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Suedlink durchkreuzt Pläne der Gemeinde für erneuerbare Energien

Vorrang für Stromtrasse oder Windräder?

Die Suedlink-Pläne des Unternehmens Tennet stoßen auf Widerstand. Im Weserbergland befürchten die Einwohner erhebliche Folgen, wenn die Strom-Autobahn mit über 70 Meter hohen Masten gebaut wird. Eine Serie zeigt verschiedene Aspekte auf – wie heute den Konflikt mit der Windkraft.

veröffentlicht am 06.06.2014 um 09:58 Uhr
aktualisiert am 06.06.2014 um 11:42 Uhr

In den Bereichen Börry, Grohnde und Lüntorf sollen weitere Standorte für Windkraftanlagen entstehen. Die Flächen grenzen an die geplante Stromtrasse – ein Konflikt ist programmiert. Foto: jöh
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Emmerthal. Gefährdet die Stromtrasse Suedlink die geplanten Vorranggebiete für Windkraftanlagen im Bereich der Gemeinde Emmerthal? Drei Bereiche bei Börry, Grohnde und Lüntorf, in denen eigentlich künftig Rotoren Energie erzeugen sollen, grenzen ausgerechnet an die Strecke, an der laut Vorstellungen des Unternehmens Tennet der Strom von der Küste nach Bayern transportiert werden soll. Bürgermeister Andreas Grossmann windet sich, denn offiziell bekannt sind die Vorranggebiete noch nicht, bislang liefen die Gespräche hinter verschlossenen Türen. Ein Dementi zu den Plänen, die unserer Zeitung vorliegen (wir berichteten), sieht aber anders aus. Unter Hinweis auf die nach Westen offenen Gebiete, wo der Wind wegen günstiger topografischer Voraussetzungen ungebremst die Rotoren antreiben kann, meint er: „Jeder, der sich mit dem Thema beschäftigt, kann erkennen, dass die Trassenführung logischerweise die Vorranggebiete betrifft.“

Mehr Informationen gibt es nicht: Die Politik hat es so verabredet, weil die vorgesehenen Änderungen der Bauleitplanungen ein noch nicht öffentliches Verfahren sind. „Daran halte ich mich“, sagt Grossmann. Er räumt ein, dass die Planungen ins Stocken geraten seien, aber bald schon wieder „Fahrt aufnehmen sollen“. Dann kommt Spannung auf: Was genießt Vorrang – die Stromtrasse, immerhin ein bundesweites Projekt, oder die kommunalen Planungen für die Windräder? Das Berliner Fachbüro, das für die Gemeinde Emmerthal bei der Windkraftplanung zuständig ist und durchaus fundiertes Fachwissen auf dem Rechtsgebiet mitbringt, sieht die Kommune im Vorteil. Vor allem könne sie den Nachweis erbringen, dass ihre Planungen schon früher begonnen worden seien, zitiert Grossmann die Experten. Dies könnte sich für die Gemeinde positiv auswirken, bleibt er aber trotzdem vorsichtig im Konjunktiv. „Ich kann nicht abschätzen, wie andere das beurteilen, ob die Trasse höhere Bedeutung hat“, schränkt der Bürgermeister ein. Das sei dann Teil der Verfahren, an dem die Träger öffentlicher Belange beteiligt würden. Hinter dem Verwaltungsdeutsch dieses Begriffes verbirgt sich, dass Behörden wie Landkreise, Kommunen und Unternehmen wie Energieversorger oder aus dem Bereich der Telekommunikation angehört werden und ihre Bedenken und Anregungen vorbringen können. Das würde sowohl für die Bauleitplanungen zur Stromtrasse als auch zu den Windvorranggebieten gelten.

Aus rechtlicher Sicht sind die Kommunen verpflichtet, ausreichend Platz für Windräder zu schaffen. Der Gesetzgeber räumt den Erneuerbaren Vorrang ein – für die Windenergienutzung sei „in substanzieller Weise Raum“ zu schaffen, wie es in der Rechtsprechung heißt. Mehr als nur Feigenblatt-Planung also. Damit sind die Planungen in Emmerthal mehr als nur eine kommunale Aufgabe, da die Bundesregierung die Energiewende mit all ihren Konsequenzen beschlossen hat. „Wenn die Trasse unsere Planungen behindert, dann würde es schwierig, genügend Vorrangflächen auszuweisen“, meint Grossmann. Zwar gehörte die Gemeinde einst mit zu den Vorreitern bei der Windkraft im Kreisgebiet, allerdings blieb es dann auch bei dem Vorranggebiet auf dem „Kleinen Berg“ bei Börry mit inzwischen sechs Anlagen.

Natürlich ist ihm bewusst, dass weitere Windräder – inzwischen auch gewaltiger als jene in Börry – ebenfalls umstritten sind. „Viele wollen die Trasse nicht, viele keine Windkraftanlagen“, sagt Grossmann. „Aber beides – das geht gar nicht.“ Nicht einmal die von Tennet in Aussicht gestellten Ausgleichszahlungen an die finanziell arg gebeutelte Gemeinde könnten ihn locken. „Das Geld gibt es nur einmal“, sagt der Bürgermeister. „Die Belastungen aber bleiben auf hundert Jahre.“  cb

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