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Ratsmitglied Hartmut Greve rügt Tennets Informationspolitik als „Salamitaktik“

Suedlink-Resolution eint Coppenbrügge

Coppenbrügge. Die Informationsveranstaltung in der Salzhemmendorfer KGS ist kaum zu Ende, da war die Stromtrasse Suedlink schon wieder Thema im Coppenbrügger Gemeinderat. Die Politiker hatten sich zum Ziel gesetzt, eine Resolution an den Netzbetreiber Tennet auf den Weg zu bringen. Die klare Meinung darin: „Der Flecken Coppenbrügge lehnt die vorgeschlagene Trasse der Firma Tennet grundsätzlich ab.“ Für die Ratsmitglieder und anwesenden Bürger wurde das Anliegen auch mit entsprechenden Fakten untermauert.

veröffentlicht am 16.10.2014 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 13.01.2015 um 11:02 Uhr

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Zu diesem Zweck war extra Dr. Manfred Redslob von der Gesellschaft für Datenanalyse und Fernerkundung aus Hannover zu Gast und zeigte die Probleme auf, die sich aus einem Trassenverlauf durch den Osterwald und das Coppenbrügger Gemeindegebiet ergeben würden. Bürgermeister Hans-Ulrich Peschka zog ein positives Fazit der Veranstaltung in Salzhemmendorf, betonte jedoch angesichts der vom Experten aufgezeigten Konflikte, dass er sich mehr Planungsvorarbeit von Tennet gewünscht hätte. Die Daten seien schließlich schon länger bekannt und hätten ohne Weiteres in den Planungen des Netzbetreibers ihren Niederschlag finden können, so der Bürgermeister. Er verwies dabei auch ausdrücklich auf die „zarte Blüte des Tourismus“, die in der Vergangenheit finanziell kräftig gefördert worden sei. „Suedlink wäre ein Tiefschlag für unsere Bemühungen in dieser Richtung“, zieht Peschka ein Fazit und verweist darauf, dass neben der Stromtrasse auch der zweigleisige Ausbau der Güterbahntrasse die Gemeinde bedrohe. Dabei heiße es immer, „ländlicher Raum soll gefördert werden“, so Peschka.

Im Falle des Coppenbrügger Gemeindegebiets sind die Raumwiderstände, wie der Experte die drohenden Konflikte unterschiedlicher Nutzungen nennt, vielfältig. So sei Coppenbrügge an sich vollständig ein „Nahrungshabitat für in Europa geschützte Vogelarten“, so Redslob. Entsprechend könne Coppenbrügge an sich überhaupt nicht für den Trassenverlauf in Frage kommen, da allein dieser Fakt schon ein Ausschlusskriterium darstelle. Ein weiteres Beispiel für einen Konflikt ist der Flugplatz Bisperode, der immerhin „bundesbehördlich genehmigt ist“.

Im Anschluss berieten die Ratsmitglieder die geplante Resolution an den Netzbetreiber Tennet. Wie nicht anders zu erwarten herrschte fraktionsübergreifend Einigkeit. Hartmut Greve (SPD) äußerte Bedenken, dass etwa schadhaftes Material beim Bau der Trasse verwendet werden könnte. Weiter rügte er die Informationspolitik des Netzbetreibers als Salamitaktik. „Da werden viele Möglichkeiten mit noch mehr Unwägbarkeiten ins Spiel gebracht und am Ende wird das geringste Übel genommen“, so der Sozialdemokrat. In die gleiche Kerbe schlug Ludwig Krückeberg (Grüne). „Tennet geht den Weg des geringsten Widerstands, also dahin, wo die Leute sich nicht rühren“, sagte er. Auch Thorsten Kellner (CDU) sicherte der Resolution die volle Unterstützung seiner Fraktion zu. Der Fraktionsvorsitzende beschrieb die Planungen Tennets mit den Worten, „als ob ein Kind einen Strich in der Landschaft gezogen hätte“. Die Planung sei nach derzeitigem Stand „nicht akzeptabel“. Warum verlaufe die Trasse nicht gerade von Nord nach Süd, warum diese Schwenks durch das Weserbergland und durch Coppenbrügger Gebiet, warf Kellner die seiner Meinung nach zentralen Fragen auf. Suspekt sei ihm zudem, dass nicht mal Landräte zufriedenstellende Antworten von Tennet bekämen. Der Gemeinderat entschied sich letztlich nach kurzer Diskussion einstimmig dafür, die Resolution zur Stromtrasse Suedlink auf den Weg zu bringen.

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