weather-image
15°
Investor will zweiten Windpark bei Benstorf errichten / Pommerening: „Keinerlei Bedarf“

Acht neue Windräder?

Salzhemmendorf. Der Gemeinde Salzhemmendorf steht eine Debatte über neue Windräder bevor. Nach Informationen der Dewezet hat die Reon AG aus Lilienthal ein Auge auf den Flecken geworfen. Acht neue Windräder möchte der Investor bei Benstorf errichten. Verhandlungen mit Landeigentümern hat das Unternehmen bereits geführt.

veröffentlicht am 01.07.2015 um 18:20 Uhr
aktualisiert am 02.07.2015 um 11:10 Uhr

270_008_7737444_Grafik_Windraeder_Benstorf.jpg
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Bei Benstorf hat die Gemeinde 2005 ein Vorranggebiet ausgewiesen, seit 2006 stehen hier fünf Windräder. Seitdem ist es – anders als im benachbarten Coppenbrügge – ruhig geblieben um das Thema Windkraft. Die Anlagen bei Benstorf sind die einzigen im Gebiet der Gemeinde. Bis jetzt.

Die Reon AG möchte neue Windräder unmittelbar neben dem Vorranggebiet bauen. „Es gibt Interesse, im Anschluss an den bestehenden Windpark eine Erweiterung vorzunehmen, außerhalb des Vorranggebietes“, bestätigt Bürgermeister Clemens Pommerening.

Reon AG schließt „juristischen Weg“

nicht aus

Im Vorranggebiet selbst ist kein Platz mehr für weitere Anlagen. Und nach Ansicht der Gemeinde hat sich das Thema damit quasi erledigt, denn außerhalb des Vorranggebietes – das ist der Sinn solcher Konzentrationsflächen – sollen keine Windräder entstehen. „Wir haben keinerlei Bedarf an weiteren Anlagen“, sagt Pommerening. „Wir haben rechtskräftig ein Vorranggebiet ausgewiesen, bei dem es auch bleiben soll. Seitens der Gemeinde wird keiner daran rütteln.“

270_008_7736834_lkcs105_Dana_0107.jpg
  • Zu den fünf Windrädern bei Benstorf (siehe Grafik) könnten acht weitere Anlagen hinzukommen. Die Gemeinde möchte es verhindern. Dana

Der Investor aber möglicherweise schon. Die Position der Gemeinde würde man ja verstehen und dafür auch Respekt aufbringen, sagt Thomas von Glahn, Projektleiter bei Reon. Aber: „Wir müssen uns letztendlich nicht mit der Gemeinde einig werden. Der Landkreis genehmigt die Windkraftanlagen“, sagt von Glahn.

Formal stimmt das, aber der Landkreis als Genehmigungsbehörde stellt in solchen Fällen das Einvernehmen mit der Gemeinde her. Und bleibt die Gemeinde bei ihrem Nein und steht zu ihrem Flächennutzungsplan, der die vom Investor auserkorene Fläche nicht als Vorranggebiet ausweist, erfolgt in der Regel ein abschlägiger Bescheid. Reon könnte dann versuchen, den Flächennutzungsplan der Gemeinde juristisch anzufechten – aber so weit ist es noch nicht.

Acht Anlagen möchte Reon bei Benstorf errichten. Gespräche mit den Landeigentümern hätten bereits stattgefunden, um „vorzufühlen, ob Interesse besteht“. Laut von Glahn seien die Gespräche positiv verlaufen. Auch das Konzept, das man anschließend erstellt habe, sei bei den Eigentümern gut angekommen. „Wir wollen jetzt schnellstmöglich ein Gutachten in Auftrag geben“, sagt von Glahn. Das Gutachten soll klären, ob die Erweiterung des Vorranggebietes möglich sei. „Sollte es nicht möglich sein, werden wir unsere Absichten dort nicht weiterverfolgen“, versichert der Projektleiter.

Ob die Erweiterung möglich ist, wird davon abhängen, wie rechtssicher die zehn Jahre alte Vorrangplanung der Gemeinde heute noch ist. Im Zweifel wird darüber – siehe Coppenbrügge – später ein Verwaltungsgericht entscheiden. Ein Szenario, das Reon nicht ausschließt. „Der juristische Weg ist aber wirklich der allerletzte Weg, den wir gehen wollen“, beteuert von Glahn. „Wir wollen ein zweites Coppenbrügge verhindern“, sagt der Projektleiter. In Coppenbrügge war die Gemeinde mit ihrer (noch älteren) Vorrangplanung vor Gericht gescheitert und hatte es in der Folge versäumt, neue Vorranggebiete auszuweisen, weshalb hier die Wünsche der Investoren über die Standorte bestimmten (wir berichteten).

Warum interessiert sich Reon für Salzhemmendorf? „Wir schauen, wo es bereits bestehende Windparks in Niedersachsen gibt“, erklärt von Glahn. Zudem würde das Unternehmen prüfen, ob es unter den bestehenden Kriterien möglich ist, dort zu bauen. Und: „Eine Erweiterung ist immer besser als ein Neubau auf freier Wiese“, sagt von Glahn. So sei man schließlich auf Salzhemmendorf gekommen.

Reon hält es „für zumutbar“, den Windpark bei Benstorf (betrieben von der Firma Landwind aus Gevensleben) „moderat“ zu erweitern. Erste Gegenstimmen haben den Projektleiter aber offenbar schon erreicht. „Eine Bürgerinitiative ist schon an uns herangetreten und hat sich gegen unsere Pläne ausgesprochen“, räumt von Glahn ein. In den kommenden Tagen werde man dazu Stellung nehmen.

Aber offenbar geht von Glahn davon aus, noch mehr Widerstände überwinden zu müssen. Jedenfalls versucht er, den Salzhemmendorfern die neuen Windräder besonders schmackhaft zu machen: „Es kann sein, muss aber nicht, dass mit einem Teil des Erlöses der Anlagen ein gemeinnütziger Verein – nennen wir ihn hier Heimatverein Salzhemmen e.V. – gegründet werden könnte, der zum Beispiel Schulen oder Kindergärten unterstützt.“

Von Glahn weiß ganz offensichtlich, wie Lobbyarbeit für Windräder auch bei starkem Gegenwind funktioniert. Doch die Diskussion über Windräder – sie fängt in Salzhemmendorf erst an.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare