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Geplante Stromtrasse spaltet die Gemüter – bald auch Voremberg und Völkerhausen?

Suedlink sorgt für Spannungen

Emmerthal. Die Energiewende wird von der Bevölkerung häufig mit Beifall kommentiert, schließlich geht es um Nachhaltigkeit, saubere, regenerative Energie und eine verbesserte Effizienz. Geht es allerdings um die konkrete Notwendigkeit unliebsame Stromtrassen quer durch die Bundesrepublik und damit auch vor der eigenen Haustür zu verlegen, verebbt der Beifall doch recht schnell. Zahlreiche Bürgerinitiativen schossen aus dem Boden, um sich Suedlink entgegenzustellen, die von Netzbetreiber Tennet als 800 Kilometer lange „Hauptschlagader der Energiewende“ gefeiert wird.

veröffentlicht am 27.10.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 13.01.2015 um 11:02 Uhr

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Seit Wochen ist das Thema auch in der Gemeinde Emmerthal präsent, wo der Ortsrat in seiner jüngsten Sitzung über den Planungsstand des Projekts diskutierte. Vorgestellt wurden dabei die drei Alternativrouten, die Tennet zur Verfügung gestellt hat. Die an diesem Abend gezeigte Karte ist bunt und etwas unübersichtlich, doch braucht es keinen zweiten Blick, um zu erkennen, dass einer der eingezeichneten Trassenkorridore Voremberg und Völkerhausen praktisch in zwei Hälften teilt: er geht mitten durch die Ortschaften. Entsprechend empört zeigte sich Ortsratsmitglied Petra Gibmeier von den Grünen: „Es kann nicht sein, dass ganze Ortschaften zwischen Hochspannungsleitungen eingesperrt werden, ganz zu schweigen von den gesundheitlichen Folgen der Strahlungsemissionen.“ Sie forderte während der Sitzung, dass auch andere, modernere und gesundheitsfreundlichere Projektumsetzungen geprüft werden sollten, und die Zusammenarbeit von Tennet und Bundesnetzagentur nicht aus reinen Lobbygründen zu einem unliebsamen Konzept führen dürften. Erstaunlicherweise wird die bevorzugte Route durch Voremberg und Völkerhausen im Planungsstandbericht seitens Tennet als „gering geeignet“ eingestuft und trotzdem als beste Lösung dargestellt. Wie das Unternehmen allerdings auf diese Schlussfolgerung kommt, sei alles andere als transparent und nachvollziehbar. Kein Wunder also, dass sich auch Emmerthals Bürgermeister Andreas Grossmann (SPD) während der Sitzung darüber ärgert: „Wir haben an Tennet gerichtet schon mehrfach gesagt, dass sie ihre Bewertungen offenlegen sollen, aber wir kommen da einfach nicht dran.“

Die Horrorvision von einer riesigen Starkstromleitung, die von vielen Bürgerinitiativen gerne „Monstertrasse“ genannt wird, direkt vor dem Küchenfenster konnte er allerdings entkräften, denn es gebe gesetzliche Mindestabstände. Sollten diese unterschritten werden, müsse die Trasse auf den entsprechenden Abschnitten ohnehin unterirdisch verlegt werden. Dass die Neuverkabelung der Bundesrepublik angesichts gigantisch anmutender Ausmaße auf Gegenwind stoßen würde, war abzusehen, immerhin geht es um cirka 75 Meter hohe Masten mit Füßen, die etwa den Platz eines halben Fußballfeldes einnehmen. Ganz zu schweigen von den 380 000 Volt, die künftig auch durchs Weserbergland rauschen könnten und selbst bei den hartnäckigsten Elektrosmog-Zweiflern für Anspannung sorgen dürften. Eines machte Ortsbürgermeister Rudolf Welzhofer (CDU) aber unmissverständlich klar: „Es wird keine Trasse direkt durch einen Ort geben!“ Das dürfte zumindest für die Bewohner von Voremberg und Völkerhausen ein Zeichen der Entspannung sein – für wen es in Zukunft stattdessen ungemütlich auf dem benachbarten Feld werden könnte, bleibt beim bisher überaus konfusen und strittigen Planungsstand abzuwarten.

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