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Fahrgestelle werden beim VW-Veteranentreffen gezeigt

Wie kommt der Käfer in die Kirche?

HESSISCH OLDENDORF. Was machen, wenn jemand zu füllig ist, um durch eine Tür hindurchzupassen – noch dazu, wenn es sich dabei um ein so massives Portal wie das der altehrwürdigen Marien-Kirche handelt? Zwei Käfer-Fahrgestelle werden während des VW-Veteranentreffens in der Marienkirche ausgestellt.

veröffentlicht am 19.06.2017 um 17:45 Uhr

„Notfalls machen wir eben das Mauerwerk gefügig“. Foto: ah
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Annette Hensel Reporterin
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Durch deren immerhin 1,50 Meter breiten Turmeingang sollten zwei VW-Fahrgestelle gehievt werden, die im Rahmen des VW-Veteranentreffens am kommenden Wochenende im Gotteshaus zu besichtigen sind. Das Problem: Ihre Modellmaße betragen 1,53 sowie 1,63 Meter in der Breite. „Notfalls machen wir eben das Mauerwerk gefügig“, frotzelt einer der 14 Männer, die mit anpacken.

Die sind auch vonnöten, schließlich wiegt das etwas umfangreichere Allradchassis rund 500 Kilo. Die Steinstufen hinunter zum Eingang bereiten dem Team um Traugott und Christian Grundmann keine Probleme, aber dann geht es um Millimeter: Langsam wird das Fahrgestell hin und her, nach vorne und wieder zurück rangiert. Als der Winkel dem Auge nach stimmt, wird der Koloss an einer Längsseite angehoben und auf zwei Reifen vorsichtig durch das Portal befördert. Der Versuch scheitert am metallenen Fahrersitz, den Traugott Grundmann trotz Querlage abschraubt. Dann wird erneut gezogen und geschoben.

Schwiegertochter Christine hockt mit Pappen bewaffnet im Inneren des Kirchturms, um Öl aufzufangen, das beim Kippen auslaufen kann. Diesmal klappt alles und der Unterbau des Vierrad angetriebenen Käfers Baujahr 1942/3 wird ins Kirchenschiff gerollt.

Alle packen mit an – damit das Fahrgestell durch das Portal passt. Foto: ah
  • Alle packen mit an – damit das Fahrgestell durch das Portal passt. Foto: ah
Foto: ah
  • Foto: ah

Das folgende Modell ist schmaler und leichter und schafft es beim ersten Versuch auf zwei Rädern durch den Turmeingang. „Das ist eines der beiden VW-Modelle, die wir 2009 im Tausch gegen einen unserer restaurierten VW-Käfer aus Litauen geholt haben“, berichtet Christian Grundmann.

Die Instandsetzung des anderen „originalsten alten Käfers der Welt“, dessen Karosserie 2009 in der Marien-Kirche ausgestellt wurde und den Kosenamen „Marienkäfer“ erhielt, stieß weltweit auf Interesse. Sogar ein Buch ist über jenen VW 38 erschienen. Nun soll auch der KdF-Wagen Typ 92 Baujahr 1944, dessen Chassis in der Kirche logiert, in der Werkstatt der Familie Grundmann in Originalzustand zurückversetzt werden. Vorher wird es aber mit dem Allradchassis im Rampenlicht stehen: heute um 19 Uhr beim Konzert von Kirchenchor und MGV Liedertafel Barksen, dann natürlich beim VW-Veteranentreffen und da vor allem am Sonntag um 10 Uhr, wenn sich im Gottesdienst alles um die Oldies dreht.

„Die meisten der Männer, die hier mitgeholfen haben, sah ich zum letzten Mal beim VW-Veteranentreffen vor vier Jahren und habe sie doch sofort wiedererkannt“, erzählt ein Zaungast. Von der ersten bis zur letzten Sekunde hat er jene ungewöhnliche Aktion am Sonntag gebannt verfolgt. Voll des Lobes erklärt er: „Diese Oldtimer-Freunde sind nicht einmal nervös geworden – das sind Leute, die alles möglich machen!“

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