weather-image
Forderungen nach Flächennutzungsplan

Windräder – Emotionen kochen hoch

Coppenbrügge. „Es reicht! Genug ist genug!“ In der Gemeinde Coppenbrügge kochen die Emotionen hoch, wenn es um das Thema Windräder geht. Der Versuch von Verwaltung und Ratsmehrheit, den Bau von Windenergieanlagen zu steuern und zu beschränken, ist auf ganzer Linie gescheitert (wir berichteten). Doch wie kann die Gemeinde jetzt noch gegenlenken, weiteren Investoren einen Riegel vorschieben?

veröffentlicht am 23.04.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:02 Uhr

270_008_7708003_poli102_wfx_101_2204.jpg
Matthias Aschmann

Autor

Matthias Aschmann Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Karl-Heinz Brandt, Fraktionsvorsitzender der SPD im Gemeinderat Coppenbrügge, fordert nachdrücklich die Aufstellung eines Flächennutzungsplanes, in dem die jetzt bestehenden und genehmigten Windparks als Vorranggebiete ausgewiesen werden. Bereits im Oktober habe er im Verwaltungsausschuss angefragt, ob ein solcher Flächennutzungsplan dazu dienen könne, Windräder außerhalb der Vorranggebiete unmöglich zu machen. Anfang des Jahres habe er bei der Verwaltung noch einmal nachgefragt, bis heute jedoch keine Antwort erhalten. Sobald ein F-Plan aufgestellt würde, hätte dies eine sofortige sogenannte Veränderungssperre zur Folge.

Brandt gesteht zwar zu, dass sich Verwaltung und Mehrheitsgruppe in den vergangenen Jahren bemüht hätten, die Entwicklung zu steuern. „Aber wir alle wissen ja, was es heißt, wenn im Zeugnis steht: ,Er hat sich bemüht.‘“ Fehler, unterstreicht der Sozialdemokrat, seien menschlich – sie jedoch zu negieren, gleiche dem Verhalten eines Kleinkindes, das die Augen schließe und hoffe, dass alles schnell vorbei ist. Der SPD-Mann erinnert an den „untauglichen Versuch einer Verhinderungsplanung“, die vor Gericht wieder einkassiert worden sei, und sieht in den Aussagen von Bürgermeister Hans-Ulrich Peschka (CDU) den „verzweifelten Versuch“, die Verantwortung für die Entwicklung allen zuzuschreiben, nur nicht der eigenen Verwaltung. Es wäre fahrlässig, jetzt keinen F-Plan aufzustellen, betont Brandt.

„Wir haben doch alles versucht, wir wollten doch steuernd eingreifen – aber die Gerichte haben uns einen Strich durch die Rechnung gemacht“, klagt Thorsten Kellner, Fraktionschef der CDU im Gemeinderat Coppenbrügge. Mit der aktuellen Anzahl von Windrädern sei die Schmerzgrenze überschritten, räumt der Christdemokrat ein, sieht die Schuld aber beim Gesetzgeber. Ob durch die Aufstellung eines F-Plans nun der Bau weiterer Windräder verhindert werden könnte, vermochte Kellner nicht zu sagen. Man prüfe dies derzeit, befinde sich in der Findungsphase. Seine Befürchtung: Durch einen F-Plan könnte man auch schlafende Hunde wecken und so das Gegenteil erreichen.

Mit dieser Einschätzung stößt er bei Ludwig Krückeberg (Grüne) auf massiven Widerspruch. Die Entwicklung sei ebenso absehbar gewesen, wie das Scheitern der Gemeinde vor Gericht. Es habe im Rat im Zusammenhang mit den Vorranggebieten heftige Auseinandersetzungen gegeben, die Opposition sich jedoch nicht durchsetzen können. Krückeberg führt das Beispiel Salzhemmendorf auf. Dort sei gelungen, was in Coppenbrügge ebenso möglich gewesen wäre. Schließlich sei derselbe Planer eingesetzt worden. Krückeberg betont, Befürworter der Windkraft zu sein, aber so gehe es nicht weiter. Deshalb fordert er, dass „nun endlich ein Flächennutzungsplan aufgestellt wird“ – wie es der Landkreis Hameln-Pyrmont im Übrigen empfehle.

Dr. Manfred Redslob war als Landschaftsplaner in den Prozess eingebunden, hatte im Auftrag der Bürgerinitiative „Rettet den Ruhbrink“ einen Gegenentwurf für Vorranggebiete erarbeitet. Dieser wäre für Windenergie „durchaus substanziell raumbietend“ gewesen und hätte vor Gericht Bestand gehabt. Redslob hätte sich gewünscht, dass Politik und Verwaltung darauf eingegangen wären. Nun sei das Kind in den Brunnen gefallen. Der Experte appelliert an Rat und Verwaltung, umgehend einen F-Plan zu erstellen. Heiko Brede von der BI „Rettet den Ruhbrink“ stößt ins gleiche Horn. „Ohne einen F-Plan haben wir keine Argumente, keine Handhabe, den Bau von Windrädern zu steuern“, unterstreicht Brede. Das hätte schon vor Jahren umgesetzt werden können – ja umgesetzt werden müssen.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare