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Wohnen, Arbeiten und Schlendern an der Promenade – so könnte der Lange Wall belebt werden

„Auch mal die Hand in den Fluss halten“

Hameln. Der Lange Wall macht seinem Namen alle Ehre. Stadtbaurat Hermann Aden beschreibt es so: „Wenn ich an dem Gebäude der Elisabeth-Selbert-Schule vorbeigehe, habe ich immer das Bedürfnis, abzubiegen.“ Der „lange Riegel“, wie das Gebäude von vielen genannt wird, sorgt offenbar dafür, dass der Lange Wall allzu oft zu einem langweiligen Wall wird – und den Durchgang von der Weser zur Innenstadt unmöglich macht.

veröffentlicht am 05.08.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 08.09.2014 um 10:15 Uhr

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VON ANDREA TIEDEMANN

Doch das könnte sich bald ändern: Sollte, so deutet es sich bereits an, die Elisabeth-Selbert-Schule auf die Linsingen-Kaserne umziehen, wäre direkt an der Weser Platz für Neues. Ideen gibt es bereits – die Stadt hat das Architekturbüro „Dreibund Architekten“ aus Bochum gebeten, eine Skizze zu entwerfen.

Eine „herausragende Lage“ sei der Platz, wo mittelalterlicher Stadtkern und Weser aneinandergrenzen, so der Blick von außen. Die Schulnutzung könne dieser attraktiven Situation am Fluss „nicht wirklich gerecht“ werden – deutliche Worte, die auf einen politischen Prozess treffen, der noch nicht, aber schon fast entschieden ist. Durch die Aufgabe des Schulstandortes, so die Architekten, ergebe sich eine „einmalige Chance“, die Stadt näher ans Wasser zu rücken. Wohnen, Arbeiten und Freizeit auf engstem Raum – so die grobe Vorstellung, um das Weserufer zwischen Pfortmühle und Münsterbrücke zu beleben. Mehrere kleine Stadthäuser könnten in eine Reihe gestellt werden – mit ihrem „Gesicht“ Richtung Fluss.

Im oberen Bereich sind Wohnungen angedacht, der Morgenkaffee kann mit Blick Richtung Weser und Klüt genossen werden. „Wohnen in der Stadt ist heute attraktiver als noch vor zehn Jahren“, sagt Aden. Der Vorteil: Alles ist fußläufig zu erreichen. Laut Architekten-Büro sollen sowohl die Generation Ü60 als auch Familien mit Kindern angesprochen werden.

Statt des langen „Riegels“ der Elisabeth-Selbert-Sch
  • Statt des langen „Riegels“ der Elisabeth-Selbert-Schule, der bisher dominierte, könnten am Langen Wall künftig mehrere kleine Stadthäuser entstehen – mit Durchgängen, die den Weg zwischen Weser und Innenstadt freimachen
Statt des langen „Riegels“ der Elisabeth-Selbert-Sch
  • Statt des langen „Riegels“ der Elisabeth-Selbert-Schule, der bisher dominierte, könnten am Langen Wall künftig mehrere kleine Stadthäuser entstehen – mit Durchgängen, die den Weg zwischen Weser und Innenstadt freimachen
Statt des langen „Riegels“ der Elisabeth-Selbert-Sch
  • Statt des langen „Riegels“ der Elisabeth-Selbert-Schule, der bisher dominierte, könnten am Langen Wall künftig mehrere kleine Stadthäuser entstehen – mit Durchgängen, die den Weg zwischen Weser und Innenstadt freimachen
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  • Statt des langen „Riegels“ der Elisabeth-Selbert-Schule, der bisher dominierte, könnten am Langen Wall künftig mehrere kleine Stadthäuser entstehen – mit Durchgängen, die den Weg zwischen Weser und Innenstadt freimachen. Foto: dreibund architekten
Statt des langen „Riegels“ der Elisabeth-Selbert-Sch
Statt des langen „Riegels“ der Elisabeth-Selbert-Sch
Statt des langen „Riegels“ der Elisabeth-Selbert-Sch
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Während oben gewohnt wird, soll sich unten eine belebte Promenade entwickeln. Das, was Sumpfblume und MeLounge vorgemacht haben, könnte hier ergänzt und fortgeführt werden. Durch „paarweise gesetzt Hauseingänge“ könnten auch größere Bereiche gemeinsam genutzt werden. Neben Restaurants könnten aber auch Büros, einzelne Läden und Dienstleister einziehen. Die vorhandene Tiefgarage der Sporthalle könnte den Autoverkehr auffangen.

Um die Verbindung zwischen Weser und Innenstadt zu erleichtern, soll sich in Verlängerung der Wendenstraße der Raum zur Promenade öffnen – zu einem städtischen Platz an der Weser, der zum Verweilen und Schlendern einlädt. Nicht in Mauern denken – so wäre es Aden am liebsten. „Die Mauer an ein-, zwei Stellen durchbrechen und mit Treppen und Podesten den Weg zur Weser erleichtern“, macht er seine Ideal-Vorstellung der „erlebbaren Weser“ deutlich. „Sodass man auch mal die Hand in den Fluss halten kann.“ Natürlich müsse das alles gut durchdacht werden – schließlich liege gerade hier der verwundbare Punkt bei Hochwasser.

Doch jede Änderung scheint am Langen Wall eine Verbesserung – wirkt die Fläche rund um drehbare Steinkugel und Stein-Sandsäcke-Kunstwerk derzeit doch sehr statisch und leblos. Dass nur wenige Meter entfernt die Weser fließt, kann man – auf einer der Bänke sitzend – auch gut ignorieren. Dabei sollte Hameln mit seinem „Pfund Weser“ wuchern, sowohl Einwohnern als auch Touristen zuliebe.

Dass es genug Nachfrage nach hochwertigen Wohnungen gibt, da ist Aden sich sicher. „Das haben wir schon bei der Alten Feuerwache gesehen.“ Auch da habe man mit der Kombination „oben wohnen, unten Café“ gute Erfahrungen gemacht. Aber wie schmeckt potenziellen Investoren die Vision des neuen Langen Walls? Alois Drube, Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse Hameln, findet die Überlegungen „interessant“. Auch er bestätigt einen starken Trend zum Wohnen in der Stadt. Die Umgestaltung des Langen Walls sei „eine Riesenchance“ für Hameln – schließlich handele es sich um „eine der schönsten Lagen“. Ob Miete oder Eigentum – auch Drube glaubt, dass der Bedarf da ist. „Die Mieten müssen aber bezahlbar bleiben“, mahnt er – schließlich sei man in Hameln, nicht in Hamburg. Er wünsche sich „attraktive Ideen, nicht herkömmliche“, um das Leben zur Weser hin zu entwickeln und mehr Menschen dazu zu bewegen, sich dort aufzuhalten. Auch bei den Bewohnern sei es wichtig, junge und ältere Menschen zu überzeugen – „es sollte eine Mischung entstehen“. So heterogen die Bewohner, so homogen hätte Drube gern die Architektur. „Das muss zueinander passen“, sagt er.

Statt des langen „Riegels“ der Elisabeth-Selbert-Schule, der bisher dominierte, könnten am Langen Wall künftig mehrere kleine Stadthäuser entstehen – mit Durchgängen, die den Weg zwischen Weser und Innenstadt freimachen.Wal/dreibund Architekten

Der Lange Wall an der Weser sollte besser genutzt werden, sagen Architekten.

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