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Groß Berkeler Ratsmitglieder fordern Mitsprache bei der Suche nach besserem Trassenverlauf

Umgehung: Meinung der Einwohner ist gefragt

Groß Berkel. Eine alte Debatte könnte in Groß Berkel neu entfachen, wenn es um eine mögliche Umgehungsstraße geht. Wo soll die Trasse entlangführen? Das hat in den 1980er und 1990er Jahren zu erbitterten Diskussionen geführt. Umso mehr wollen die Kommunalpolitiker Friedel-Curt Redeker (CDU) und Burkhard Schraps (SPD) die Einwohner ganz stark mit in die Planungen einbinden, damit nicht wieder Gräben aufreißen, wie sie auf Nachfrage übereinstimmend in dieser Woche erklären. „Das geht nur mit den Bürgern gemeinsam“, sagt Redeker in großer Übereinstimmung mit seinem Ratskollegen. „Wir brauchen eine starke Bürgerbeteiligung“, sagt auch Schraps.

veröffentlicht am 08.01.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 14.11.2016 um 16:40 Uhr

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Damit erläutern die beiden Groß Berkeler, die Fraktionsvorsitzende ihrer Parteien im Gemeinderat Aerzen sind, die Hintergründe einer Resolution aus dem vergangenen Monat. Damals hatte der Rat einstimmig gefordert, dass neben Reher auch Groß Berkel in den „vordringlichen Bedarf“ des neuen Bundesverkehrswegeplanes aufgenommen werden soll, um damit die Erfolgsaussichten für die Umgehungsstraßen in beiden Ortsteilen zu erhöhen. Bislang hatten die Bauprojekte, die die Ortskerne vom Straßenverkehr entlasten sollen, mit dem Status „weiterer Bedarf“ nur nachrangige Priorität. Gleichzeitig sprach sich der Rat dafür aus, dass eine neue Trassenführung für Groß Berkel geprüft werden soll.

Bislang ist für den Ort die Nord-Variante vorgesehen. Das bedeutet, dass die Straße von Selxen aus in Richtung Königsförde und dann unterhalb des Berges Riepen nach Hameln führt. „Einen massiver Eingriff in die Landschaft“ bedeutet dies laut Redeker, der in diesem Zusammenhang auf die negativen Folgen der Aerzener Ortsumgehung verweist. Durch die Trassenführung würden Wohngebiete in Groß Berkel erheblich belastet, wo die Abstände zwischen Wald und Gebäuden noch geringer seien. Wenn weiter die Nordvariante favorisiert würde, werde er sich gegen die Ortsumgehung aussprechen, meint auch Schraps – obwohl er mit einer Trasse auf der anderen Seite Groß Berkels persönlich stärker betroffen sei.

 

Planungen

reichen bis in die 1980er Jahre zurück

Seit 1981 gehört der Sozialdemokrat inzwischen dem Rat an – und erlebte seither in zwei Jahrzehnten bereits Kontroversen um mögliche Trassen mit. In den achtziger Jahren seien sieben oder acht verschiedene Varianten im Gespräch gewesen. „Eine spannende Sache“, sagt Schraps – aber erfolglos. Eine Einigung konnte nicht erzielt werden. Anfang der neunziger Jahre gab es einen neuen Anlauf. Der Gemeinderat forderte 1991 im Rahmen des Raumordnungsverfahrens für die Südumgehung Hameln die Aufnahme einer Umgehungsstraße für die Orte Grießem, Reher, Aerzen, Selxen und Groß Berkel in die Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplanes 1992.

Was heute kaum noch bekannt ist: Damals war zunächst für Groß Berkel auch eine großräumige Trassenführung im Gespräch. Südlich des Dorfes, so die Planung, sollte danach die Trasse hinter dem Todtenberg entlang über Ohr mit Weserbrücke gebaut werden – mit späterem Anschluss an die geplante Südumgehung Hameln. Die Stadt wäre dann vom überregionalen B 1-Verkehr entlastet gewesen. Dass die Pläne scheiterten, soll auch in dem vermuteten hohen Kiesaufkommen zwischen Ohr und Groß Berkel begründet gewesen sein, weiß Redeker. Übrig blieb – „schweren Herzens“, so der Christdemokrat – die Nordtrasse unterhalb des Riepens.

Heute käme die Möglichkeit der großen Variante ohnehin nicht mehr in Frage, da inzwischen das Wohngebiet am Ohrberg entstanden ist. Die beiden Groß Berkeler Ratsherrn bringen nun eine abgewandelte Lösung ins Spiel. Die Trasse könnte weiter hinter dem Todtenberg, der damit als natürlicher Lärmschutz diene, verlaufen. In Richtung Ohr an der Erdfunkstelle entlang könnte der Verkehr dann am Hummedorf vorbeigeführt werden, um nahe des Hamelner Multimarktes wieder auf die B 1 zu kommen. Vorteil: Die Landesstraße könnte an die Ortsumgehung angebunden, damit die Dorfstraße entlastet werden.

Für Schraps wäre dies „die richtige Lösung“, Redeker bringt noch eine weitere Variante ins Spiel. Kritiker würde es bei jeder Lösung geben, statt einer Umgehungsstraße könnte auch der Ausbau der vorhandenen Ortsdurchfahrt geprüft werden. Im Gegensatz zu Aerzen gebe es in Groß Berkel nicht so viele Wohnhäuser entlang der Bundesstraße. Allerdings müsste sie dann so gestaltet werden, dass der aus Königsförde und Ohr kommende Verkehr besser angebunden, die Sicherheit für Fußgänger verbessert werde. Zumindest einer Überlegung wert, wie Redeker meint.

Welche Variante auch ins Gespräch kommen könnte: Die Planungen sind zunächst einmal Zukunftsmusik. Noch ist die Umgehungsstraße nicht einmal im „vordringlichen Bedarf“ des Bundesverkehrswegeplanes, der erst 2015 von der Bundesregierung für den Zeitraum bis 2030 verabschiedet werden soll. Beide Ratsherren geben sich deshalb realistisch, dass kein dringender Handlungsbedarf besteht. Schraps: „Ich bin doch kein Tagträumer.“ cb

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