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Vorbereitungen zum VW-Veteranentreffen laufen auf Hochtouren

Käferteile aus dem Drucker

HESSISCH OLDENDORF. Vom 23. bis zum 25. Juni ist es wieder soweit: Dann findet in Hessisch Oldendorf das siebte VW-Veteranentreffen statt. Kaum ein Volkswagen-Ingenieur hätte wohl damit gerechnet, dass fast 80 Jahre nach seiner Erfindung noch restaurierte Liebhaber-Exemplare über die Straßen knattern würden – mittlerweile auch mit Ersatzteilen aus dem 3 D-Drucker.

veröffentlicht am 15.05.2017 um 15:36 Uhr
aktualisiert am 07.08.2017 um 10:44 Uhr

Mit einer Rückleuchte aus dem 3-D-Drucker und einer neuen Türklinke machten Traugott Grundmann (l.) und Tomasz Sobkowiak den 1938er Käfer schick für seinen Auftritt beim VW-Veteranentreffen. Foto: jsp
Jens Spickermann

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„Er läuft und läuft und läuft“, mit diesem Spruch warb der Volkswagen-Konzern vor Jahrzehnten für den kugeligen Kleinwagen, der unter dem Namen „Käfer“ Karriere machte und besonders für seine hohe Laufleistung berühmt wurde. Doch kaum ein Volkswagen-Ingenieur hätte wohl damit gerechnet, dass fast 80 Jahre nach seiner Erfindung noch restaurierte Liebhaber-Exemplare über die Straßen knattern würden.

Vom 23. bis zum 25. Juni ist es wieder soweit: Dann findet in Hessisch Oldendorf das siebte VW-Veteranentreffen statt. Die Vorbereitungen laufen derweil auf Hochtouren und die ersten Käfer-Besitzer befinden sich bereits auf der Anreise, denn manche kommen von weit her. Einen der weitesten Wege ins Weserbergland hat eine Gruppe aus Malaysia: Mit luftgekühltem Boxermotor tuckert das Fahrerteam „live2drive“ derzeit durch Zentralasien und befand sich zuletzt in der Nähe von Irkutsk.

Traugott Grundmann, der die Großveranstaltung zusammen mit seinem Sohn Christian organisiert, will inzwischen schon gar nicht mehr die Werbetrommel rühren: Aus der ganzen Welt haben sich Gäste angekündigt, die in der Umgebung eine Übernachtungsmöglichkeit finden müssen. Die Autobesitzer werden aus 29 verschiedenen Nationen nach Hessisch Oldendorf kommen, rechne man die freiwilligen Helfer mit ein, dann kämen 40 Länder zusammen, die in dem Städtchen zu Gast sein werden, erzählt der Organisator. „In der Innenstadt wird dann kaum noch Deutsch zu hören sein.“ Allein 900 Fahrzeuge sind angemeldet, wie viele Besucher insgesamt kommen werden, kann Grundmann nur schwer abschätzen.

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Bei den vergangenen VW-Veteranentreffen hat die Veranstaltung aber von Mal zu Mal mehr Publikum angezogen und 2013 waren es nach Polizeischätzungen schon ungefähr 40000 Leute.

In der Innenstadt wird dann kaum noch Deutsch zu hören sein.

Traugott Grundmann, Organisator des Käfer-Treffens

Seit eineinhalb Jahren plant Grundmann zusammen mit zahlreichen Helfern die Logistik und das Programm und macht seine betagten Käfer für den großen Tag fit. Um zusätzlich zu den ausgebuchten Hotels Schlafplätze zu Verfügung zu stellen, soll am Horstweg ein behelfsmäßiger Campingplatz entstehen. Ohne die vielen Helfer, die sich angekündigt haben, würde er die Planungen gar nicht bewältigen können, glücklicherweise funktioniere auch die Zusammenarbeit mit der Stadt reibungslos, sagt Grundmann. Zur Unterstützung ist kürzlich schon Käfer-Fan Tomasz Sobkowiak aus Polen angereist, der an der Technischen Universität Posen arbeitet, wenn er nicht gerade an Autos schraubt.

Im Gepäck brachte er Käfer-Rückleuchten mit, die er mit einem 3-D-Drucker hergestellt hat, eigens verchromte Auto-Türklinken und Teile eines Kotflügels. Einem der ersten verkauften Käfermodelle, Baujahr 1938 und ganzem Stolz seines Besitzers, konnten Sobkowiak und Grundmann mit dem Rücklicht und der Klinke den letzten Schliff verpassen, so dass der Wagen nun frisch herausgeputzt auf seinen großen Auftritt im Juni wartet. Den Kotflügel bekommt ein alter Wehrmachts-Käfer, den Grundmann in desolatem Zustand in Riga aufgetrieben hat. Der wird es bis zum Veteranentreffen aber nicht mehr auf die Straße schaffen.

Käfer-Teile seien schwer zu bekommen, das sei auch ein Grund, warum sich das Käfertreffen solcher Beliebtheit erfreue, sagt Grundmann: Sammler aus der ganzen Welt nutzten die Gelegenheit, Ersatzteile zu tauschen und sich mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Selbst eine japanische Autozeitschrift berichtete deshalb über das Oldtimertreffen im fernen Hessisch Oldendorf, was der Stadt zusätzliche Besucher aus dem Land der aufgehenden Sonne bescheren könnte.

Doch was ist der Grund für die Begeisterung, die Sammler und Besucher aus der ganzen Welt dem Kleinwagen entgegenbringen, der damals als das Vehikel für den kleinen Mann konstruiert wurde? Die „Entschleunigung“ sei es, auf die sich die Leute besinnen würden und die dem Käfer so große Sympathien beschere, glaubt Grundmann. Außerdem gebe es bei den Kleinwagen im Gegensatz zu Oldtimern aus der Oberklasse keinen Neidfaktor, wenn er mit seinen Käfern langsam über die heimischen Straßen fahre.

Inzwischen machte Grundmann erste Ankündigungen zum Programm, das die Besucher im Juni erwartet: Begrüßt werden die Gäste in der Stadthalle; dafür haben die Organisatoren die Flaggen aller anwesenden Nationen besorgt, die damit nacheinander aufgerufen werden sollen. Auch eine Ausfahrt der Käfer über zwei verschiedene Strecken bis nach Großenwieden ist schon geplant. Für Live-Auftritte konnten die Organisatoren die australische Band „Wishing Well“ und die deutsche Gruppe „Schwarz, Rot, Gold“ gewinnen.

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