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Vorstellung einer möglichen Trasse in jüngster Ratssitzung / „Grenzen der Belastbarkeit sind erreicht“

„SuedLink“ erregt in Halle die Gemüter

Halle. Die gut besetzten Zuschauerstühle in der jüngsten Ratssitzung in Halle und die Anfragen und Statements an Rat und Verwaltung zum Schluss der Veranstaltung zeigten einmal mehr: Das Projekt „SuedLink“ hat die Gemüter in der Gemeinde schon in den Anfängen der Planungsphase mächtig aufgerührt. Der Grund: Die Super-Hochspannungsleitung mit 70 Metern Masthöhe, mit der der Übertragungsnetzbetreiber Tennet plant, im Rahmen der Energiewende ab 2022 Windstrom von Wilster in Schleswig-Holstein nach Grafenrheinfeld in Bayern zu transportieren, soll auch über Haller Gebiet führen. Zwischen Dohnsen und Bremke soll sie auf der sogenannte Vorzugstrasse parallel zu der bereits bestehenden 230-KV-Leitung den Ith queren und dann hinter Bremke in Richtung Esperde weiter verlaufen.

veröffentlicht am 13.03.2014 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 27.03.2014 um 11:29 Uhr

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Aktuell hat sich in der Region bereits eine intensive Diskussion um den geplanten „SuedLink“ entwickelt; im benachbarten Hameln-Pyrmonter Esperde wurde auch schon eine Bürgerinitiative gebildet. In der Ratssitzung gab Halles neuer Bürgermeister Werner Drögemüller einen Sachstandsbericht. Die Arbeitsgemeinschaft der Kommunalen Spitzenverbände Niedersachsen hatte zusammen mit dem Unternehmen Tennet und unter Beteiligung der Bundesnetzagentur und des niedersächsischen Umwelt- sowie Landwirtschaftsministeriums ein erstes Informationsgespräch für Landkreise, Städte und Gemeinden in Niedersachsen organisiert. Zusammen mit den vier Bürgermeistern der SuedLink-betroffenen Kreis-Holzmindener Gemeinden – neben Halle sind das Heyen, Ottenstein und Vahlbruch – hatte er eine Tennet-Informationsveranstaltung in Hannover besucht.

Auch wenn das Vorhaben noch nicht in der formellen Phase ist, sei es wichtig, sich bereits jetzt zu informieren und zu artikulieren, riet Drögemüller den anwesenden Bürgern. Das kommuniziere auch der Projektträger Tennet. Es habe die Menschen in den betroffenen Regionen aufgefordert, sich aktiv am Dialog zu beteiligen. Tennet plane deshalb, für die Bürger der Region am Dienstag, 25. März, eine zentrale Veranstaltung für die betroffenen Landkreise Holzminden und Hameln-Pyrmont im Weserberglandzentrum in Hameln durchzuführen. Drögemüller: „Ich empfehle allen interessierten Bürgern, sich auch selbst aktiv an der Informationsgewinnung und Meinungsbildung zu beteiligen.“ Auch das Internet biete bequeme Möglichkeiten, sowohl die Position des Projektträgers, des staatlichen Auftraggebers, aber auch von Bürgerinitiativen oder kritischen Experten zu recherchieren. Man wolle mit anderen Verantwortlichen in der Region in Kontakt bleiben und möglicherweise eigene Veranstaltungen anbieten, so Dögemüller.

Während der mehrfach betonte, mit seinem Beitrag eine möglichst sachliche wertungsneutrale Ratsinformation geben zu wollen, fand Axel Munzel, Fraktionsvorsitzender der Fraktion der Wählergemeinschaft Ithbörde und stellvertretender Bürgermeister, bereits eine schärfere Tonart: Er lehnte eine weitere Belastung der Region mit Bauwerken für die Energiewende rigeros ab: „Die Grenzen der Belastbarkeit sind in unserer Region erreicht“, so Munzel: Schon jetzt werde in diesem Bereich des Weserberglandes mehr Strom erzeugt, als verbraucht; mit Windrädern, Solaranlagen und dem Kernkraftwerk in Grohnde, das auch nach seinem geplanten Abschalten 2022 der Region weiterhin gut sichtbar erhalten bliebe. Munzel: „Wir sollten möglichst schon jetzt zu einem frühen Zeitpunkt dafür kämpfen, dass die neue Stromtrasse nicht kommt.“

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Bei der anschließenden Bürgerdiskussion richtete sich die Kritik neben der weiteren optischen Verschandelung des Wesertales vor allen auf Aspekte des Vogelschutzes für den Roten Milan und der Wohngebiete vor den Gefahren möglichen Elektro-Smogs, die von der geplanten 500 KV-Gleichstromleitung ausgehen könnte. Und ein Sprecher der Dehmker Segelflieger merkte an, dass die geplanten 70 Meter hohen Masten einen Flugbetrieb bei Westwindströmung völlig unmöglich machen würden.

Die sogenannte Vorzugstrasse der „SuedLink“ würde parallel zu der bereits bestehenden 230-KV-Leitung den Ith queren und dann hinter Bremke in Richtung Esperde weiter verlaufen. wfx

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