Coppenbrügger Windpark betreibt, ist nach eigenen Worten „völlig entspannt, was die Lärmmessungen angeht“. Am Mittwoch wurde damit zwischen den Windenergieanlagen begonnen.

veröffentlicht am 11.10.2017 um 15:33 Uhr
aktualisiert am 11.10.2017 um 16:45 Uhr

Das Mikrofon wird für die Aufzeichnung eingerichtet.
Joachim Zieseniß

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Joachim Zieseniß Reporter Bodenwerder zur Autorenseite
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Mertz vertraut darauf, dass die Schallemmissionesprognosen des Windturbinenherstellers Nordex, die Grundlage des Genehmigungsverfahrens durch den Landkreis waren, stimmen. Auch Karl Holweg vom Umweltamt des Landkreises Hameln-Pyrmont ist bei den Messungen dabei. Denn sollte sich entgegen den derzeitigen Prognosen herausstellen, dass die Windräder zu laut sind, müssten beim Landkreis über Betriebseinschränkungen nachgedacht werden. Oder die Anlagen müssten leiser gemacht werden.

Anwohner rund um den Coppenbrügger Windpark hatten sich im Vorfeld der derzeitigen Messungen, bei denen gestern und heute die Lärmemmissionen von insgesamt vier Windrädern im Park über Stunden genau dokumentiert werden, immer wieder über Lärmbelästigungen beschwert. Der Lendkreis und die Betreiber der insgesamt 20 Anlagen im Coppenbrügger windpark hatten sich daraufhin geeinigt, hierfür durch Schallmessungen Fakten zu ermitteln, die auch bei eventuellen Klagen vor Gericht Bestand haben. Mit den Lärmpegel-Messungen ist die Ingenieurgesellschaft Wind-consult beauftragt worden. Die Kosten werden sich die vier Betreiber der Windenegie-Anlagen teilen. Auf den Kreis als Genehmigungsbehörde kommen keine Forderungen zu.

Gestern Morgen stellten dazu die Akustik-Ingenieure Christian Hoffmann und Tim Torkler Windmesser und Mikrofone für ihre Studie in der Feldmark auf. Um exakte Werte einzelner Windräder zu erhalten, mussten Teile des Windparks abgestellt werden. Bis zu vier Stunden hatten die beiden Mess-Ingenieure für die Lärmpegel-Ermittlung eines Windrades angesetzt – ein kompliziertes Verfahren; denn sollte die Windrichtung etwas drehen, müsste auch das hochsensible Mikrofon umgestellt werden, erklärt Christian Hoffmann, Master of Engineering bei der Firma Wind-Consult. Außerdem seien Fremdgeräusche zu berücksichtigen; und dass um die Windräder noch ungemähter Mais steht, der Geräusche dämpft, weiß der Fachmann, der auch als Gutachter in Lärmprozessen vor Gericht auftritt. Mit den so gewonnenen Werten können die Wissenschaftler dann Lärm-Ausbreitungeberechnungen für die umliegenden Orte erstellen, aus denen hervorgeht, ob die als belästigend wahrgenommene Windrad-Werte wirklich Grenzwerte überschreiten, mit denen Beschwerdeführer vor Gericht ziehen können.

Während der Messung wurden andere Anlagen abgestellt.
  • Während der Messung wurden andere Anlagen abgestellt.
Der Mast für die Windmessung wird aufgestellt.
  • Der Mast für die Windmessung wird aufgestellt.
Ändert sich die Windrichtung, muss das Mikrofon umgebaut werden
  • Ändert sich die Windrichtung, muss das Mikrofon umgebaut werden

Um mit dem in Auftrag gegebenen Lärmgutachten aber völlig auf Nummer sicher zu gehen, wird Wind-consult an zwölf Immissionspunkten an Privathäusern in Bäntorf, Brünnighausen, Herkensen, Dörpe und Coppebrügge noch zusätzlich Schallmessungen vornehmen. Um hierbei belastbare Ergebnisse zu bekommen, muss eine Vielzahl von Faktoren berücksichtigt werden, die passen müssen. So sind entsprechend der „Technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm“ (TA Lärm) die Immissionsmessungen nachts und bei einer bestimmten Windstärke durchzuführen, bei der sich die Anlagen auf Volllast drehen. Wind-consult hofft, dass man demnächst eine Wetterlage erwischt, bei der eine solche Messung möglich ist.

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