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Westumgehung wird wichtiger als die Südumgehung eingestuft – und das, obwohl sie „nur eine Idee ist“

Kein Plan – aber trotzdem vordringlich

Hameln. Die Südumgehung ist nicht mehr so wichtig wie die Westumgehung. Und das, obwohl diese Westtangente schon fast aus den Köpfen verschwunden war. Im Bundesverkehrswegeplan wurde sie jedoch mit dem Status „vordringlich“ versehen. Die Südumgehung nicht. Nicht nur für die Stadt ein kleiner Schock.

veröffentlicht am 17.03.2016 um 17:05 Uhr
aktualisiert am 24.03.2017 um 15:16 Uhr

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Autor:

Svenja-A. Möller

Die Südumgehung hat ihren Status als wichtiges Projekt verloren. Um genau zu sein: Nach dem am Mittwoch veröffentlichten Bundesverkehrswegeplan gilt sie nur noch als sogenannter „weiterer Bedarf mit Planungsrecht“. Ihren Status als Projekt mit vordringlichem Bedarf haben Experten ihr aberkannt. Dafür ist nun die fast in Vergessenheit geratene Westtangente wieder oben auf. Ihr wurde – so wie zuvor eigentlich auch der Südumgehung – ein vordringlicher Bedarf eingeräumt. Für die Stadt war das ein kleiner Schock.

„Das hat uns sehr überrascht. Die Westumgehung ist für uns eine Maßnahme, die wir für die weitere Zukunft irgendwann mal vorgesehen haben“, sagt Stadtbaurat Hermann Aden. Insbesondere eigentlich erst dann, wenn die Südumgehung bereits erstellt ist. Da der Westumgehung nun jedoch eine höhere Priorität als der Südumgehung eingeräumt wurde, sind diese Pläne nun vorerst hinfällig. Die Westumgehung sollte eigentlich die Ergänzung zur Südumgehung sein – und nicht andersherum, erklärt Aden. Niedersachsen habe die Westumgehung für den Bundesverkehrswegeplan gemeldet. „Aber sicherlich nicht mit der Erwartung, dass sie in den vordringlichen Bedarf kommt“, so Aden. Man wolle nun die eingeräumte Beteiligungszeit nutzen, um auf den Entwurf des Wegeplanes einzuwirken.

Das bestätigt auch Markus Brockmann, Leiter der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Hameln. Auch für ihn sei die Herabstufung einer kleiner Schock gewesen. „Aber auch nur ein kleiner, kein großer Schock“, so Brockmann. Offenbar sei beim Bundesverkehrswegeplan eine neue Kategorie ins Leben gerufen worden. Statt „Weiterer Bedarf“ heißt es nun „Weiterer Bedarf mit Planungsrecht“. „Weiterer Bedarf würde bedeuten, dass wir nichts, aber auch gar nichts mehr machen dürfen. Auch nicht weiter planen“, erklärt Brockmann. Der Zusatz „mit Planungsrecht“ würde es nun immerhin zulassen, dass die Akte Südumgehung nicht vollkommen geschlossen werden muss. „Ob man die Südumgehung dann aber auch Bauen darf, ist allerdings die Frage“, erklärt der Leiter der Landesbehörde. Für ihn gehört die Südumgehung in die Kategorie „vordringlicher Bedarf“.

Daher müsse man sich nun dafür einsetzen, dass die Südumgehung wieder den vordringlichen Bedarf erhält. Die Westumgehung habe man mal ins Spiel gebracht, um Stadtteile wie den Mertensplatz zu entlasten. „Ohne viel aufs Papier gebracht zu haben, wollten wir diese westliche Umgehung anmerken. Auch, um zu schauen, ob sie überhaupt Chancen hätte“, erklärt Brockmann. Nun habe sich gezeigt: In Berlin werden ihr offenbar sogar größere Chancen als der Südumgehung eingeräumt. „Wir haben aber noch keine Detail-Kenntnisse was zu diesem Entschluss geführt hat“, sagt Brockmann.

Andres als zur Südumgehung gibt es zur westlichen Umgehung noch keinerlei Pläne. „Es ist nur eine Idee“, sagt Brockmann. „Planerisch würden wir wieder bei Null beginnen“, erklärt Brockmann weiter. Und das, nachdem jahrelang an der Südumgehung und ihrer Genehmigung gefeilt worden war.

Ob die Westumgehung nun der Südumgehung vollständig den Garaus gemacht hat, will Stadtbaurat Hermann Aden so nicht beantworten. „Wir arbeiten noch daran. Die Hoffnung stirbt zuletzt“, so Aden.

Brockmann erklärt: „Der Referentenentwurf des Bundesverkehrswegeplanes zeigt nur das Abstimmungsergebnis. In der kommenden Zeit werden Bund und Länder in Verhandlungen treten.“ Es sei also noch Zeit vorhanden, um das Ruder wieder herumzureißen. „So kurz vorm Ziel möchte man doch nicht aufgeben“, sagt Brockmann.

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