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Im Idealfall 2019 Genehmigung

Südumgehung Hameln – Baustart in vier Jahren?

HAMELN. Die Diskussion um den Bau einer „Südumgehung“ für Hameln hat bereits 1928 begonnen – nun könnte genau diese Tatsache im Mittelpunkt weihevoller Reden bei der Eröffnungsfeier im Jahr 2028 stehen. Denn die Verbindung zwischen Rohrsen/Afferde und Fort Luise entlang der Fluthamel ist nicht vom Tisch, im Gegenteil.

veröffentlicht am 26.01.2017 um 10:48 Uhr
aktualisiert am 26.01.2017 um 18:40 Uhr

Schon auf dieser Skizze aus dem Jahr 1928 ist die Südumgehung für Hameln projektiert. Die Einweihung 100 Jahre später ist nicht ausgeschlossen. Skizze: Stadt Hameln
Marc Fisser

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Marc Fisser Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Es geht um ein Straßenstück von gut sieben Kilometern, aber es ist zu einem wahren Jahrhundertprojekt geworden – auch wegen der Steine, die einige Gegner ihr in den Weg gelegt haben. Während mancher Hamelner seinen Glauben an die Verwirklichung des Projektes inzwischen aufgegeben hat, steht nun eine Punktlandung zum „100-Jährigen“ im Raum. Seit dem Urteil des Oberverwaltungsgerichtes Lüneburg im August 2015 – der Rechtsstreit dauert seit 2004 an – wird in Hameln daran gearbeitet, die kritischen Umweltaspekte so in der Planung zu berücksichtigen, dass der Baubeschluss danach möglichst nicht mehr angreifbar ist. Markus Brockmann, Leiter des Hamelner Geschäftsbereiches der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, unterstreicht: „Die Südumgehung wäre ein Riesengewinn für Hameln. Sie bietet viele Vorteile und ist die einzige Chance, die Innenstadt und Afferde zu entlasten.“ Es sind drei Punkte, die in den Unterlagen nachgebessert werden:
Die Stadtverwaltung ist damit befasst, ihre Schutzziele für das betroffene Flora-Fauna-Habitat (FFH) an der Hamel und Fluthamel klarer zu definieren.
Das Straßenplanungsbüro Swelcko in Hannover entwickelt Ideen, wie die strengeren Vorgaben für den Wasserschutz eingehalten werden können. Grundsätzlich darf durch eine Baumaßnahme kein Gewässer leiden. Dazu müssen eventuell technische Lösungen her. Brockmann nennt ein Beispiel: Darf das in einem Rückhaltebecken gesammelte Regenwasser der Fahrbahn nicht direkt in einen Bach geleitet werden, sei der Bau einer Rohrleitung zu einer geeigneten Stelle denkbar.
Das Dortmunder Ingenieurbüro Dr. Kaiser wertet die Anforderungen an den Artenschutz aus. Auch daraus werden bauliche Maßnahmen abgeleitet. Die Crux: Es müssen die Bedürfnisse selbst von solchen Tieren berücksichtigt werden, die in dem Gebiet noch gar nicht gesehen wurden, dort aber vorkommen könnten, etwa der Pirol.

Sind die Papiere für das ergänzende Planfeststellungsverfahren vollständig, gehen sie zur Prüfung und Genehmigung nach Hannover. „Den Änderungsantrag bei der Planfeststellungsbehörde wollen wir Ende 2018 stellen“, kündigt Brockmann an. Er betont: „Die Unterlagen sollen so gut sein, dass wir neue Klagen vermeiden und ans Ziel kommen.“ Sollte es keinen neuen Streit geben, könnte 2019 der Baubeschluss ergehen. Aber auch dann würden noch keine Bagger anrollen. Denn erst einmal müsste der Deutsche Bundestag einen Batzen Geld lockermachen – sicherlich mehr als die bisher veranschlagten 125 Millionen Euro. Immerhin aber gilt das Vorhaben als „vordringlich“ und ist politisch unstrittig – anders als die „Westumgehung“ vom Klärwerk ins Klütviertel –, sodass das grüne Licht aus Berlin im Idealfall mit der Verabschiedung des Haushaltes 2020 verknüpft sein könnte. Danach würde die Landesbehörde die Detailplanung aktualisieren, denn zwischenzeitlich haben sich einige Normen verändert. Die Ausschreibung und die Vergabe an die Baufirmen erfordern weitere Zeit. Somit rechnet Brockmann „im besten Fall“ mit einem Baustart 2021. Zählt man die veranschlagte Bauzeit von gut sechs Jahren hinzu, winkt das 100-Jahr-Jubiläum. Das Tiefbauamt hatte 1928 empfohlen, südlich der Stadt eine zweite Weserbrücke zu errichten und sie ans Netz nach Hannover und Hildesheim anzuschließen. Hameln müsse vom Durchgangsverkehr entlastet werden.

Information

Vier Bauabschnitte

Die Planer gehen von vier Bauabschnitten für die Südumgehung Hameln aus:

1. Ortsumgehung Afferde: Neubau der Strecke vom Knotenpunkt Hastenbecker Weg/Fluthamelstraße bis zur neuen Gabelung B 1/B 217 nordöstlich Afferde, dort Anschluss an die bestehende B 1.
2. Anschluss der Ortsumgehung Afferde an die B 217 nordöstlich Rohrsen. Danach sind die Bereiche Hastenbecker Weg, Tunnelstraße und Berliner Platz vor allem vom Schwerlastverkehr mit Ziel Industriegebiet Süd entlastet.

3. Ausbau der Fluthamelstraße mit Neubau der Brücke in Höhe Stüvestraße. Herstellung einer rückwärtigen Erreichbarkeit der Grundstücke zwischen Hastenbecker Weg und Südbad.

4. Bau der an Fort Luise anzuschließenden Weserbrücke – 205 Meter lang, kein Fahrradweg – und der aufzuständernden Fahrbahn inklusive Eisenbahnbrücke bis zum Südbad. Einrichtung des Knotenpunktes mit Brücke an der Kuhlmannstraße.

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