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Entscheidung ist von Land, Bund und Gerichten abhängig

Verhandlung beginnt / Kein Plan B für die Südumgehung

Hameln. Es gibt keinen Plan B für den Bau der Hamelner Südumgehung! Am Donnerstag für 10 Uhr hat der Siebte Senat des Oberverwaltungsgerichtes Lüneburg (OVG) endlich die Anhörung zum Bau der neuen Bundesstraße zwischen Rohrsen und Fort Luise angesetzt und sich vorsichtshalber auch noch den Freitag für das Hamelner Jahrhundertprojekt freigehalten. Sollten die Richter danach der Argumentation der Kläger folgen, die Naturschutzdefizite sehen, dann wäre Markus Brockmann ratlos. Der Geschäftsbereichsleiter bei der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Hameln betont: „Es gibt keine bessere und verträglichere Trasse für Hameln.“ Bei einer Niederlage der hannoverschen Genehmigungsbehörde vor Gericht sei es die große Frage, ob sich „die Scherben noch zusammensetzen lassen“.

veröffentlicht am 12.08.2015 um 10:15 Uhr
aktualisiert am 24.03.2017 um 15:55 Uhr

Südumgehung
Marc Fisser

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Marc Fisser Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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 Brockmann hofft, dass es dann zumindest Hinweise gibt, was zum Schutz von Fischen, Vögeln und Fledermäusen längs der Straße, die am Düth und der Fluthamel entlang zur Weser verläuft, „noch abgearbeitet werden muss“. Wenn das Urteil in einigen Wochen vorliegt, wird sich zeigen, ob Kläger oder Beklagte in die Revision vors Bundesverwaltungsgericht ziehen können oder wollen. Richterin Andrea Blomenkamp als Sprecherin des OVG erklärt: „Eine Revision wird nur bei grundsätzlicher Bedeutung zugelassen.“

 Der jetzige Rechtsstreit läuft seit elf Jahren. Die Planungen für die Umfahrung der Hamelner Innenstadt gehen aber sogar schon auf das Jahr 1928 zurück (u SEITE 12-13). Die Stadt erwartet bei Verwirklichung der Südumgehung auf den Hauptrouten im Zentrum 15 bis 20 Prozent weniger Autos, für die stark belastete Hamelner Straße in Afferde (B 1) wird ein Minus von 60 Prozent prognostiziert. Das eröffne Chancen für eine insgesamt bessere verkehrliche Gestaltung, reduziere Lärm, Staub und Abgase, heißt es. Ohne Südumgehung und bei weiter zunehmendem Verkehr würden sich die Probleme vergrößern. Dem Bauherrn, der Bundesrepublik, geht es allein um die Beschleunigung auf der B 1 und B 217 zwischen Paderborn, Hannover und Hildesheim. Diese Bundesstraßen leisten in dieser Region das, wofür anderswo Autobahnen dienen. In den 70er Jahren plante der Bund sogar den Bau zweier Autobahnen bei Tündern.

 Am nördlichen Rand Afferdes würden die Nachbarn der neuen Straße durch bauliche Vorkehrungen – Wälle und Einschnitte – vor Lärm geschützt, so versichern die Planer. Es gebe keine Nachfragen besorgter Bürger aus diesem Bereich im Rathaus, betont Fachbereichsleiter Ralf Wilde. Die Hauptkläger gegen die Südumgehung stammen allerdings aus Afferde. Die Strecke führe „direkt am Garten vorbei“, sagt Hubertus Welsch. Ihnen gehe es aber auch darum, alten Landbesitz – „in zehnter Generation“ – nicht abgeben zu müssen. Auf eine außergerichtliche Einigung hat sich die Familie nicht eingelassen.

Noch zwitschern die Vögel: Für den Bereich Teutberg in Afferde wird aber bereits das für sie Südumgehung nötige Brückenbauwerk geplant.  Dana
  • Noch zwitschern die Vögel: Für den Bereich Teutberg in Afferde wird aber bereits das für sie Südumgehung nötige Brückenbauwerk geplant. Foto: Dana

 Sollte der Bau der Südumgehung rechtlich wasserdicht sein, dann wird trotzdem kein Bagger sofort anrücken. Vorher ist noch viel zu erledigen:

  • Ein Teil des Baugrundes am Düth konnte wegen des Widerstandes der Kläger bisher nicht untersucht werden.
  • Das Land Niedersachsen, das für den Bund die Planungsarbeiten ausführt, hat auch noch keine Ausführungsunterlagen erarbeitet. Schließlich sollte wegen des offenen Rechtsstreites kein Geld vergeudet werden.
  • Die gesamte Kalkulation, die derzeit bei 125 Millionen Euro liegt, ist den aktuellen Preisen und Bedingungen entsprechend fortzuschreiben.
  • Niedersachsen muss erst noch Millionen Euro für die Planungsarbeiten lockermachen, der Bund die Gelder für den Bau freigeben.
  • Das Amt für Landentwicklung wird Flurbereinigungen vornehmen.

 Damit die Genehmigung nicht verfällt, muss innerhalb von zehn Jahren mit dem Bau begonnen werden. Tatsächlich gibt es ein Detail, das Fachbereichsleiterin Ute Weiner-Kohl von der Landesbehörde schon jetzt ausarbeiten lässt: die Brücke am Teutberg, einer Straße, die von Afferde zum Düth führt. An dieser Stelle würde das Mammutvorhaben wohl seinen Ausgang nehmen. „Die Ortsumgehung Afferde soll zuerst gebaut werden“, erklärt Brockmann. „Dieses Teilstück hat einen hohen Verkehrswert und führt zu einer spürbaren Verbesserung der Lebensqualität.“ Dieses Teilprojekt würde bereits ohne die Fortsetzung gen Westen funktionieren. Den zweiten Abschnitt bildete die Anbindung der B 217 östlich von Rohrsen; damit kämen bereits die Lastwagen deutlich leichter in die Hamelner Industriegebiete. Die Fluthamelstraße bis zum Tönebönplatz wäre der dritte Abschnitt. Parallel dazu würde bereits wegen des hohen Aufwandes mit der Errichtung der Weserbrücke und der Aufständerung im Überschwemmungsgebiet begonnen. „Die Weserquere wird ein markantes Bauwerk und die ganze Straße das Stadtbild verändern“, sagt Aden. Es werde keine Verschandelung sein.

 Während die Hamelner Mitarbeiter der Landesbehörde heute in starker Besetzung nach Lüneburg fahren, werden die Stadtbediensteten das Verfahren aus der Ferne, aber „mit hochgradigem Interesse verfolgen“. Man halte engen Kontakt zu Brockmann. Die Stadt selbst ist keine Prozessbeteiligte.

 „Wir sind eine von wenigen Städten mit drei Bundesstraßen und damit sehr von den planerischen Entscheidungen anderer abhängig“, gibt Wilde zu bedenken. Machten Land und Bund Fehler, müssten die Hameln die Folgen davon ausbaden.

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