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Deutschlands längste Hochspannungsleitung soll durch das Weserbergland führen

Voll unter Strom

Weserbergland. Die Pläne für das längste Stromnetzprojekt – den „SuedLink“ – liegen seit gestern auf dem Tisch. Die Deutschland-Stromtrasse soll durch das Weserbergland führen. Auf 800 Kilometern Länge könnte der Strom ab 2022 von Schleswig-Holstein durch den Landkreis Hameln-Pyrmont nach Bayern befördert werden.

veröffentlicht am 05.02.2014 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 27.03.2014 um 11:39 Uhr

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Dass der Stromkorridor „quer durch Emmerthal“ verlaufen soll, dabei hat Bürgermeister Andreas Grossmann im ersten Moment „kein gutes Gefühl“. „Wir versuchen, die Region touristisch voranzubringen, planen große Projekte und so eine Stromtrasse macht es dann natürlich etwas schwierig.“ Wenn er sich die Pläne genau ansehe, dann könne man erkennen, „dass der Korridor über die Ottensteiner Hochebene und genau unterhalb des Südhangs entlangläuft, einem Gebiet, das ohnehin schon stark mit Windrädern bebaut ist“, so der Bürgermeister.

Der SuedLink soll große Mengen Strom aus den Windparks im Norden in den Süden des Landes bringen und die Stilllegung mehrerer Atomkraftwerke ausgleichen. Er ist einer von drei großen Neubauprojekten im Zuge der Energiewende. Mindestens zehn Milliarden Euro sind für insgesamt 36 Ausbau- und Netzverstärkungsprojekte veranschlagt – die Kosten für den SuedLink liegen laut Tennet-Geschäftsführer Lex Hartman „im unteren einstelligen Milliardenbereich“. Insgesamt sollen 2800 Kilometer neu gebaut und 2900 Kilometer optimiert werden.

Bisher sieht es so aus, dass die Stromtrasse überirdisch verlaufen wird. Wenn die Leitungen als Erdkabel verlegt werden, würde es teurer. Für die überirdische Variante sollen Masten von 60 bis 70 Metern Höhe errichtet werden. TransnetBW-Geschäftsführer Rainer Joswig: „Wir sprechen hier von der Hauptschlagader und dem Rückgrat der Energiewende.“ 2016 soll das Baugenehmigungsverfahren starten.

Der SuedLink – für Andreas Grossmann ein Thema, mit dem er sich „erst mal beschäftigen muss“. Konfliktpotenzial sieht er aber jetzt schon: „Ich weiß, dass das ein Aufregerthema ist, aber irgendwie müssen wir den Strom ja in den Süden bekommen.“ Noch sei aber nichts entschieden, „das ist ja erst mal ein Vorschlag der Netzbetreiber“, so Grossmann.

Clemens Pommerening, stellvertretender Bürgermeister von Salzhemmendorf, der die Trasse ebenfalls vor der Haustür haben soll, hofft, dass statt einer zweiten Stromleitung einfach die umgewidmet wird, die derzeit noch den Strom vom Atomkraftwerk Grohnde nach Hannover leitet, denn „die wird ja eh nicht mehr lange gebraucht. Eine zweite parallele Leitung wäre eine Katastrophe für das Landschaftsbild“. Pommerening erklärt, „in der nächsten Woche gibt es eine Informationsveranstaltung für die betroffenen Gemeinden – aber ich versuche, schon vorher mehr zu erfahren“. Möglichen Fehlentwicklungen müsse man frühzeitig entgegenwirken, sagt Pommerening.

Hamelns Stadtsprecher Thomas Wahmes betrachtet die Trasse so distanziert, wie diese zur Rattenfängerstadt verläuft: „Man wird das von Hameln aus nicht einmal sehen können. Da fallen die Kühltürme von Grohnde mehr ins Auge als eine Stromtrasse.“

Das letzte deutsche AKW geht 2022 vom Netz. Auf mögliche Vorbehalte gegen das längste Netzausbauprojekt im Zuge der Energiewende reagiert Hartman: „Wenn wir die Energiewende haben wollen, brauchen wir diese Netze.“ Andernfalls werde mit viel Geld geförderter Ökostrom produziert, den keiner abtransportieren könne.

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