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Geplantes Vorgehen bei Schallmessung trifft auf breite Kritik

Wie viel Lärm kommt an?

COPPENBRÜGGE/BÄNTORF. Wie viel Lärm von den Windkraftanlagen bei den Bürgern ankommt, soll demnächst von Experten gemessen werden. Dazu gab es nun eine Informationsveranstaltung, während der das geplante Vorgehen auf viel Kritik seitens der Anwohner gestoßen ist. Vor allem die ausgewählten Messpunkte wurden bemängelt.

veröffentlicht am 17.01.2017 um 12:51 Uhr
aktualisiert am 14.02.2017 um 19:07 Uhr

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Maike Lina Schaper

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Maike Lina Schaper Reporterin zur Autorenseite
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Die Coppenbrügger kämpfen um ihre Ruhe. Diesen Eindruck vermittelten am Montagabend zirka 30 Anwohner, die aus und rund um die Gemeinde Coppenbrügge nach Bäntorf zu einer Informationsveranstaltung kamen. Das Thema: Die Windkraftanlagen beziehungsweise der Lärm, den sie verursachen.

Dazu stellte sich Christian Hoffmann von der Firma Wind-Consult zwei Stunden lang den kritischen Fragen der Anwohner. Das Unternehmen ist damit beauftragt, die Lautstärke, die von den Windkraftanlagen ausgeht und bei den Anwohnern ankommt, zu messen. Denn sind sie lauter als zulässig, müssen die Betreiber nachbessern oder die Anlagen gegebenenfalls in der Nacht gedrosselt oder abgeschaltet werden. „Das ist natürlich ,Worst Case’“, sagte Steffen Kremmin, der an diesem Abend die Firma Windwärts vertreten hat. Windwärts ist Betriebsführer einiger Anlagen in Coppenbrügge.

Ob dieser schlimmste Fall für die Anlagenbetreiber eintreten wird, muss sich allerdings noch durch die Messungen und deren Ergebnisse zeigen. Gut ein halbes Jahr müssen sich die Coppenbrügger allerdings noch gedulden, bis sie Näheres wissen. „Wir versuchen, dass das bis Sommer abgeschlossen ist“, antwortete Hoffmann von Wind-Consult auf eine Frage nach dem Zeitrahmen.

Das Ingenieurbüro hat in Absprache mit dem Landkreis und den Betreibern sechs Stellen ausgemacht, an denen die Lautstärke des Schalls von den Windenergieanlagen, der dort ankommt, gemessen werden soll. Die Überprüfung läuft drei bis vier Stunden in der Nacht. Wiederholungen an den einzelnen Orten sind nicht geplant.

Dieses beschriebene Vorgehen stieß auf breite Kritik der Zuhörer im Raum. Die Angst: Was, wenn genau an jenem Tag, an dem gemessen wird, der Wind verhältnismäßig schwach ist? „Ist es nicht möglich, dass Sie auch zum Messen kommen, wenn gerade viel Wind da ist und die Anlagen sehr laut sind?“, fragte Ortsbürgermeister Lars Wiemann, was Hoffmann grundsätzlich bejahte.

Der andere Kritikpunkt sind die ausgemachten Messpunkte. Zu wenige seien es. Viele Stellen, von denen Bürgerkritik gekommen sei, wären unberücksichtigt geblieben. Gemeindebürgermeister Hans-Ulrich Peschka ging selbst zu Beginn der Veranstaltung auf die „Flut an Aufzeichnungen“ ein, die im Rathaus und beim Landkreis eingegangen seien. Die sechs Messstellen im Gemeindegebiet sind: Am Pfingstanger 16, Heerburg 65, Behrenser Weg 181/181b, Nesselberg, Halbe in Dörpe und Kleine Breite.

An den ausgewählten Grundstücken dürfen 40 bis 45 Dezibel (dB/A) Schall in der Nacht ankommen. Die Unterschiede ergeben sich durch die verschiedenen Ausweisungen der Gebiete. In allgemeinen Wohngebieten ist der zulässige Lärmrichtwert geringer als in Dorf- und Mischgebieten. Zum Vergleich: Für eine normale Unterhaltung wird von einem Wert von 60 dB(A) ausgegangen, bei einem Zimmerventilator von 35 dB(A).

Zwei der Messpunkte hob Hoffmann besonders hervor, diese seien am stärksten belastet. Denn Am Pfingstanger 16 darf zwar nachts eine Lautstärke von 45 dB(A) erreicht werden, aber an diesem Wert sei man mit 44,5 dB(A) schon sehr nah dran. Ebenso verhält es sich mit dem ersten Haus an der Kleinen Breite. Dort dürfen 40 plus 1 dB(A) in der Nacht erreicht werden, es sollen laut Plan 39,8 sein; bei diesen Angaben handelt es sich um Planwerte, die vor dem Bau der Anlagen für verschiedene Stellen berechnet worden sind.

Wie laut und störend die Anwohner die Windkraftanlagen empfinden, machten sie während des Abends immer wieder an Beispielen deutlich. Ein Anwohner berichtete, dass das Geräusch für ihn vergleichbar sei mit Kriegszeiten, als die Panzer zum Warmlaufen angelassen wurden. Ein anderer Vergleich orientierte sich an den Luftangriffen auf Hannover. „Das ist keine Belästigung, sondern eine körperliche Schädigung“, sagt ein Anwohner. Ein Hilligsfelder glaubt, dass auch bei ihm zu Hause noch ein Brummen zu hören ist, das von den Windkraftanlagen stammen könnte.

Karl Holweg vom Umweltamt des Landkreises kündigte an, mit den Betreibern über eine Erweiterung der Messungen sprechen zu wollen.

Termin: Eine weitere Informationsveranstaltung zum Thema der Schallmessungen findet am Montag, 6. Februar, ab 19 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Brünnighausen statt.

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