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Historischer Oldtimer von Komponist Paul Lincke aus dem Jahr 1941 zum VW-Treffen erwartet

Ein Käfer mit Geschichte

HESSISCH OLDENDORF/PRAG. „Schon als Kind habe ich die wunderschönen Formen der Käfer bewundert, aber in die damalige Tschechoslowakei wurden sie leider nicht importiert“, erzählt Ondrej Brom. 1997 kaufte er seinen zweiten Käfer (Typ 60L) – doch welche Geschichte sich dahinter verbarg, konnte er damals noch nicht ahnen.

veröffentlicht am 23.06.2017 um 12:38 Uhr
aktualisiert am 23.06.2017 um 16:51 Uhr

Wenn Autos reden könnten ... Schon 70 Jahre alt ist der Käfer, der aus Prag zum VW-Veteranentreffen kommt. Foto: pr/Ondrej Brom
Johanna Lindermann

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„Schon als Kind habe ich die wunderschönen Formen der Käfer bewundert, aber in die damalige Tschechoslowakei wurden sie leider nicht importiert“, erzählt Ondrej Brom. 1988 erwarb der Prager dann endlich seinen ersten Käfer, 1997 folgte ein weiterer (Typ KdF 60L) – doch welche Geschichte sich hinter letzterem verbarg, konnte er zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal ahnen.

Alles, was Brom zunächst wusste, war, dass der Käfer ursprünglich aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs stammen musste, auch wenn viele Teile in späteren Zeiten ersetzt wurden. Auf einem Käfertreffen in Bad Camberg im Jahr 2011 erfuhr er von einem anderen Besucher, dass sein Wagen nur in den Jahren 1941 oder 1942 gebaut worden sein konnte. Gemeinsam mit einem Freund gelang es Brom daraufhin, die Reste einer alten Seriennummer zu identifizieren, die bestätigte, dass das Auto vor 1942 produziert wurde.

Doch die Nummer enthüllte erst das richtige Geheimnis des Wagens: Sie passte zu einem Käfer, den der berühmte Berliner Komponist Paul Lincke (1866-1946) im Jahr 1941 zu seinem 75. Geburtstag erhielt. „Ich habe das erst gar nicht geglaubt“, sagt Brom. „Es war so unwahrscheinlich, dass dieses Auto in die Tschechoslowakei gekommen war.“

Daraufhin begab sich Brom auf Recherche im Internet. In einer Biografie von Paul Lincke fand er heraus, dass dieser von 1943 bis 1946 in Marienbad im heutigen Tschechien lebte. Am Ende des Krieges könnte das Auto beschlagnahmt worden und so in der Tschechoslowakei geblieben sein. Auf der Suche nach einem Beweis, dass es sich tatsächlich um seinen Käfer handelte, durchforstete Brom viele Archive in Marienbad. „Dort fand ich Material, das bewies, dass Paul Lincke tatsächlich mit diesem Wagen in Marienbad ankam, der dann 1945 konfisziert wurde und 1948 nach Prag verkauft wurde, wo ich ihn 1997 erwarb.“

In den folgenden Jahren restaurierte Brom den Käfer sehr genau. Heute gehört er zu den ältesten erhaltenen Käfern der Welt – und ist an diesem Wochenende beim VW-Treffen zu sehen.

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