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Salzhemmendorfs Windkraftplan droht Gefahr

Pustekuchen mit dem Vorranggebiet?

Salzhemmendorf. Die Reon AG verkündete Mitte vergangenen Jahres, dass sie die Ausweisung des Vorranggebietes bei Benstorf anfechten wolle, um weitere Windenergieanlagen daneben setzen zu können. Zur Sicherheit hat die Gemeindeverwaltung ihren Flächennutzungsplan selbst von einem Juristen prüfen lassen.

veröffentlicht am 17.02.2016 um 16:01 Uhr
aktualisiert am 27.02.2016 um 16:48 Uhr

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Autor:

von Maike Lina Schaper
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Salzhemmendorf. Nein, in Salzhemmendorf wird es keine weiteren Windkraftanlagen geben – in dieser klaren Aussage waren sich alle Parteivertreter am politischen Aschermittwoch einig. „Hier hat man richtig aufgepasst“, sagt Dr. Wilhelm Koops (Grüne) an diesem Abend, und stellt Salzhemmendorf damit in den Gegensatz zu vielen anderen Regionen und Gemeinden in Deutschland. Und weiter: „Dass die Erbauer ihre Windräder hinstellen dürfen, wo sie wollen, das darf nicht sein.“ Auch der Gemeindebürgermeister ist davon überzeugt: „Wir fühlen uns da in einer relativ guten Rechtsposition“, sagt Clemens Pommerening (parteilos) und meint damit den vorhandenen Flächennutzungsplan der Gemeinde. Dieser ist im Jahr 2005 aufgestellt worden und weist als Vorrangfläche für Windenergieanlagen ein Gebiet bei Benstorf aus. Hierauf stehen bereits seit 2006 fünf Windräder der Landwind-Gruppe. Auf den Feldern hinter Naturkosmetikhersteller Logocos und dem Thüster Berg ragen ihre Flügel 149 Meter hoch empor. Die Turm-, beziehungsweise Nabenhöhe erreicht 108 Meter. Zum Vergleich: Die neuesten Anlagen von Landwind an den Kastanien Süd in Coppenbrügge haben eine Flügelhöhe von 199 Metern bei einer Nabenhöhe von 140 Metern.

Lange blieb es ruhig um das Thema Windkraft in Salzhemmendorf, bis 2015 die Reon AG ein Auge auf die Gemeinde und die Fläche bei Benstorf warf – Genauer gesagt, auf acht mögliche Plätze neben dem ausgewiesenen Gebiet. Aber „mit den fünf bestehenden Windkraftanlagen ist die Fläche bereits voll“, entgegnet Pommerening jeglicher Art von weiteren Bauplänen. Daneben oder an einer anderen Stelle in der Gemeinde zu bauen verhindert der Flächennutzungsplan.

Für die Gemeinde war das Thema damit eigentlich schon Mitte vergangenen Jahres erledigt. Nicht so für die Reon AG, die immer noch in Gesprächen mit den Landbesitzern ist, wie deren Projektleiter Thomas von Glahn auf Anfrage der Dewezet bestätigt. Allerdings seien mittlerweile auch noch andere Unternehmen an dem Gemeindegebiet interessiert und hätten den Landeigentümern Konkurrenzangebote gemacht. Wenn die Entscheidung für die Reon AG fällt, dann will das Unternehmen gemeinsam mit den Landbesitzern weiter vorgehen. „So weit ist es aber noch nicht“, sagt von Glahn.

Dass auch heute noch Gespräche mit den Landeigentümern laufen, davon hat Pommerening im Rathaus gehört. Dagegen unternehmen kann der Bürgermeister allerdings nichts: „Wir können nur abwarten, was passiert.“ Ist die Reon AG sich ihrer Sache sicher und will auf Gemeindegebiet bauen, wird sie zunächst einen Antrag beim Landkreis als zuständiger Genehmigungsbehörde stellen müssen, erklärt Pommering. Diese würde seiner Einschätzung nach den Antrag ablehnen, aufgrund des bestehenden Flächennutzungsplans der Gemeinde. Will Reon dann immer noch bauen, müsste das Unternehmen den juristischen Weg bestreiten und die Entscheidung des Landkreises anfechten. „Dann muss sich das Ganze für das Unternehmen am Schluss auch noch rechnen“, fügt Pommerening hinzu. Ein juristisches Verfahren zur Durchsetzung der neuen Windenergielangen hielt von Glahn bereits im Juli für möglich. Seine Sicherheit zieht der Projektleiter aus dem 2016 in Kraft getretenen Windenergieerlass. Hiernach müsse jede Gemeinde einen prozentual festgesetzten Anteil ihrer Fläche für die Bebauung mit Windkraftanlagen zur Verfügung stellen. „Diese 1,4 Prozent erreicht Salzhemmendorf mit der bisherigen Fläche niemals“, sagt von Glahn.

Zur Sicherheit hat die Gemeindeverwaltung jüngst ihren Flächennutzungsplan von einem Rechtsanwalt auf Anfechtbarkeit überprüfen lassen. „Dieser hat uns eigentlich nur bestätigt“, sagt Pommerening. Der zehn Jahre alte Flächennutzungsplan hält stand – und das auch ohne Nachbesserungen.

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