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Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, sieht bei Suedlink-Trasse noch offene Fragen

„TenneT muss den Westschwenk erklären“

Kreis Holzminden. „Wir wollen schon vor dem eigentlichen Verfahren mit den Bürgern sprechen und nicht erst, wenn die Bundesfachplanung beginnt.“ Jochen Homann ist Präsident der Bundesnetzagentur und damit verantwortlich für die Genehmigung der 600 Kilometer langen Stromtrasse „Suedlink“, die der Übertragungsbetreiber Tennet von der Nordsee durch Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hessen nach Bayern bauen will. Der Weg dieser Stromautobahn könnte durch die Landkreise Holzminden und Hameln-Pyrmont führen und die Gebiete um Bremke, Esperde, Ottenstein und Vahlbruch durchschneiden.

veröffentlicht am 02.07.2014 um 14:50 Uhr

Für viele ein Horrorszenario: Suedlink-Masten direkt neben ihren Wohnorten. Foto: archiv
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Jochen Homann ist mit seinen verantwortlichen Kollegen derzeit im Weserbergland unterwegs. Er diskutiert mit Stromtrassengegnern bei Podiumsdiskussionen, spricht mit Landräten und Bürgermeistern und sucht das Gespräch mit den Menschen. Und er macht dabei die Rolle seiner Behörde deutlich. „Wir sind nicht die Vollstrecker der Netzbetreiber, wir sind neutral.“

Nach der Vorstellung der Stromtrassenpläne gibt es zwei Fragen, welche die Menschen besonders bewegen, weiß Homann. Welche Auswirkungen hat der Elektromagnetismus, und warum schwenkt die Trasse von der A 7-Linie nach Westen ab?

„Bei der Frage nach möglichen Einwirkungen durch Elektromagnetismus sind wir auf Experten und Gutachten angewiesen“, so Homann. Die Fachleute sagen, dass die Übertragung durch Gleichstrom vorzuziehen sei. Außerdem gebe es strenge Grenzwerte, die eingehalten werden müssen. „Nicht nur beim Bau, sondern auch später im Betrieb.“ Die Bundesnetzagentur werde auch in Zukunft auf die Einhaltung der Grenzwerte achten.

Im Gegensatz zu TenneT rede man bei der Bundesnetzagentur nicht von einer „Vorzugstrasse“, sondern einer „Vorschlagstrasse“. Und bei der vorgeschlagenen Trasse mit dem Westschwenk gebe es noch Informationsbedarf. Homann: „Tennet muss den Westschwenk erklären.“

Man habe im Gespräch mit Politikern immer wieder den Hinweis gegeben, dass die Kommunen selbst Vorschläge zur Trassenführung machen können. Und auch die Bürger könnten ihre Meinung dazu kundtun. Homann betonte die Offenheit. „Es gibt keine Vorfestlegung, auch wenn Tennet eine Trasse als Vorzugstrasse bezeichnet.“ Am Dienstag sei man mit Höxters Landrat Friedhelm Spieker sowie Vertretern der Kreise Holzminden und Hameln-Pyrmont zusammengekommen, um über die Suedlink-Trasse zu sprechen. Die Bundesnetzagentur halte es für sehr gut, dass sich hier sieben Landkreise zusammengeschlossen haben, um gemeinsam ihre Interessen bei diesem Projekt zu vertreten. Man werde im ständigen Austausch bleiben, habe er mit Landrat Spieker vereinbart, so Homann. „Wenn gewünscht, wird ein eigener Verbindungsmann der Bundesnetzagentur für die sieben Kreise bestimmt.“

Ein aktueller Antrag für die Stromtrasse von TenneT liege derzeit noch nicht vor. „Wir erwarten den Antrag für Herbst“, sagte Homann. Dann beginne ein mehrstufiges Verfahren. Sobald TenneT den Antrag auf Bundesfachplanung gestellt habe, werde zunächst die Vollständigkeit des Antrags überprüft. Danach wird innerhalb von zwei Monaten der Untersuchungsrahmen festgelegt: Welche Gutachten müssen noch erstellt werden, wo sind noch Untersuchungen anzufertigen?

Direkt darauf werden öffentliche Antragskonferenzen entlang des vorgeschlagenen Trassenkorridors abgehalten. „Wir wollen an der 600 Kilometer langen Strecke diese Konferenzen im Abstand von 100 Kilometern durchführen, sodass die Regionen die Möglichkeit haben, sich dort einzubringen. Anschließend sollen über ein Jahr dann die Untersuchungen der Träger öffentlicher Belange wie Naturschutz durchgeführt werden.

Am Ende dieser Untersuchungen steht die Bestimmung eines Trassenkorridors. In einem sich anschließenden Planfeststellungsverfahren wird die eigentliche Trasse innerhalb des einen Kilometer breiten Korridors bestimmt. Auch diese Entscheidung werde von der Bundesnetzagentur getroffen. Im Planfeststellungsverfahren, erklärte Homann, werden die Standorte der Masten oder die Abschnitte für die Erdverkabelung festgelegt. „In allen Phasen der Entscheidung wird die Öffentlichkeit beteiligt“, sicherte der Präsident zu. Die Form der vermehrten und intensiven Beteiligung sei eine Konsequenz aus den Erfahrungen mit „Stuttgart 21“, so Präsident Homann. Er habe bei Gesprächen im Weserbergland erlebt, dass hier alle Unterhaltungen sehr sachlich geführt werden, bescheinigt Homann.

Seine Mitarbeiter haben schon die komplette Trasse selbst in Augenschein genommen und sich vor Ort ein eigenes Bild gemacht. „Wir wollen wissen, worüber wir reden und entscheiden“, so der Präsident.

Auch Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, möchte von TenneT beantwortet haben, weshalb der Suedlink hinter Hannover einen gewaltigen Westschwenk macht und nicht weiter der A7 in Richtung Göttingen folgt.

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