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Studie: 20 000 Fahrzeuge würden Hameln täglich umfahren

"Ohne die Südumgehung bekommen wir Probleme"

Hameln (ube). Pro Werktag fahren rund 20 000 Autos, Motorräder, Lastwagen und Omnibusse durch Hameln - obwohl sie in der Stadt gar kein Ziel haben. Folge: Diese Fahrzeuge verstopfen und verschmutzen mit ihren Abgasen die Innenstadt. Gäbe es bereits heute die Südumgehung, würden die meisten dieser Kraftfahrzeuge an Hameln vorbeifahren. Das sagen Verkehrsforscher. Nach den Berechnungen des Langenhagener Büros für zukunftsorientierte Verkehrsplanung legen alle Fahrzeuge, die in Hameln unterwegs sind, pro Tag 440 000 Kilometer zurück. Anders ausgedrückt: Ein einziges Auto müsste elfmal um die Erde fahren, um diese Strecke zurückzulegen. Die Südumgehung werde sich positiv auf die Stadt auswirken, sagt Dipl.-Ing. Ulfert Hinz. "Die täglich gefahrenen Kilometer würden sich in der Stadt um 90 000 reduzieren."

veröffentlicht am 26.11.2008 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 24.03.2017 um 16:00 Uhr

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Markus Brockmann, Leiter der Straßenbaubehörde Hameln, die das Gutachten in Auftrag gegeben hat, überrascht das Ergebnis der Studie nicht. "Die Berechnungen der Forscher zeigen, dass schon jetzt viele Straßen und Knotenpunkte an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt sind. Wenn die Südumgehung nicht gebaut wird, werden wir große Probleme bekommen." Beispiele: Derzeit rollen pro Tag bereits 39 850 Kraftfahrzeugeüber die Pyrmonter Straße. Nach Berechnungen des Büros Hinz werden es im Jahr 2020 rund 42 700 sein. 18 000 Fahrzeuge würden jedoch die Südumgehung benutzen, sagt Hinz. Ähnlich, wenn auch nicht ganz so drastisch, sieht es auf der Deisterstraße aus. Heute sind dort täglich 24 300 Autos unterwegs. 27 000 sollen es nach den Berechnungen der Verkehrsforscher in zwölf Jahren sein. Durch die Südumgehung würde auch diese Straße (dann täglich 21 400 Kfz) stark entlastet. Vor allem Afferde profitiert von einer Südumgehung. Die Zahlen sprechen für sich. Am Hammer-Markt (B 1) rollen derzeit täglich 16 550 Kfz vorbei. 2020 werden es laut Hinz 18 450 sein. Mit der Südumgehung würden dort jedoch nur noch 9650 Wagen unterwegs sein, heißt es. Noch deutlicher zeigt sich die Verkehrsentlastung auf der Bundesstraße 1 in Afferde im Bereich des Altdorfes. Im Frühjahr wurden dort 8750 Fahrzeuge gezählt. Sollte die Umgehungsstraße kommen, werden es dort nur noch 2200 Autos sein. Für den renommierten Verkehrsforscher Ulfert Hinz steht deshalb fest: "Die Südumgehung ist die Grundvoraussetzung für eine zukunftsorientierte Entwicklung der Stadt Hameln." Nachgefragt "Hameln braucht eine Entlastung des Innenstadtbereiches" Braucht Hameln die Südumgehung? Im Auftrag der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr hat das Langenhagener Büro für zukunftsorientierte Verkehrsplanung darauf Antworten gesucht. Mit dem Chef des Büros, Diplom-Ingenieur Ulfert Hinz, sprach Ulrich Behmann. Herr Hinz, Sie haben zum dritten Mal seit Mitte der 90er-Jahre eine Verkehrsuntersuchung zur Südumgehung durchgeführt. Wie genau sind Ihre Prognosen? Unsere bisherigen Prognosen sind immer um plus/minus 7 bis 8 Prozent eingetroffen. Mit jeder Untersuchung, die wir für Hameln machen, verdichtet sich die Genauigkeit. Wir ermitteln Grundlagendaten, schätzen die Einflussparameter ab, erstellen Hochrechnungen und versuchen mit Simulationsprogrammen die künftigen Straßenbelastungen zu ermitteln. Was haben Sie herausgefunden? Hameln braucht eine Entlastung des Innenstadtbereiches. Die Straßen in der Stadt müssen den Bürgern und Besuchern genügend Raum bieten - im Übrigen auch für Radfahrer und Fußgänger. Nur so kann sich Hameln attraktiv weiter entwickeln. Ohne Südumfahrung wird man dieses Ziel nicht erreichen können, das zeigen unsere Zahlen sehr deutlich. Ohne Umgehung wird es Hameln sehr viel schwerer haben, in Konkurrenz mit anderen Städten zu bestehen. Wer will schon gern im Stau stehen oder nur im Schritttempo voran kommen? Wer möchte auf der Suche nach einem Parkplatz verzweifeln? Schon jetzt haben einige Straßen und Knotenpunkte in Hameln ihre Kapazitätsgrenze erreicht. Sie rechnen also mit einem Verkehrsinfarkt? Ein Infarkt hört sich zu dramatisch an, aber der Verkehr wird noch zunehmen, auch der Durchgangsverkehr und schließlich auch die Verärgerung der Bürger und Besucher. Einen Infarkt wird es schon deshalb nicht geben, weil unter diesen Umständen die Zahl der Besucher rückläufig sein wird. Es sollte Hameln aber gelingen, noch mehr Gäste anzuziehen und als Ziel für diese Gäste noch attraktiver zu werden. Ungestörte Verkehrsabläufe in der