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Zu lange und zu schlecht geplant

Unprofessionell

Die Energiewende ernst zu nehmen, ohne das Landschaftsbild durch Windräder zu verschandeln, gehört zu den eher schwierigen Gratwanderungen der Kommunalpolitik. Die Ausweisung von Vorranggebieten erlaubt es Gemeinden, Rotoren an bestimmten Orten zu konzentrieren, um sie in der Fläche zu verhindern. Mit einem einzigen baurechtlichen Akt können Kommunen Windräder ansiedeln und zugleich die Kollateralschäden für die Natur begrenzen. Sie dürfen den Bau nicht blockieren, aber sie können ihn steuern.

veröffentlicht am 21.04.2015 um 20:04 Uhr
aktualisiert am 02.07.2015 um 11:13 Uhr

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Wer auf dieses Mittel verzichtet, spielt mit hohem Risiko. Und darf sich am Ende nicht wundern, wenn nicht mehr die Gemeinde, sondern Investoren die Regeln diktieren. Und wenn von einer reizvollen Landschaft nur noch Schnitzelwerk bleibt.

Viele Kommunen tun sich schwer damit, Vorranggebiete zu schaffen, aber selten ist der Versuch so gründlich gescheitert wie in Coppenbrügge. Im Dreieck zwischen Hameln, Bad Münder und der Gemeinde wächst eine Windrad-Skyline heran, wie sie das Weserbergland auf so engem Raum noch nicht gesehen hat. Die meisten Anlagen dieses grenzübergreifenden Ensembles entstehen in Coppenbrügge. Eigentlich wollte der Flecken den Naturtourismus fördern, doch den Verantwortlichen ist selbst klar, dass hier, gelinde gesagt, ein Zielkonflikt entstanden ist.

Wer Ursachenforschung betreibt, muss in der Coppenbrügger Windrad-Geschichte fast zehn Jahre zurückgehen. Er stößt auf eine Mischung aus Unprofessionalität und Ängstlichkeit bei den Planern, auf falsche Prioritäten, ein gestörtes Verhältnis zum Landkreis und schlecht gemischte Karten vor Gericht. Coppenbrügges Bürgermeister wird nicht müde, die Verantwortung für die ungehemmte Windkraft-Expansion bei Bund, Land und Landkreis zu suchen, nur nicht im eigenen Rathaus. Und gewiss hätte manches besser laufen können, das sich dem Einfluss der Gemeinde entzieht. Doch am Anfang der Ursachenkette steht eine Gemeinde, die es schlicht vergeigt hat, seriös geplante Vorranggebiete auszuweisen. Wäre man hier professioneller zu Werke gegangen, hätte man das Heft des Handelns in der Hand behalten können – und womöglich sähe das Landschaftsbild heute anders aus.

Der Bürgermeister hat recht, wenn er die Steuerung der Windkraft-Standorte als zentrale Aufgabe betrachtet, die besser der Landkreis für die Gemeinden übernimmt. Tatsächlich treffen sich – wie zwischen Süntel und Ith – die Windparks mehrerer Gemeinden häufig im gemeinsamen Grenzgebiet, weil jeder Planer nur bis zum eigenen Tellerrand denkt. Aber in der Praxis: Welche Gemeinde war und ist bereit, ihre Planungshoheit abzutreten?

Noch ein Satz aus dem Coppenbrügger Rathaus ist grundsätzlich wahr: „Ohne Einverständnis der Grundstückseigentümer können keine Windräder gebaut werden.“ Klingeln die Investoren mit dem Geldbeutel, fliegt ihnen das Bauland in der Regel zu. Doch kann man den Landbesitzern das Geschäft verübeln?

Die Ansiedlung von Windparks spaltet. Wer Flächen im Schatten der Rotoren besitzt, wird nicht unerheblich „entschädigt“, wer nur Anwohner ist, beklagt neben der verhagelten Aussicht den Wertverlust seines Grundstücks. Profiteure und Protestler wohnen oft Tür an Tür, die Grenze verläuft mitten durch die Dorfgemeinschaften – und nicht selten quer durch die Gemeinderäte. Umso mehr ist die Politik gefragt, den Bau von Windrädern nicht dem freien Spiel der Kräfte zu überlassen, sondern nach unabhängigen Kriterien zu steuern. Wer darauf verzichtet und sich lieber wegduckt, verspielt nicht nur Vertrauen in die Politik. Er setzt auch den dörflichen Frieden aufs Spiel.

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