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Landwirte besorgt wegen Erdkabel-Planungen: Folgen zurzeit absolut unvorhersehbar

Südlink – droht neuer Protest?

veröffentlicht am 16.10.2016 um 19:10 Uhr
aktualisiert am 14.11.2016 um 16:29 Uhr

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Joachim Zieseniß

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Joachim Zieseniß Reporter Bodenwerder zur Autorenseite
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Die Folgen seien zurzeit absolut unvorhersehbar, langfristige Folgenabschätzungen notwendig, um negative Auswirkungen vor Verlegung der Erdverkabelung auf die Bodennutzung ausschließen zu können.

Nach neuesten Planungen berührt die neue Südlink-Erdkabeltrasse nur noch durch einen kleinen Abschnitt des Landkreises Hameln-Pyrmont im Raum Salzhemmendorf. Konkrete Vorschläge für die neuen Trassen sind im Frühjahr 2017 zu erwarten.

Nach Ansicht der niedersächsischen Landwirte muss für das Schutzgut Boden ein fundamentales Interesse gelten. Dessen uneingeschränkte Nutzungsmöglichkeit müsse erhalten werden, ein „trial-and-error“-Prinzip könne für landwirtschaftliche Flächen nicht gelten. Beim Höchstspannungsleitungsbau wurden beispielsweise Bedenken gegen eine zusätzliche Erwärmung des Bodens bekannt; diese seien nicht hinreichend ausgeräumt. Auch die Auswirkungen auf die Entwässerung der Flächen je nach Bodenbeschaffenheit seien kaum untersucht worden. Im Vergleich zur Freileitung werden bei Erdkabeln außerdem Besorgnisse angeführt, dass aufgrund der vermuteten geringeren Lebensdauer der Kabel immer wieder Störungsfälle auftreten, bei denen auf den Äckern dann immer wieder gebuddelt werden muss, so die Bedenken aus landwirtschaftlicher Sicht.

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  • Landwirte befürchten massive Eingriffe in das Schutzgut Boden. Foto: dpa

Bereits in der jüngsten Kreistagssitzung hat Landrat Tjark Bartels daher hinsichtlich der jüngsten Südlink-Entwicklung angekündigt, dass sich der Landkreis Hameln-Pyrmont nun „mit dem Schutz des Bodens beschäftigen wird, um Grundeigentümer-Belange zu vertreten.“ Bereits am 21. Juni des Jahres hatte das Bündnis der „Hamelner Erklärung“ zu diesem Zweck ein Experten-Forum – unter anderem auch mit Landwirtschaftsvertretern – zum Schutzgut Boden im Bereich von Erdkabeltrassen in einer Fachkonferenz mit gut 100 Gästen in Fulda zusammengeführt. Die Veranstaltung wurde von Bartels moderiert.

Nach Ansicht der potenziell betroffenen Landwirte sollte der Stromtransport erneuerbarer Energien per Erdkabel das Klima und landwirtschaftliche Flächen schonen. Ein gemäßigter Flächenverbrauch, so die Landeigentümer, werde sicherlich nur zu erreichen sein, wenn auf Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen auf landwirtschaftlichen Flächen vollständig verzichtet wird. Auch die Landesminister Stefan Wenzel und Christian Meyer erwarten übrigens eine Schonung der Umwelt, des Landschaftsbildes und des Flächenverbrauchs. Angesichts der massiven Beeinträchtigung des Eigentums und der dauerhaften Inanspruchnahme, so die Landwirte, müssten auch die Zahlungen an die betroffenen Grundeigentümer eine völlig neue Qualität erhalten: Das Erdkabel dürfte jedes Grundstück beim Wertzuwachs am Bodenmarkt auch für nachfolgende Generationen auf ewig benachteiligen. Ein Ausgleich dieses Wertverlustes sei durch eine Kapitalanlage der Entschädigung am Null-Zins-Markt nicht zu realisieren. Daher müssten Angebote auf der Grundlage antiquarischer Modelle schnellstens zurück ins Archiv verwiesen werden, so das Landvolk Niedersachsen.

Nach den Schätzungen zum Gesamtumfang des Leitungsprojekts lässt sich vermuten, dass Bau- und Betreiberkosten hingegen nach aktuellem Ansatz ermittelt werden. Die Landesminister sprechen in ihrer Stellungnahme auch den frühzeitigen Einblick in Datengrundlagen, Planungsmethoden und Begründung der Planungsergebnisse an. Hier erwartet die Landwirtschaft eine uneingeschränkte Beteiligung, wie sie auch in den Diskussionen der Hamelner Erklärung angeregt wurde.

Bartels hat bereits angekündigt, dass es im Landkreis in Sachen Erdverkabelung „eine frühzeitige Bürgerbeteiligung geben wird, um von Anfang an ein ordentliches Verfahren zu erreichen.“Aus der Pressestelle des Landkreises ist zu hören, dass diese Informationsveranstaltung voraussichtlich am 14. November stattfinden soll. Geplant ist, dass dann neben dem Netzbetreiber Tennet auch Planer, eine beratende Kanzlei und vermutlich auch ein Vertreter der Bundesnetzagentur nach Hameln kommen werden.

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