Stadt spielen dabei eine wichtige Rolle. Die Besucher sind anspruchsvoll und überlegen sich, wohin sie fahren werden. In das verstopfte Hameln - oder woanders hin. Kommentar Von Ulrich Behmann Wenn neue Straßen gebaut werden, leidet die Natur. Deshalb dürfen wir bei allen Bauvorhaben die Umwelt und ihren Schutz nicht außer Acht lassen. Artenvielfalt ist ein wichtiges Gut. Es ist daher lobenswert, dass es unter uns Menschen gibt, die ein waches Auge darauf haben. Dabei dürfen wir nicht vergessen: Der Mensch ist Teil der Natur. Auch er muss geschützt werden - vor gesundheitsschädlichem Lärm und giftigen Abgasen. In Hameln geht das nur mit einer Südumgehung, denn das innerstädtische Straßennetz muss endlich entlastet, die Anbindung an die Autobahn schnell verbessert werden. Damit Hameln attraktiv bleibt für seine Besucher und Unternehmen nicht abwandern. 20 000 Fahrzeuge rollen angeblich nur deshalb durch die Stadt und verstopfen Straßen , weil es keine Alternative zur Strecke gibt. Das muss sich ändern. Daran geht kein Weg vorbei. Mit der Südumgehung lösen wir allerdings das lokale Feinstaub-Problem nicht. Diese Partikel werden auch auf der Umfahrung in die Luft geblasen - und womöglich in die Stadt geweht. Dennoch: Die Trasse muss gebaut werden - schnell und so umweltverträglich wie möglich. Zum Wohle der Bürger. u.behmann@dewezet.de Kommentar Von Ulrich Behmann Wenn neue Straßen gebaut werden, leidet die Natur. Deshalb dürfen wir bei allen Bauvorhaben die Umwelt und ihren Schutz nicht außer Acht lassen. Artenvielfalt ist ein wichtiges Gut. Es ist daher lobenswert, dass es unter uns Menschen gibt, die ein waches Auge darauf haben. Dabei dürfen wir nicht vergessen: Der Mensch ist Teil der Natur. Auch er muss geschützt werden - vor gesundheitsschädlichem Lärm und giftigen Abgasen. In Hameln geht das nur mit einer Südumgehung, denn das innerstädtische Straßennetz muss endlich entlastet, die Anbindung an die Autobahn schnell verbessert werden. Damit Hameln attraktiv bleibt für seine Besucher und Unternehmen nicht abwandern. 20 000 Fahrzeuge rollen angeblich nur deshalb durch die Stadt und verstopfen die Straßen, weil es keine Alternative zur Strecke gibt. Das muss sich ändern. Daran geht kein Weg vorbei. Mit der Südumgehung lösen wir allerdings das lokale Feinstaub-Problem nicht. Diese Partikel werden auch auf der Umfahrung in die Luft geblasen - und womöglich in die Stadt geweht. Dennoch: Die Trasse muss gebaut werden - schnell und so umweltverträglich wie möglich. Zum Wohle der Bürger. u.behmann@dewezet.de Interview Braucht Hameln die Südumgehung? Im Auftrag der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr hat das Langenhagener Büro für zukunftsorientierte Verkehrsplanung darauf Antworten gesucht. Mit dem Chef des Büros, Diplom-Ingenieur Ulfert Hinz, sprach Ulrich Behmann. Herr Hinz, Sie haben zum dritten Mal seit Mitte der 90er Jahre eine Verkehrsuntersuchung zur Südumgehung durchgeführt. Wie genau sind Ihre Prognosen? Unsere bisherigen Prognosen sind immer um plus/minus 7 bis 8 Prozent eingetroffen. Mit jeder Untersuchung, die wir für Hameln machen, verdichtet sich die Genauigkeit. Wir ermitteln Grundlagendaten, schätzen die Einflussparameter ab, erstellen Hochrechnungen und versuchen, mit Simulationsprogrammen die künftigen Straßenbelastungen zu ermitteln. Was haben Sie herausgefunden? Hameln braucht eine Entlastung des Innenstadtbereiches. Die Straßen in der Stadt müssen den Bürgern und Besuchern genügend Raum bieten - im Übrigen auch für Radfahrer und Fußgänger. Nur so kann sich Hameln attraktiv weiterentwickeln. Ohne Südumfahrung wird man dieses Ziel nicht erreichen können, das zeigen unsere Zahlen sehr deutlich. Ohne Umgehung wird es Hameln sehr viel schwerer haben, in Konkurrenz mit anderen Städten zu bestehen. Wer will schon gern im Stau stehen oder nur im Schritttempo voran- kommen? Wer möchte auf der Suche nach einem Parkplatz verzweifeln? Schon jetzt haben einige Straßen und Knotenpunkte in Hameln ihre Kapazitätsgrenze erreicht. Sie rechnen also mit einem Verkehrsinfarkt? Ein Infarkt hört sich zu dramatisch an, aber der Verkehr wird noch zunehmen, auch der Durchgangsverkehr und schließlich auch die Verärgerung der Bürger und Besucher. Einen Infarkt wird es schon deshalb nicht geben, weil unter diesen Umständen die Zahl der Besucher rückläufig sein wird. Es sollte Hameln aber gelingen, noch mehr Gäste anzuziehen und als Ziel für diese Gäste noch attraktiver zu werden. Ungestörte Verkehrsabläufe in der Stadt spielen dabei eine wichtige Rolle. Die Besucher sind anspruchsvoll und überlegen sich, wohin sie fahren werden. In das verstopfte Hameln - oder woanders hin.

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