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Wie geht es jetzt weiter? Viele Fragen sind noch offen

Südlink-Gegner feiern, aber…

Ottenstein. Es war so etwas wie eine Siegesfeier, zu der die derzeit 1304 Mitglieder starke BI Weserbergland nach Ottenstein in den Saal der Gaststätte „Landherberge“ eingeladen hatte: Die Südlink-Kabel sollen grundsätzlich unter die Erde. Gespannt blicken sie nun darauf, wie es jetzt mit der Stromtrasse weitergehen soll.

veröffentlicht am 22.03.2016 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:27 Uhr

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Joachim Zieseniß

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Joachim Zieseniß Reporter Bodenwerder zur Autorenseite
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Und wenn auch nicht mit Sekt angestoßen wurde, sondern mit dem flüssigen „Gold des Weserberglandes“ in Bügelflaschen – Grund zum Feiern gibt es für die Gegner der Südlink-Freileitung, die der Leitungsbauer Tennet quer durch Deutschland und damit auch vom Ith bis durch das lippische Bergland bauen wollte, allemal. Denn nachdem das Bundeskabinett Anfang Oktober und der Bundesrat im Dezember entschieden hatte, dass der Südlink unter die Erde kommen soll, und alle bisherigen Planungen damit erst mal in die Tonne getreten werden konnten, hatte jetzt die Bundesnetzagentur in Bonn ihr Positionspapier für das weitere Vorgehen zum Vorrang von Erdkabeln bei Gleichstromleitungen vorgestellt. Bei dieser Erdkabel-Methodenkonferenz war neben Experten aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Verbänden und der interessierten Öffentlichkeit auch der Leiter der Klimaschutzagentur Weserbergland Tobias Timm anwesend. Zusammen mit dem Tennet-Referneten für Bürgerbeteiligung, Thomas Wagner, informierte Timm jetzt die zahlreich erschienenen Mitglieder der Bürgerinitiative in Ottenstein über die Ergebnisse der Konferenz.

Schon bei der Begrüßung hatte BI Weserbergland-Sprecher Rolf Keller darauf hingewiesen, dass diese Entwicklung im Südlink-Streit einmal mehr zeige, „dass Bürgerproteste in einer Demokratie immer noch Sinn machen“. Anfangs belächelt, habe das Anliegen der BI schließlich auch die Politik mit der sogenannten „Hamelner Erklärung“, mit der sich Kommunalverwaltungen gegen die Freileitungstrasse starkmachten, aufgegriffen. Heute sei das Bündnis dieser Kommunen der „Hamelner Erklärung“ ein ernst genommener Gesprächspartner in Sachen Südlink – und das nicht nur bei der Bundesnetzagentur.

Planerisch

ist alles wieder offen

„Die Vorzugstrasse mitten durch das Weserbergland ist vom Tisch“, begann Tobias Timm seine Ausführungen über die jüngst in Bonn stattgefundene Konferenz: Der Tennet-Antrag auf Bundesfachplanung der ins Auge gefassten Freileitungsstrecke sei von der Bundesnetzagentur „wegen Willkürlichkeit und mangelnder Transparenz zurückgewiesen worden“, so Timm. Im Gesetz sei eine Erdverkabelung der Strecke unwiderruflich festgeschrieben, in ihrem nun vorgelegten und zur Diskussion freigegebenen Positionspapier habe sich die Bundesnetzagentur zum künftigen Vorgehen konkretisiert. Damit herrscht nun auch für den beauftragten Leitungsbauer Tennet Klarheit über das künftige Erdkabelprimat – was, wie die Veranstaltung in Ottenstein zeigte, wesentlich zur Entkrampfung im Verhältnis zu Bürgerprotestlern und Freileitung ablehnenden Kommunen geführt hat. In den meisten Fragen zieht man nun an einem gemeinsamen Strang, wie auch Hameln-Pyrmonts Landrat Tjark Bartels versicherte.

Fest steht jetzt: Für die Führung der neuen Erdkabeltrasse soll die geografische Gradlinigkeit von den nördlichen Windkraftproduzenten zu den südlichen Abnehmern oberste Priorität haben. Planerisch ist derzeit damit alles wieder offen. Will heißen: Die Erdkabel können durch das Weserbergland führen, müssen es aber nicht. Tennet hat sich von seinen alten Gutachtern getrennt. „Die alten Planungen sind geschreddert, wir fangen bei der Trassenfindung wieder ganz von vorne an“, vemeldet Tennet-Sprecher Thomas Wagner. Derzeit werde in einer europaweiten Ausschreibung nach neuen Gutachterbüros gesucht, die eine praktikable Erdtrasse durch Deutschland ermitteln sollen.

Die Bundesnetzagentur hat angesichts der massiven Widerstände in der Vergangenheit ein stets transparentes Verfahren angekündigt: Man wolle aus alten Fehlern lernen. Und sie hat in ihrem Positionspapier ihr klares Bekenntnis zum Erdkabel bekräftigt, wie Timm versichert. Freileitungen auf der Südlink-Strecke sollen die absolute Ausnahme sein.

Möglich sein sollen sie nur, wenn sie von Kommunen ausdrücklich gefordert werden oder sie auf bereits bestehende Freileitungsmasten gezogen werden können. Zu letzterer Option merkte Wagner an, dass diese Möglichkeit nirgendwo in den Trasssenwartungsgebieten technisch gegeben sein. Auch wenn es der Artenschutz gebieten sollte – beispielsweise weil Biotope des raren Feldhamsters durch Erdkabel-Verlegungen zerstört würden, könnte dort auf Freileitungen umgeplant werden.

In der Nähe von Siedlungsgebieten sei grundsätzlich das Erdkabel zu favorisieren, so Timm. Grundsätzlich jedoch, so Wagner, machten sich die Tennet-Techniker dafür stark, eine Trasse zu finden, auf der die Kabel durchgängig unter die Erde kommen könnten. Was diese Trasse anginge, so der Tennet-Sprecher, hoffe man, in der zweiten Jahreshälfte vorzeigbare Ergebnisse präsentieren zu können. Mit dem Start des formalen Verfahrens sei nicht vor dem kommenden Jahr zu rechnen. Da man durch die Freileitungsplanungen zwei Jahre Zeit verloren habe, sei nun eine Südlink-Inbetriebnahme mit den geplanten vier Gigawatt „jedoch bis 2022 jetzt illusorisch“, kündigt Wagner an.

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