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Experten legen der Landesbehörde für Straßenbau heute das geforderte Umweltgutachten vor

Ein Schicksalstag für die Südumgehung

Hameln (mafi). Seit gut sechs Jahrzehnten wird die Hamelner Südumgehung gefordert, diskutiert, geplant - der heutige 27. Oktober 2008 könnte ein Schicksalstag für die Zukunft des auf 83 Millionen Euro veranschlagten Projektes sein. Umweltexperten werden der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Hameln die Ergebnisse ihrer "faunistischen Erhebung"präsentieren. Das bestätigt der Geschäftsstellenleiter der Landesbehörde, Markus Brockmann, auf Anfrage der Dewezet.

veröffentlicht am 27.10.2008 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 14.07.2015 um 16:27 Uhr

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Im Kern geht es jetzt darum, ob die geplante 7,3 Kilometer lange Trasse zwischen Rohrsen und Fort Luise, die im Wesentlichen der Fluthamel folgt, den Lebensraum geschützter Tiere berührt - vor allem des Vogels Neunauge, des Fisches Groppe sowie der Fledermäuse. "Wenn uns die Bestandsaufnahme vorliegt, werden wir die Auswirkungen des Straßenbaus auf die Tierwelt ermitteln", erklärt Brockmann. Bis Anfang 2009 sollen danach durch seine Mitarbeiter die Bauplanungen entsprechend angepasst sein. Mit der Erfassung der Tierpopulation im Umfeld der vorgesehenen neuen B 1-Trasse waren vier Diplombiologen des Braunschweiger Umweltbüros "Biodata" seit Februar befasst. "Wir haben unter anderem eine Elektrobefischung vorgenommen, bei der die Tiere betäubt werden, und Fledermäuse mit Netzen gefangen", erläutert Andreas Klein, Biodata-Gesellschafter und ursprünglich selbst Hamelner. Nebenbei seien die Daten über "sämtlicheanderen Tiergruppen, die planungsrelevant sind, aktualisiert worden". Die Landesbehörde wird also auch neue Informationen etwa über die Verbreitung von Insekten, Amphibien und Reptilien erhalten. "Wir nennen außerdem mögliche Konfliktpunkte und machen Lösungsvorschläge", kündigt Klein an. Auf Grundlage der Biodata-Erhebung wir anschließend Dr. Thomas Kaiser aktiv. Der Landschaftsarchitekt aus Beedenbostel hat bereits viele Umwelt- und FFH-Verträglichkeitsstudien angefertigt, unter anderem für die Ortsumgehung Celle. Sollten den Biotopen oder Arten erhebliche Schädigungen drohen, wird Kaisers Büro "alw" konkrete bauliche Schutzvorkehrungen empfehlen. Das können zum Beispiel Krötentunnel sein oder Erhöhungen am Straßenrand, die kreuzende Fledermäuse über den fließenden Verkehr "heben". "Meistens gelingt es, die Probleme auszuräumen", sagt der Experte. Sei dies aber nicht möglich, bedeute das nicht automatisch das Ende des Bauprojektes: "Die Genehmigungsbehörde wird dann zwischen dem Naturschutz und dem Allgemeinwohl abwägen", erläutert Kaiser und stellt in den Raum: Bei einem "gewichtigen Projekt" von dem die Gesellschaft allgemein profitiere, werden Bedenken eher beiseite gestellt als bei einem Vorhaben, das nur privaten Interessen diene. Mehrere Anlieger der künftigen Südumgehung hatten unter Hinweis auf den Umweltschutz gegen den Bau der Schnellstraße geklagt. Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg lässt das Verfahren ruhen, bis die inzwischen auch nach EU-Recht erforderliche Prüfung der "artenschutzrechtlichen Belange" in dem neuen Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (FFH) "Hamel und Nebenbäche" abgeschlossen ist. Bis zu dem Gerichtsurteil muss laut Brockmann jedoch nicht abgewartet werden, weil es bislang keinen aufschiebenden Beschluss gebe. Die Vorarbeiten für das Großprojekt, das unter anderem 16 Brückenbauten umfasst, dürfen also weiterlaufen. "Wir gehen davon aus, dass in einem Jahr ein unanfechtbarer Baubeschluss vorliegt", sagt der Vertreter der Landesbehörde. Damit wäre Ende 2009 der Baubeginn möglich - wenn dann aus der Bundeskasse das nötige Geld freigegeben ist. Gestartet würden die auf sechs Jahre veranschlagten Arbeiten bei Afferde. Schlusspunkt wäre der Bau der Weserbrücke. Vielleicht also werden im Jahre 2016 täglich bis zu 20 000 Autos und Lastwagen Hameln im Süden umfahren - und die Innenstadt deutlich entlasten. Südumgehung Hameln - die Gutachter und die Tiere Biodata: Die Biodata GbR, ein in Braunschweig ansässiges "Fachbüro für biologische Gutachten, Landschaftsplanung, Eingriffsregelung und Naturschutzplanung", besteht seit 1993. Das Team aus bis zu 15 Biologen verschiedener Disziplinen (Zoologie, Botanik, Ökologie, Limnologie) erarbeitet biologische und ökologische Grundlagendaten, Gutachten und Planungskonzepte unter anderem in den Bereichen Landschaftsplanung und Naturschutz. "Alle Mitarbeiter verfügen über umfangreiche Erfahrungen bei der Bearbeitung der planungsrelevanten Tierartengruppen sowie Vegetations- und Gewässeranalysen. Erfassungen, Auswertungen und Bewertungen werden dabei ausschließlich von den entsprechenden Spezialisten durchgeführt und orientieren sich an den aktuell fachüblichen Standards", heißt es in der Selbstdarstellung von Biodata. Das Büro lege großen Wert auf eine verständliche und nachvollziehbare Darstellung der Ergebnisse, was die effektive Einbindung der Daten in die weiteren Verfahrensabläufe gewährleiste. alw: Die "Arbeitsgruppe Land& Wasser" (alw) in Beedenbostelöstlich von Celle wurde im Jahre 1993 von dem Landschaftsarchitekten, Vegeta tionskundler und Diplom-Forstwirt Dr. Thomas Kaiser gegründet. Zum Mitarbeiterstamm gehören inzwischen unter anderem zwei Diplom- Inge nieure für Landespflege sowie ein Diplom-Ingenieur für Landschafts- und Freiraumplanung. Kaiser hat seit 1990 viele landschaftspflegerische Gutachten erstellt und Erfahrungen in der Koordination von großen Projekten. Er lehrt zudem im Fachbereich Umweltwissenschaften der Universität Lüneburg und hat zahlreiche wissenschaftliche Publikationen zu Flora, Vegetation, Naturschutz und Landschaftsplanung verfasst. mafi

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