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Energieexperten mahnen in Hameln gesetzliche Vorgaben für die Erdverkabelung an

Südlink: Weserbergland ist nicht raus

Weserbergland. „Wir schaffen das!“ Dieser neue Wahlspruch der Bundeskanzlerin – irgendwo zwischen Mut und Trotz angesiedelt – beherrscht auch die Planungen für die Energiewende. Auch im Weserbergland machen sich viele Menschen dazu ihre Gedanken.

veröffentlicht am 17.09.2015 um 16:16 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:02 Uhr

Foto: pixabay (cc)
Marc Fisser

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Marc Fisser Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Diese Region sei „ein Mikrokosmos der Energiewende“, sagte Landrat Tjark Bartels (SPD) gestern in Hameln auf dem 4. Energiesymposium der Hochschule Weserbergland und der heimischen Klimaschutzagentur. Atomkraft, Solarforschung, Windkraft, Biomasse – „hier findet alles statt“. Und künftig auch der Südlink, die Höchstspannungstrasse, die nach alter Planung quer durchs Weserbergland führen sollte. Zwar haben Anwohnerproteste sowie die „Hamelner Erklärung“ betroffener Landkreise dazu beigetragen, dass die Bundesregierung seit Anfang Juli beim Südlink die Erdverkabelung gegenüber der Freileitung favorisiert. Aber vom Tisch ist das Vorhaben damit für diese Region noch nicht. „Es ist unklar, wie der Referentenentwurf aussehen wird“, betonte Matthias Otte von der Bundesnetzagentur. Wenn das Erdkabel Vorrang hat, müsse es klare Vorgaben geben, „wann es aus der Erde gehen soll“. Otte: „Nichts ist schlimmer als ein Mischmasch.“ Denn das schaffe Rechtsunsicherheit und berge die Gefahr weiterer Verzögerungen.

Als „Chance für mehr Akzeptanz und Geschwindigkeit“ wertet Paul-Georg Garmer den Erdkabel-Beschluss der Koalition. Sonst sei das Projekt politisch nicht umsetzbar. „Wir brauchen jetzt das Gesetz“, mahnte Garmer. Er versicherte, Tennet bemühe sich um ein transparentes und faires Verfahren. „Akzeptanz ist das explizite Ziel.“ Und die versprach Bartels, falls am Ende die Querung des Weserberglands tatsächlich nachvollziehbar die beste Lösung sein sollte.


„Klarheit hoffentlich noch in diesem Jahrzehnt“

Die neuen Vorgaben der Politik für die Planung der Höchstspannungsleitung Südlink haben sich seit Juli drastisch verändert. Wir sprachen über den geplanten Vorrang der Erdverkabelung gegenüber der Freileitung mit Matthias Otte, dem Abteilungsleiter Netzausbau bei der Bundesnetzagentur. Interview: Marc Fisser
 

Herr Otte, wie hoch schätzen Sie die Wahrscheinlichkeit ein, dass der Südlink trotz allem durchs Weserbergland führen wird?
Das kann man seriös nicht beantworten, weil wir zunächst abwarten müssen, was der Gesetzgeber jetzt tatsächlich zum Vorhaben des Erdkabels niederlegt. Auf der Basis wird es dann einen neuen Vorschlag des Netzbetreibers Tennet geben hinsichtlich des Vorzugskorridors und sicherlich der Alternativen. Ob das Weserbergland auch hiervon betroffen sein wird, kann ich nicht sagen.

Die Neuplanung kostet Zeit. Haben Sie die überhaupt?

Wir müssen uns die Zeit nehmen. Wenn dieses Erdkabel kommt, wird Tennet eine ganz neue Planung vornehmen müssen. Diese wird anders sein als bei den Freileitungen, das wird zu anderen Korridoren führen.

Wann werden die Menschen vor Ort Klarheit haben, wo die Leitung gebaut wird.
Wo die Leitung konkret gebaut wird, wissen wir erst am Ende des Planfeststellungsverfahrens. Das wird hoffentlich noch in diesem Jahrzehnt sein. Natürlich werden wir erste Anhaltspunkte haben, wenn Tennet den überarbeiteten Antrag einreicht.

Wie beurteilen Sie das Erdkabel hinsichtlich der Umweltverträglichkeit?
Natürlich gibt es Auswirkungen auf den Boden – sowohl beim Bau, als auch im Betrieb. Erdkabel wie auch Freileitungen haben Vor- und Nachteile. Ich glaube, die Diskussion ist noch nicht abgeschossen.

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