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Bücherei im städtebaulichen Juwel – Gedankenspiel über eine Alternative

Das Hotel zur Pfortmühle

Hameln (ant). „Ein Hingucker“, „ein herausgehobener Standort“, „die Optik große Klasse“ – die Pfortmühle kann sich über viele Komplimente freuen. Doch nützt ihr das was? Wird sie mit der derzeitigen Nutzung nicht weit unter Wert verkauft?

veröffentlicht am 11.08.2014 um 11:44 Uhr

Von der Lage her ideal, vom Aussehen her auch: Wie wäre es, wenn man in der Pfortmühle ein Hotel einrichten würde?  Wal

Hameln (ant). „Ein Hingucker“, „ein herausgehobener Standort“, „die Optik große Klasse“ – die Pfortmühle kann sich über viele Komplimente freuen. Doch nützt ihr das was? Wird sie mit der derzeitigen Nutzung nicht weit unter Wert verkauft?
Wer in den oberen Etagen des Gebäudes aus dem Fenster sieht, hat einen wunderbaren Blick über Hameln, auf Weser und Klüt. Doch die wenigsten schauen hinaus – und stattdessen in Bücher hinein. Mit rund 77 Prozent belegt die Stadtbücherei über vier Etagen den größten Teil des Gebäudes. Ein exklusiver Platz zum Lesen. Hinzu kommen das Stadtarchiv und Büros der Verwaltung. Die Stadt steht aber zu der Entscheidung, die Pfortmühle auf diese Weise zu nutzen. „Wir bemessen der Bücherei einen besonderen Wert bei“, sagt Sprecher Thomas Wahmes. Zudem biete man den Hamelnern die Möglichkeit, das schöne Gebäude samt Ausblick zu nutzen.
Ein städtebauliches Juwel – aufwendig saniert – als Heimat für Leseratten? Klingt verschenkt. Wäre Hameln Hamburg, die Weser die Alster, es würde sich sicher sofort ein Investor für das Gebäude interessieren – und vielleicht ein Hotel daraus machen. Man kann es sich gut vorstellen: ein schöner Eingang Richtung Altstadt, auf der Treppe ein roter Teppich, ein Portier im Frack – im Obergeschoss eine Bar mit großen Fenstern und Blick in die Landschaft. Nostalgischer Charme, zentrale Lage, der Fluss nebenan – warum nicht? „Technisch gesehen geht das“, kommentiert Stadtbaurat Hermann Aden das Gedankenspiel, „aber unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten könnte es bedenklich sein“.
Hotelier Ralf Schwager, der das Weserhotel in Holzminden betreibt, ist alles andere als ein Bedenkenträger. Er hat seine Vision am Fluss in Holzminden innerhalb von neun Monaten verwirklicht – seit Anfang Juli ist das Hotel mit 70 Betten eröffnet. „Lage, Lage, Lage“, antwortet er, wenn man ihn nach dem wichtigsten Faktor für ein erfolgreiches Hotel fragt – zwischen Altstadt und Werder liegt die Pfortmühle ideal. Altstadtnah unterzukommen, ist auch in Hameln eine der wichtigen Bedürfnisse von Hotelgästen – bestätigt Harald Wanger, Geschäftsführer der Hameln Marketing und Tourismus GmbH.
Trauungen im
obersten Stockwerk?
Dabei hatte sich Schwager eigentlich für einen anderen Standort in Holzminden interessiert – weiter weg vom Weserradweg. Die Pläne waren schon weit vorangeschritten, doch dann befielen ihn Zweifel und er wählte die ehemalige Jugendherberge am Hafen aus – altstadt- und wesernah. Und bereut es nicht. Dass er das Gebäude mit dem richtigen Standort dafür fast komplett umbauen musste, nahm er in Kauf. „Wir haben fast nur die Außenmauern stehen gelassen.“
Auch in der Pfortmühle müssten viele Wände eingezogen werden, um das Gebäude hotelgerecht zu machen. Doch Schwagers Beispiel zeigt: Nichts ist unmöglich. Im Turm neben dem Weserhotel möchte der Hotelier noch ein Trauzimmer einzurichten – eine Idee, die auch in Hameln fruchten könnte. Im obersten Geschoss der Pfortmühle, wo derzeit in Bürozimmern Akten bearbeitet werden, könnten sich künftig „Jasager“ das Wort geben.
Doch es gibt noch einen anderen wichtigen Aspekt, wenn man ein Hotel plant: die Parkplätze. „Es gibt keine Parkgarage unter der Pfortmühle“, merkt Aden an. Doch wie viele Parkplätze muss man bereithalten? Schwager schätzt, dass man einen Parkplatz für drei Hotelbetten einrechnen sollte – natürlich komme es darauf an, wie viele Radler unter den Gästen seien. Aden sieht allerdings in Hameln noch ein anderes Problem: „Wir haben keine Alternativstandorte für die Bücherei.“ Die Linsingen-Kaserne, die sich bald anböte, sei ein bisschen weit weg von der Innenstadt. Andere frei werdende Immobilien seien entweder zu verschachtelt, zu klein, oder schlicht schon verkauft – geht der Stadtbaurat die potenziellen Objekte durch.
In Hameln geht man derzeit in Sachen Hotelplanung allerdings eher einen Schritt zurück: Ob es überhaupt einen Bedarf für ein größeres Hotel gibt, möchte Wanger untersuchen lassen. Dazu hat er das Deutsche Wirtschaftswissenschaftliche Institut für Fremdenverkehr beauftragt, das über mehrere Monate die Situation eruieren soll (wir berichteten). So viel ist klar: Hameln hat, was Hotels mit vielen Betten angeht, vergleichsweise wenig zu bieten – mit Ausnahme des Mercure-Hotels (105 Betten) und dem Hotel Stadt Hameln mit 81 Betten. Ein Hotel in der Pfortmühle würde die Messlatte höher legen.

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