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Wie Bürger in Brünnighausen und Bäntorf den Bau der neuen Windkraftanlage bewerten

Segen oder Katastrophe?

Brünnighausen. „Bäume wachsen ja nicht in den Himmel, Windräder offenbar schon“, murmelt der gebürtige Brünnighäuser, der namentlich nicht genannt werden möchte. Für seinen täglichen Spaziergang durch den Bilderbuchfrühling am Nesselberg habe er heute ausnahmsweise die Route über den Napoleonsweg zum Ruhbrink hinauf genommen. „Wollte endlich mal gucken, was die hier seit zwei Wochen buddeln“, sagt der Senior und blickt mit gemischten Gefühlen erst in die mächtige Baugrube und auf das noch weiche Betonfundament hinab, dann zum benachbarten Windrad hinauf. „Was muss, das muss! Aber gerade wieder hier? Wir haben unseren Teil getan!“

veröffentlicht am 26.04.2014 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 21.04.2015 um 15:38 Uhr

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Autor:

Ingrid Stenzel
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Zwischen Brünnighausen und Bäntorf haben wie angekündigt die Bauarbeiten für die in 21 Jahren Windenergiegeschichte am Ruhbrink mittlerweile vierte Anlage begonnen. Und Brünnighäuser wie Bäntorfer denken zurück an das Jahr 1993, als beide Dörfer mit Hallo an gleicher Stelle die Einweihung der ersten Windkraftanlage (einer niederländischen) mit der seinerzeitigen „Wahnsinnshöhe“ von 31 Metern gefeiert hatten.

Die sparsamen zwei Rotorblätter speisten jährlich 90 000 Kilowattstunden ins Netz ein – zum gesetzlichen Festpreis von 16,5 Pfennig und einem Verkaufspreis für den Bürger von 25 Pfennig zuzüglich Mehrwertsteuer. Noch im selben Jahr folgte Windrad Nummer zwei, dreiflügelig, 34,5 Meter hoch und mit einer Leistung von jährlich 127 000 Kilowattstunden – von Bund und Land mit 180 000 Mark bezuschusst. Elf Jahre später, im Jahr 2004, wichen beide im Zuge des gefühlt himmelsstürmenden Repowerings der bestehenden Anlage mit Naben- und Gesamthöhe von 85 beziehungsweise rund 124 Metern – spätestens da hatte sich auch am Ruhbrink der kollektive Enthusiasmus in den Dörfern innerhalb von elf Jahren in die klaren Fraktionen „Wir sind auf dem richtigen Weg“ und „Windenergie gut, aber nicht immer bei uns“ gesplittet.

Aber es geht weiter: zunächst und aktuell mit der im Jahr 2010 genehmigten Anlage der Firma Windfeder, Rechtsnachfolgerin von Windmühlen-Kontor, die das bestehende Windrad fast genau an der Stelle des 1993er „Pioniers“ mit einer Nabenhöhe von 98 Metern und einer Gesamthöhe von gut 134 Metern um zehn Meter überragen wird. Die maximale Leistung beziffert der Landkreis Hameln-Pyrmont mit maximal 2,3 Megawatt.

„Endlich und Gott sei Dank läuft alles wie seit sechs Jahren geplant“, stellt Martin Schütte fest. Der Brünnighäuser ist überzeugter Windenergiebefürworter, Kümmerer in Sachen Wartung seit den Tagen des ersten Ruhbrinkrades und Landwirt, der mit der Verpachtung von 5000 Quadratmetern Ackerland für die im Bau befindliche Anlage für Rente und Absicherung der Familie sorgt.

„Eine Katastrophe für Natur und Artenschutz“, stellt ein ums andere Mal dagegen Naturschutzförster Heiko Brede fest, während um das Windrad und über die Baugrube ein Rotmilan seine Kreise zieht. „Solange mit der Windenergie so viel Geld zu verdienen ist wie jetzt, wird der Rotor-Run kein Ende haben und werden auch die naheliegenden Anwohner unter Lärm und Schattenwurf leiden.“

Auch für die von der Firma Windwärts beantragten sechs Windenergieanlagen in den Gemarkungen Bäntorf, Hohnsen und Coppenbrügge „Kastanien Nord“ (die Dewezet berichtete) sind Genehmigungsbescheide nunmehr rechtskräftig, teilt Landkreis-Pressesprecherin Sandra Lummitsch auf Anfrage mit.

Diese Anlagen werden wiederum aktuelle Höhen- und Nennleistungsdimensionen der Windräder im Flecken Coppenbrügge übertreffen: Die Gesamthöhe der Anlagen ist mit 185,90 Metern genehmigt. Die Nennleistung liegt bei jeweils 3,05 Megawatt. Mit dem Bau der Anlagen ist grundsätzlich innerhalb von drei Jahren nach Zustellung der Genehmigung zu beginnen. Nähere Informationen zum Baubeginn liegen dem Landkreis bislang noch nicht vor.

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