weather-image
11°
Einwohner in Sorge: Energiewende zulasten des Weserberglands / Bürgerinitiative gründet sich im Ilsetal

Unter Strom

Esperde. Aufregung in der Region: Der Saal des Gasthauses „Zur Alten Post“ in Esperde ist bis auf den letzten Platz gefüllt, über 100 Menschen aus der gesamten Region waren gekommen. Der Grund: Auf Nachfrage der Einwohner hatte der Ortsbürgermeister von Börry, Rolf Keller, zu einer Informationsveranstaltung über die geplante Nord-Süd-Stromtrasse „SUED.LINK“ geladen. Ein bedeutsames Thema für die Menschen im Weserbergland: Denn die Pläne des vom Bund beauftragten niederländischen Unternehmens Tennet sehen vor, die 500 kV starke Gleichstromleitung mit bis zu 70 Metern hohen Masten mitten durch ihre Heimat zu bauen.

veröffentlicht am 17.02.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 14.11.2016 um 13:56 Uhr

270_008_6944421_wb102_1702.jpg
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Die Landtagsabgeordnete Petra Joumaah (CDU) betonte in ihrer Begrüßungsrede die Wichtigkeit der Trasse für die Energiewende. Jedoch blieb nicht nur unklar, warum die Trasse überhaupt durchs Weserbergland führen muss, sondern auch, warum scheinbar willkürliche Schwenks nach Osten und Westen vorgesehen sind.

Für viele Teilnehmer waren dies neue Informationen. „Mit uns Bürgern ist der Streckenverlauf nie erörtert worden“, kritisiert Helmut Sobottka, Bio-Landwirt aus Esperde. Viele Fragen blieben allerdings auch an diesem Abend offen. Zwar lag zunächst die Zusage eines Vertreters von Tennet vor, an der Veranstaltung teilzunehmen, doch war die Teilnahme dann zwei Tage zuvor abgesagt worden.

Die Ängste, die an diesem Abend zur Sprache kamen, waren gesundheitliche Schäden durch die Stromleitung für Mensch und Tier, Beeinträchtigung geschützter Tierarten, negative Auswirkungen auf den Tourismus und Verdrängung der über Jahrzehnte in der Region verwurzelten Flugsportvereine. „Wir investieren viel, um das Landleben für die junge Generation attraktiv zu halten. Die Trasse würde unsere Arbeit zunichte machen und das Ausbluten unserer Dörfer vorantreiben“, befürchtet Ortsvorsteher Willi Brackhoff aus Neersen.

270_008_6944407_wb101_1702.jpg
  • Viele Fragen bleiben offen: Rund 100 Interessierte hoffen auf Details.

Auch nicht geklärt werden konnte, warum die Stromleitung nicht wie ursprünglich geplant entlang der bestehenden ICE-Strecke verläuft, was die Leitungslänge um mehr als 100 Kilometer verkürzt hätte. Ulrich Watermann, SPD-Landtagsabgeordneter, stellt dar: „Die Landespolitik war nicht involviert in die Trassenplanung.“ Die Länder hätten die Verantwortlichkeit an den Bund abgetreten, der aber in die Entwicklung der Stromtrassenplanung nicht eingebunden sei, sagte Watermann.

Die Planung ist privaten Unternehmen überlassen worden. Aber wer vertritt nun die Interessen der Region? Im Ilsetal will man nicht abwarten, sondern handeln. „Es gilt zu verhindern, dass über unsere Köpfe hinweg entschieden wird“, meint Frank Borchers, Ingenieur aus Esperde. Damit waren sich die Bürger im Saal einig. Das Ergebnis am Ende des Abends: Nach nur zwei Stunden war die Gründung der Bürgerinitiative Weserbergland perfekt. Rolf Keller erntete viel Lob für die schnelle Organisation und umfassende Information. Die Herausforderung wird nun sein, mithilfe der Experten von Tennet, Naturschutzorganisationen und Gesundheitsfachleuten die Fragen der Bürger vor der finalen Festlegung der Nord-Süd-Strecke zu beantworten. Ab Mitte der Woche wird es eine Internetpräsenz der Bürgerinitiative Weserbergland geben unter: www.bi-weserbergland.de cd

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare