weather-image
10°
Ein alternativer Streckenverlauf kommt Hameln ausgesprochen nah

Suedlink vor der Haustür?

Hameln. Nach den Plänen von Tennet gingen aus der Bevölkerung über 100 alternative Trassenkorridor-Vorschläge ein – dazu hatte das Unternehmen aufgerufen. Die Vorschläge zeigen ganz unterschiedliche Verläufe durch das Weserbergland – eine Alternativtrasse kommt den Hamelner Ortschaften dabei besonders nah.

veröffentlicht am 15.10.2014 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 13.01.2015 um 10:27 Uhr

270_008_7503293_Suedlink_Alternative_Hastenbeck.jpg
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Diese Alternative sieht folgenden Verlauf der Trasse vor: aus Richtung Bad Nenndorf kommend, läuft sie am Süntel entlang nach Hachmühlen, an Rohrsen, Afferde und Hastenbeck vorbei und anschließend nach Emmerthal. Ortsvorsteher Jobst-Werner Brüggemann (CDU) sieht Rohrsen dabei in einer besonderen Position. Er sagt: „Es wäre nicht gut, die Ecke hier noch mehr zu belasten.“ Mit Belastung meint Brüggemann die geplanten Windkraftanlagen, die das „landschaftliche Bild ohnehin schon verändern“. Der Ortsvorsteher betont, dass er durchaus Verständnis habe, denn irgendwo müssten die Trassen nun mal entlanglaufen. „Aber nicht alles so konzentriert auf eine Ortschaft“, so Brüggemann.

Auch Thomas Meyer-Hermann, Fraktionsvorsitzender der CDU, meint: „Grundsätzlich muss man Trassen ja befürworten. Irgendwie muss der Strom transportiert werden.“ Meyer-Hermann spricht sich dabei aber ganz deutlich für Erdkabel und gegen Oberleitungen aus. „Nicht nur aus optischen, sondern auch aus Emissionsgründen“, sagt der Sprecher der schwarz-grünen Ratsmehrheit.

So denkt auch Wilfried Binder, SPD-Fraktionsvorsitzender: „Es gibt die Alternative, wenn man in solche Gebiete wie hier kommt, Erdkabel zu verlegen.“ Binder stellt klar, dass die Fraktion sich insgesamt gegen die Trassenpläne von Tennet ausspricht.

Meyer-Hermann mahnt, dass bei dem angedachten Verlauf der Stromtrasse jedoch genau hingeschaut werden muss. „Die Pläne, die im Internet zu finden sind, sind ja recht grob skizziert“, erklärt das Ratsmitglied. Zum Vergleich hat der CDU-Politiker eine digitale Landschaftskarte herangezogen und stellt fest: „Afferde wäre weniger betroffen, Hastenbeck dagegen noch eher als Rohrsen.“ Ines Buddensiek, Ortsbürgermeisterin von Afferde, hat vom alternativen Streckenverlauf allerdings noch keine Kenntnis.

Hastenbeckerin wirbt

für Petition gegen die Suedlink-Pläne

„Wir haben schon die B1, die Südumgehung und nun auch noch die Stromtrasse?“, fragt sie jedoch. „Es gibt so viele Möglichkeiten, das unter die Erde zu legen, die gesundheitlichen Schäden sind doch bekannt“, sagt die SPD-Politikerin. Auch sie spricht sich für Erdkabel aus. „Ich kann mir gar nicht vorstellen, warum das erlaubt ist, alles oberirdisch zu führen“, fragt sich Buddensiek. Sie sei aber auf jeden Fall gegen diese Alternative. „Ich will das hier nicht haben“, so die Ortsbürgermeisterin.

Ähnliche Worte findet auch Walter Kinast (CDU), Ortsbürgermeister von Hastenbeck: „Welche Ortschaft möchte das schon direkt vor der eigenen Haustür haben?“ Zwar zeigt sich Kinast ebenso besorgt, blickt der Alternative jedoch ruhiger entgegen. „Die von Tennet favorisierte Variante würde Hastenbeck weniger betreffen“, so Kinast. Dennoch müsse man sich informieren und an der Diskussion beteiligen. „Mich riefen schon Bürger an und ich finde es gut, dass sie sich damit auseinandersetzen“, so Kinast. Martina Schönemann aus Hastenbeck hat bereits eine Petition gegen die geplante Trasse gestartet. Sie fürchtet die Folgen für Flora und Fauna: „Wertvolle Rückzugsgebiete werden gnadenlos zerstört und auf Jahrzehnte für unsere heimische Tier- und Pflanzenwelt unbrauchbar gemacht.“

Die Trasse aus rein optischen Gründen abzulehnen, ist laut Meyer-Hermann so nicht durchzusetzen. „Man muss da schon handfeste Argumente vorweisen. Wenn zum Beispiel der Abstand von 400 Metern zu hohen Gebäuden nicht eingehalten wird oder Waldgebiete durchlaufen werden“, erklärt der CDU-Politiker.

Eine Alternative zur Streckenführung durch den Osterwald: die Trasse bei Rohrsen, Afferde und Hastenbeck. Innerhalb des ein Kilometer breiten Korridors könnte sie verlaufen.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare