weather-image
Heute Folge drei unseres Dreiteilers zur Windkraft: Unter dem Strich stehen Millionen – für Industrie und Landbesitzer

Es geht um viel Geld

Tote Fledermäuse und andere ökologische Kollateralschäden schieben die Anhänger der Energiewende mit der Begründung beiseite, eine globale Klimakatastrophe müsse verhindert werden. So etwa die ehemalige grüne rheinland­pfälzische Ministerin Eveline Lemke zur Zerstörung des Soonwaldes im Rhein­Huns-rück­Kreis durch Windkraftanlagen.

veröffentlicht am 02.05.2017 um 10:13 Uhr
aktualisiert am 03.05.2017 um 12:43 Uhr

Oben groß, unten klein: Windräder thronen über dem kleinen Bessingen im Landkreis Hameln-Pyrmont. Foto: Wal

Autor:

Michael Miersch und Fritz Vahrenholt
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

„Ohne das Klima zu schützen, wird’s hier keine Artenvielfalt mehr geben.“ Die Rettung der Welt sei wichtiger als die heimische Natur. Mittels Windkraft, Solaranlagen und Biogas soll Deutschland seine Kohlendioxidemissionen senken und dadurch die globale Erwärmung bremsen.

Doch bisher ist das Wunschdenken. Denn trotz des rasanten Ausbaus und fast 30 Milliarden Euro ausgeschütteter EEG­Vergütung pro Jahr hat die alternative Stromerzeugung nach deutschem Rezept bisher keine Senkung des CO2­Ausstoßes erbracht. Im Gegenteil: Er stieg sogar leicht an, weil abgasfreie Atomkraftwerke abgeschaltet wurden.

Immer wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint („Dunkelflaute“), müssen in Reserve befindliche Kohlekraftwerke hochgefahren werden, damit es nicht zum Blackout kommt. Und da nützt in der Flaute auch eine Verdopplung oder Verdreifachung der Windkraftkapazität nichts. Dreimal null ist null. Das ist Mathematik und nicht Politik.

270_0900_42718_hin106_Windkraft_Coppenbruegge_Wal_2804.jpg

Und keiner glaubt mehr das Märchen, dass es immer irgendwo ein bisschen Wind gäbe. Wenn die Großwetterlage Windstille anzeigt, reicht diese von Holland bis Polen, von Dänemark bis Österreich, und das kommt nicht selten vor. Dann retten nur noch alte österreichische Ölkraftwerke, polnische Steinkohlekraftwerke oder französische und tschechische Atomkraftwerke die deutsche Stromversorgung. Wie Mitte Januar, als Deutschland kurz vor dem Blackout stand.

Und wenn es dann bei Starkwind zu einem Überangebot von Strom kommt, schalten wir in Deutschland die Windkraftwerke ab und zahlen trotzdem die Einspeisevergütung. Oder exportieren diesen nicht zu gebrauchenden Strom an unsere Nachbarländer und zahlen noch drauf, damit sie uns diesen Überschussstrom abnehmen. Nahezu die Hälfte des Windstroms wird auf diese Weise ins Ausland verschleudert. Die Betreiber bekommen trotzdem ihren zugesicherten Profit. Und die Differenz bezahlen die deutschen Stromkunden.

Ob Deutschland überhaupt in der Lage ist, das Weltklima zu beeinflussen, ist fraglich. Bei zirka fünf Prozent liegt der Anteil des von Menschen verursachten CO2­Ausstoßes am Kohlendioxidgehalt in der Atmosphäre (95 Prozent sind natürlichen Ursprungs). Von diesen fünf Prozent gehen gerade einmal 2,2 Prozent auf das Konto des Industrielandes Deutschland. Verglichen mit China (28,2 Prozent) ist die Bundesrepublik ein CO2-Zwerg.

