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… im Sommer wird das erste gebaut – es wird wohl nicht das einzige bleiben

Geplant sind 23 Windräder…

Coppenbrügge. Zwei Jahre lang war es ruhig geworden um bestehende und geplante Windkraftanlagen im Flecken, die die Bürgerschaft polarisieren. Im Sommer wird das erste von nach wie vor 23 geplanten Windrädern im Flecken am Ruhbrink gebaut – und es wird aller Voraussicht nach nicht das einzige in diesem Jahr sein.

veröffentlicht am 03.03.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 21.04.2015 um 15:39 Uhr

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Autor:

Ingrid Stenzel
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Als mehr als ärgerlich mit „grottig unprofessioneller“ Verteidigung des Landkreises als Beklagtem kommentierte Naturschutzförster Heiko Brede, Sprecher der IG Ruhbrink, den Richterspruch des Verwaltungsgerichtes Hannover im November 2012, der dem Kläger (WindKontor GmbH) die Rechtmäßigkeit seines Bauvorhabens von vier weiteren Windenergieanlagen (WEA) auf dem Brünnighäuser Ruhbrink bescheinigte. Nach diesem Urteil müsse die Politik überlegen, ob es überhaupt noch Sinn habe, die B-Planung zur Ausweisung von Windvorranggebieten im Flecken weiterzuführen – wenn selbst der Naturschutz, noch dazu in einer Region, die ganz auf den Tourismus setze, schon keine Rolle mehr spiele, gab seinerzeit Bürgermeister Hans-Ulrich Peschka zu bedenken. „Welchen Stellenwert haben dann noch Bürger und ihre Interessen?“ (wir berichteten) Und er sieht sich heute bestätigt. Seitdem sind zwei Jahre vergangen, es ist viel Gras über den Ruhbrink gewachsen, der Wind weht mal heftiger, mal flauer durch den Einzelspargel, um Wut und Kritik der Windradgegner ist es still geworden. Information ist Fehlanzeige, geschehen ist nichts, vergessen auf Investorenseite ist nichts. In der jüngsten Bauausschusssitzung des Coppenbrügger Rates erfährt die Öffentlichkeit jetzt fast nebenbei, dass Wirtschaftswege im Flecken als Zuwegung für bevorstehenden Bau- und Schwerlastverkehr zu Windradbauvorhaben bereits im März großzügig saniert, befestigt und verbreitert werden sollen. Die Dewezet bat Landkreis, Bürgermeister und IG „Rettet den Ruhbrink“ um Aufklärung über den aktuellen Sachstand der Windenergieanlagen im Flecken. „23, neben den bestehenden vier WEA (Ruhbrink, Harderode)“, teilt die Pressesprecherin des Landkreises, Sandra Lummitsch mit, „befinden sich unverändert in Planung; fünf davon am Ruhbrink sind bereits genehmigt, darunter auch jene vier durch Urteil des Verwaltungsgerichtes Hannover nach Klage des Investors Nagel-Held (WindmühlenKontor) im November 2012.“ Da hierzu momentan noch Alternativanträge geprüft würden, könne zu einem konkreten Baubeginn keine Aussage getroffen werden. Fest steht dagegen, dass die bereits 2010 genehmigte WindmühlenKontor-WEA direkt neben der bestehenden Ruhbrinkanlage bereits im Sommer errichtet wird. Dazu sind für März/April die im Bauausschuss vorgestellten infrastrukturellen Zuwegungsmaßnahmen für den Baustellenverkehr geplant – wobei Abklärungsbedarf mit dem Denkmalschutz aussteht, da Abschnitte der historischen Heerstraße beziehungsweise des Napoleonsweges betroffen sind. Die Genehmigungsbescheide für weitere sieben Anlagen der Firma Windwärts im Bereich Kastanien-Nord (Bäntorf/Hohnsen) befinden sich im Anhörungsverfahren. Zustellung, so Lummitsch, sei noch für März geplant, sofern bis Monatsmitte keine zu berücksichtigenden Einsprüche eingehen. Das Bauvorhaben werde trotz schwebenden Insolvenzverfahrens realisiert, wie der Insolvenzverwalter der Firma der Coppenbrügger Verwaltung mitteilte. Eine Presseerklärung kündigt das Unternehmen nach endgültiger Rechtsverbindlichkeit der Genehmigung für Mitte bis Ende März an. „Die Entscheidung zu zwei der Windwärts-WEA (davon eine weitere am Ruhbrink) ist aufgrund von Klärungsbedarf vorübergehend zurückgestellt“, heißt es aus dem Kreishaus; was für die Coppenbrügger Verwaltung laut Rainer Greve eine neue Information ist. „Aber Klärungsbedarf“, so Greve, müsse sich bisweilen nicht ewig hinziehen. Auch der dann dritte Spargel am Ruhbrink könne durchaus zeitnah rotieren. Bleiben noch zehn WEA, die die Firma Ebert Consulting im Bereich Kastanien-Süd (Hohnsen/Herkensen) plant. „Diesbezüglich läuft momentan eine Umweltverträglichkeitsprüfung“, so Lummitsch. Im Anschluss daran sei eine umfassende Information der Öffentlichkeit geplant. „Unterm Strich und nach zwei Jahren nichts Neues, trotz tausendfach belegter, hinlänglich bekannter guter Gegenargumente“, sagt Brede. Die Anzahl der geplanten/genehmigten Anlagen, alle mit einer Gesamthöhe von knapp 200 Metern, war bekannt und überrasche ihn persönlich nicht. „Das bedeutet Artenschutz in höchster Not mit signifikant erhöhter Tötungswahrscheinlichkeit für Rotmilane, Fledermäuse, Schwarzstörche, Uhus, weil wir nicht in der Lage sind, eine ausgewogene Planung zu machen.“ Windenergieplanung sollte konzeptionell auf Landkreis-, besser auf regionaler oder noch größerer Ebene ausgelegt sein. „Und dabei ist der Flächennutzungsplan das einzige Instrument, mit dem nach sauberer Abwägung Vorranggebiete ausgewiesen werden können, eine gewisse Steuerung des Windenergieausbaus möglich und nicht das gesamte Gemeindegebiet planungstechnisch offen ist.“ Ob es noch Sinn mache, die B-Planung zur Ausweisung von Windvorranggebieten im Flecken weiterzuführen, hatte dagegen der Bürgermeister nach dem Urteilsspruch des Verwaltungsgerichtes vor zwei Jahren gefragt und fühlt sich heute bei unverändertem Planungs- und Antragsstand bestätigt. Der Flächennutzungsplan der Gemeinde ruhe auch weiterhin mit gutem Grund, so Peschka. „Nur so sind wir in der Lage, das Thema wieder neu aufzugreifen, sollten weitere Anträge kommen.“

Ein Windrad steht bereits am Ruhbrink.

Mit Sicherheit wird hier in diesem Jahr ein, mit großer Wahrscheinlichkeit werden zwei Windkraftanlagen gebaut. Der Wirtschaftsweg zum Ruhbrinkrad ist Teil des historischen Napoleonsweges – eine Aufarbeitung für schweren Bauverkehr braucht eine Denkmalschutzgenehmigung.ist

Die Sterne rechts symbolisieren die Pläne am Ruhbrink; möglicherweise entstehen sieben weitere Anlagen südwestlich zwischen Hohnsen und Bäntorf im Bereich Kastanien-Nord. Die Pfeile zeigen Wege, die jetzt für den Schwerlastverkehr vorbereitet werden.

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