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Klimaschutz-Teilkonzept des Landkreises setzt voll auf die Erneuerbaren Energien

Massiver Ausbau von Windkraftanlagen?

Hameln-Pyrmont. Die Zahl der Windenergieanlagen im Landkreis wird bis zum Jahr 2050 möglicherweise von heute 61 Anlagen in elf Windparks auf bis zu 187 Windmühlen in 21 Windparks steigen. Damit soll das Ziel erreicht werden, bis zu diesem Zeitpunkt alle Verbraucher – private wie gewerbliche – nur noch mit Strom aus regenerativen Quellen, vorrangig aus Windkraft- und Photovoltaik-Anlagen, zu versorgen. Das ist eines der Ergebnisse einer von der target GmbH und der Klimaschutzagentur erarbeiteten Potenzial-Analyse, die am Dienstag im Rahmen einer energiepolitischen Fachtagung im Kreishaus vorgestellt wurde. Gleichzeitig müsste der Energieverbrauch durch Effizienz steigernde Maßnahmen von derzeit benötigten 4750 Gigawattstunden (GWh) auf 2500 GWh nahezu halbiert werden.

veröffentlicht am 06.05.2016 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 09.05.2016 um 11:30 Uhr

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Autor:

Wolfhard F. Truchseß
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Jörg Heine vom Kreisdezernat für Erneuerbare Energien, Umwelt und Wirtschaft war es allerdings wichtig, zu betonen, dass dies eine „rein theoretische Annahme“ sei, die planungsrechtlich noch durch keinerlei Beschlüsse über Vorranggebiete von den Kommunen gestützt werde. Auch die grüne Kreistagsabgeordnete Britta Kellermann versuchte abzuwiegeln und erklärte: „Das ist alles noch völlig offen.“ Bei der Planung neuer Anlagen gehe es wie in Bad Münder darum, Kompromisse zu finden, die dann von den Menschen auch akzeptiert würden.

Hintergrund der zur Hälfte vom Bundesumweltministerium finanzierten Potenzial-Analyse war der Auftrag des Landkreises, ein Klimaschutz-Teilkonzept zu erarbeiten, um im Jahr 2050 im Landkreis ohne Strom aus fossilen Quellen auszukommen und auf diese Weise den Ausstoß von Kohlendioxid massiv zu senken. Derzeit produziert jeder Verbraucher in Deutschland jährlich fast 10 Tonnen CO2, das als Hauptverursacher der weltweit steigenden Temperaturen und des Klimawandels angesehen wird.

Nach den von den vier im Landkreis handelnden Energieversorgern bereitgestellten Zahlen wurden im Landkreis im Jahr 2014 genau 963 GWh durch Biomasse (693 GWh), Wind (187), Sonne (47), Umweltwärme (21) und Wasser (15 GWh) für Strom, Wärme und Mobilität bereitgestellt. Am größten ist nach diesen Daten der Anteil der Erneuerbaren Energie mit 76 Prozent beim Strom; bei der Bereitstellung von Wärme liegt ihr Anteil bei 16 Prozent (Niedersachsen sieben Prozent), bei Kraftstoffen nur bei fünf Prozent. Damit liegt der Landkreis beim Strom deutlich über dem Durchschnittswert in Niedersachsen, der von target mit 45 Prozent angegeben wird. Deutschlandweit liegt dieser Wert mit 27 Prozent noch weit darunter.

target-Geschäftsführer Andreas Steege erklärte die Notwendigkeit, sowohl die Windenergie als auch die Photovoltaik in den nächsten Jahrzehnten stark auszubauen, mit der Tatsache, dass die Energieproduktion aus Biomasse im Landkreis mit 21 Biogasanlagen, einer Pflanzenölanlage, einem Altholz-Heizkraftwerk, zwei Holzheizwerken und etwa 25 000 kleinen Holzöfen – in der Hauptsache Pellet- und Hackschnitzelanlagen – mit 99 Prozent ihres Potenzials bereits an ihre Grenzen gelangt sei. Nach zwei kräftigen Wachstumsphasen zwischen 2005 und 2011 sei in diesem Bereich keine weitere Entwicklung mehr zu erwarten, eher sei ein Rückbau anzunehmen. Potenzial hätten allenfalls noch Stroh und Energiepflanzen als Lieferanten.

Sehr stark habe sich seit der Jahrtausendwende die installierte Leistung von Windkraftanlagen erhöht. Mit 190 GWh werde inzwischen bei durchschnittlichen Windgeschwindigkeiten zwischen 5,7 und 7,5 Metern pro Sekunde so viel Windstrom erzeugt, dass daraus 75 Prozent des Stromverbrauchs der Stadt Hameln abgedeckt werden könnten. Nach Ansicht von target könnten mit den prognostizierten 187 Windanlagen 1437 GWh im Jahr produziert und damit der derzeitige Stromverbrauch komplett abgedeckt werden.

Für die Produktion von Solarstrom sehen die Experten das Potenzial im Landkreis mit zwei Prozent noch lange nicht ausgeschöpft. Mit Anlagen auf vielen Dächern, aber auch auf Freiflächen, könnte die Photovoltaik bis zum Jahr 2050 mehr 2000 GWh Strom liefern. Ähnlich sieht die Bilanz für Umweltwärme aus. Mithilfe von Wärmepumpen lasse sich hier ein Vielfaches der heute auf diesem Wege aus der Umwelt geholten Wärme- oder Kälteenergie erzeugen. Wenig Potenzial hat nach Ansicht von target der Ausbau von Wasserkraftanlagen, weil die Genehmigungsverfahren einerseits sehr kompliziert seien und im Landkreis dafür auch kaum Möglichkeiten bestünden.

Klar war den Machern der Studie, dass es erheblicher Anstrengungen bedürfen wird, die Bürger von der Umsetzbarkeit der Potenziale und der prognostizierten Anlagen zu überzeugen. Eine Möglichkeit wird darin gesehen, beispielsweise eine Aktionskampagne „Windkraft in Bürgerhand“ zu starten und Bürgeranlagen errichten zu lassen.

Windenergieanlagen haben nach Ansicht der target GmbH und der Klimaschutzagentur im Landkreis das größte Potenzial für eine Stromerzeugung ohne fossile Energien.

Foto: Dana

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