Was die meisten Politiker nur hinter vorgehaltener Hand zugeben, ist die Tatsache, dass durch den Zubau durch Windkraft in Deutschland null CO2 vermieden wird. Das europäische Handelssystem von CO2­Zertifikaten führt dazu, dass durch den Bau von Windkraftanlagen Zertifikate freigesetzt werden, die in ganz Europa Verwendung finden. Mit anderen Worten: CO2 wird in gleichem Maße, wie es hier eingespart wird, anderswo in Europa zusätzlich ausgestoßen. Ein Nullsummenspiel.

Langsam, aber sicher, spricht sich das herum. Und je fragwürdiger die Energiewende wird, desto mehr naturliebende Menschen engagieren sich gegen Landschaftszerstörung und Vogeltod. 800 Bürgerinitiativen gegen Windkraft wurden in jüngster Vergangenheit gegründet. Nicht allen geht es um die Natur. Manche fürchten in erster Linie den Wertverlust ihrer Häuser, wenn sie von Rotoren umstellt werden. Doch vielen geht es wie dem Förster Johannes Bradtka, der die Zerstörung von Kulturlandschaften nicht mehr hinnehmen will. Da alle im Bundestag vertretenen Parteien dies ignorieren, gelingt es inzwischen den Rechtspopulisten, sich mit diesem Thema in der Bevölkerung beliebt zu machen. Von den traditionellen Parteien engagiert sich nur die FDP gegen Landschaftsfraß und Subventionsirrsinn.

Je mehr der Widerstand wächst, desto rüder die Methoden der Windkraftinvestoren. Immer häufiger werden gezielt Bäume gefällt, auf denen geschützte Vögel wie Rotmilan oder Schreiadler nisten. Denn in der Nähe solcher Brutplätze dürfen keine neuen Anlagen errichtet werden.

Wer Regionalzeitungen durchblättert, findet zahlreiche Fälle solcher Zerstörungen über die ganze Republik verteilt. Laut NDR wurden allein 2016 im Landkreis Vorpommern­Greifswald 16 zerstörte Greifvogelhorste registriert. „Für uns“, sagt Kreissprecher Achim Foitzheim, „zeichnet sich eine Struktur ab, ein Tatmuster. Dem liegt ein gewisses Maß an krimineller Energie zugrunde.“ Der Deutschen Wildtier Stiftung wurden innerhalb nur eines Jahres 80 solcher Fälle gemeldet. Immer wieder steht neben Seeadler und Schreiadler der Rotmilan im Fadenkreuz der Zerstörer.

Es geht dabei um viel Geld. Die Pachtzahlung für eine Windkraftanlage, die ja über die Stromrechnung aller Bürger bezahlt wird, beträgt mittlerweile bis zu 80 000 Euro. Jährlich, 20 Jahre lang. Hat man also eine Fläche für ein Windfeld von zehn Anlagen anzubieten, lockt ein Ertrag von 16 Millionen Euro für den Grundeigentümer. Das weckt auch kriminelle Energie.

Daher fordert die Deutsche Wildtier Stiftung von der Politik, dass in Plangebieten, in denen ein Horst zerstört wor­ den ist, zehn Jahre keine Windkraftanlage mehr gebaut werden darf. Eine solche Regelung hat in Sizilien gut gewirkt. Dort hat die Mafia aufgehört, Wälder anzuzünden, nachdem eine zehnjährige Landnutzungssperre nach Waldbränden gesetzlich eingeführt worden war.

Am Beginn der Umweltschutzbewegung stand 1962 ein Buch, in dem es viel um Greifvögel ging: „Der stumme Frühling“, verfasst von der amerikanischen Biologin Rachel Carson. Sie deckte auf, dass der übermäßige Gebrauch bestimmter Pestizide den Weißkopfseeadler, Wappenvogel der USA, an den Rand des Aussterbens gebracht hatte. Im heutigen Deutschland wird der Rotmilan von einer Industrie vernichtet, die mit der Rettung des Weltklimas für ihre Interessen wirbt. Viele, die sich für Umweltschützer halten, applaudieren dazu – und die im Bundestag vertretenen Parteien schauen weg.

Lesen Sie online unser Dossier zum Thema.

Bei diesem Beitrag handelt es sich um einen Nachdruck mit Genehmigung der Tichys Einblick GmbH.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare