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Von Badestrand bis Badeschiff – andere Städte machen vor, wie man Leben an den Fluss holt

In der Weser schwimmen?

Manchmal reicht der Blick in die Vergangenheit, um Visionen für die Zukunft zu schmieden. Über zwei Jahrhunderte war es für die Hamelner selbstverständlich in der Weser baden zu gehen. Mindestens elf Flussbadeanstalten hat es seit Beginn des 19. Jahrhunderts gegeben: auf der grünen Wiese, mit Strand oder mit Steg. Auch Badeschiffe gab es.

Hameln. Sie wollten sich nur etwas abkühlen. Deshalb stiegen sie in Hameln in die Weser, um gemeinsam nach Lachem zu schwimmen. Bei 30 Grad im Schatten sei das eine gute Idee, meinten die beiden Hamelner. Dass sie damit vor rund zwei Wochen eine große Suchaktion auslösen würden, hätten die Senioren nicht gedacht. Warum auch, in ihrer Jugend hat das schließlich jeder gemacht. Schwimmen in der Weser war ganz normal, bis 1951 auch die letzte städtische Flussbadeanstalt geschlossen wurde. Die Kanalisation der Stadt reichte nicht mehr aus, Abwässer wurden ungeklärt in den Fluss geleitet. Hinzu kamen Belastungen durch den zunehmenden Schiffsverkehr. Ende der 1980er Jahre galt die Weser – laut offizieller Gewässergüteklasse – als „stark verschmutzt“, teilweise gar als „übermäßig verschmutzt“. Das lag vor allem an der Einleitung aus Salzabwässern aus der Kaliindustrie in Thüringen und Hessen. Doch seitdem hat sich viel getan. Heute ist die Weser wieder zum Baden geeignet. Bremen oder das nahegelegene Minden zum Beispiel gönnen sich daher wieder Flussbadeanstalten und bereichern damit ihr Freizeitangebot. Im Herzen Bremens haben Badegäste einen tollen Ausblick auf den Osterdeich, die alten Villen und das Weserstadion. Gerade bei jungen Familien ist der Badestrand auf dem Bremer Stadtwerder am Café Sand sehr beliebt. Eine DLRG-Station gibt es nicht. Für Schwimmer müssen generelle Anweisungen ausreichen, die auch in Hameln gelten könnten: sich möglichst in Ufernähe aufhalten und auf keinen Fall die Fahrrinne überqueren, da hier viele Schiffe unterwegs sind und die Strömung stark ist.

veröffentlicht am 06.09.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:50 Uhr

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Tomas Krause

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Tomas Krause Onlineredakteur zur Autorenseite

In Minden ist es dem Verein der „Weserfreunde“ zu verdanken, dass die Stadt um eine Attraktion reicher ist. Auf Kanzlers Weide, nicht weit vom Stadtkern, hat der Verein 2007 einen etwa 100 Meter langen Badestrand an der Weser etabliert. Inzwischen hat sich das Areal zum Magneten für Erholungssuchende und Schwimmer entwickelt. Die Stadt habe den Strand mittlerweile zu ihrem Aushängeschild gemacht, sagt Horst Spreckelmeyer, der im Vorstand der Weserfreunde sitzt. Bis dahin sei es allerdings ein weiter Weg gewesen. Dass der Strand die Attraktivität und Lebensqualität vor Ort und in der Region erhöht, ist endlich auch im Mindener Rathaus angekommen. „Aus unserem Impuls ist nach sieben Jahren ein erfreulicher Beschluss geworden“, sagt Spreckelmeyer. „Die Politik will aus dem Gelände einen Weserauen-Park entwickel“ – bisher mit professionellen Volleyball-Feldern und einem modernisierten Caravan-Stellplatz; eine Beach-Bar gibt es ohnehin schon. Und die Visionen der Weserfreunde gehen noch weiter. 2017 wollen sie die Landesgartenschau nach Minden holen und dort mit einem Hochwassergarten ihre Vorstellung von einem „Leben am Fluss“ verwirklichen.

Aber ist all das auch in Hameln möglich? Nein. Minden sei nicht mit Hameln vergleichbar, heißt es aus dem Rathaus. „In Hameln sind die Uferbereiche viel steiler als in Minden, auch die Strömungsverhältnisse unterscheiden sich. Würde in Hameln direkt an der Weser Sand aufgeschüttet, wäre davon auszugehen, dass ein Großteil des Sandes schon beim ersten Hochwasser fortgespült wird“, erläutert Stadtsprecher Thomas Wahmes. Zudem gebe es mit dem Wehr und der Wasserkraftanlage erhebliche Gefahrenquellen für Schwimmer. Dennoch, für private Initiativen hätte die Stadt bestimmt ein offenes Ohr, meint er.

Eine Idee, die dem Stadtsprecher auch persönlich gut gefällt, ist ein Badeschiff nach Berliner Vorbild. Das Badeschiffes auf der Spree gehört inzwischen zu den außergewöhnlichsten Orten der Hauptstadt. Neu ist die Idee nicht, auch nicht an der Weser. Bereits 1872 errichtete August Lange ein Badeschiff auf Höhe der Pfortmühle. Ihm folgte, etwas weserabwärts, Johann Burgermeister, der sein Badeschiff 1902 eröffnete. Mit dem Berliner Badeschiff haben die quadratisch angeordneten Holzaufbauten, die auf Schwimmkörpern aufgesetzt waren, natürlich nichts zu tun. Das Berliner Badeschiff ist im Wesentlichen ein umgebautes altes Frachtschiff. Mit Schwimmbadfolie ausgeschlagen und mit sauberem Wasser gefüllt, wird es seit 2004 als Schwimmbad im Berliner Osthafen genutzt – quasi als Schwimmbecken im Fluss. Denkbar einfach und überall umsetzbar. „Das wäre sicherlich eine tolle Sache für Hameln“, sagt Thomas Wahmes. Grundsätzlich spreche auch nichts dagegen. „Die Frage ist, ob sich jemand findet, der sich hier engagiert und in ein Badeschiff investieren würde. Die Frage ist auch, ob die Bundesschifffahrtsverwaltung ein solches Badeschiff genehmigen würde.“

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Bestimmt, das sind berechtigte Bedenken. Doch auch das Berliner Badeschiff hat mal als Planspiel begonnen, war Teil eines künstlerischen Wettbewerbes, sich mit Brücken als verbindendem Element in Berlin auseinanderzusetzen. Jetzt verbindet es nicht nur Stadt und Fluss, sondern ebenso historische Badekultur mit dem Lebensgefühl von heute. Und das würde auch Hameln gut stehen.

Eine interaktive Grafik, die zeigt, wo Hamelns alte Flussbäder lagen, finden Sie ab Montagmittag auf dewezet.de.

Bis Anfang der 1950er Jahre konnte man ganz offiziell in der Weser baden gehen, wie dieses Foto der städtischen Badeanstalt an der Hafenspitze zeigt. Viele wünschen sich eine Wiederbelebung einer solchen Flussbadeanstalt in Hameln.

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