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Projektleiter informiert sich bei Bürgerinitiative / Gegner bringen ihre Kritik vor

Stromtrasse – „noch nichts entschieden“

Weserbergland. Achtungserfolg für die erst wenige Tage alte Bürgerinitiative Weserbergland gegen die geplante Stromtrasse in der Region Emmerthal: Sie hatte den Netzausbau-Gesamtprojektleiter Dr. Christoph Thiel des Unternehmens Tennet zu Gast, um ihre Bedenken zu den bis zu 70 Meter hohen Strommasten zu äußern, aber auch, um aus erster Hand Einzelheiten zu dem geplanten Verfahren zu erfahren. Mit dabei: Thomas Wagner, der für das Unternehmen die Bürgerbeteiligung betreut.

veröffentlicht am 25.02.2014 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 27.03.2014 um 11:35 Uhr

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„Entschieden ist noch gar nichts“, sagte Wagner am Tag nach dem Treffen auf Anfrage. Im Gespräch mit der Bürgerinitiative in Esperde habe es viele Vorschläge gegeben, die ebenfalls in die weitere Planung aufgenommen würden. Dieser Dialog mit den Betroffenen vor Ort sei „elementarer Bestandteil“ des Verfahrens, bekräftigte Wagner.

Dem Börryer Ortsbürgermeister und Emmerthaler CDU-Ratsherrn Rolf Keller war es gelungen, das Treffen mit den Spitzenvertretern des umstrittenen Projekts zu organisieren. „Es ist wichtig, jetzt ganz am Anfang des Verfahrens sich zu Wort zu melden“, sagt Keller, der sich dabei in der Rolle des Vermittlers sieht. Nach dem Treffen bekräftigte er die Notwendigkeit, dass Landes- und Bundespolitiker aus der Region nun parteiübergreifend die Interessen des Weserberglandes vertreten müssten. „Wir müssen alle an einem Strang ziehen“, sagte Keller.

Die beiden Übertragungsnetzbetreiber Tennet und TransnetBW, die die Trasse „SuedLink“ gemeinsam planen und errichten, hatten am 5. Februar den Startschuss für das Projekt gegeben und den Trassenverlauf öffentlich gemacht (wir berichteten). Es gilt als größtes und längstes Netzausbauprojekt der Energiewende und ruft in den betroffenen Kommunen Kritik hervor: Die Gleichstromverbindung „SuedLink“ soll ab dem Jahr 2022 Windstrom über 800 Kilometer von Schleswig-Holstein bis in den Süden nach Bayern und Baden-Württemberg transportieren. Sie verläuft über Salzhemmendorf, Emmerthal und die Bergdörfer Bad Pyrmonts, bevor sie in Lügde den ostwestfälischen Bereich erreicht.

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Die Bürgerinitiative Weserbergland ist in Esperde mit Interessierten aus der gesamten Region gegründet worden. Nach Angaben von Rolf Keller zählt sie bereits über hundert Mitglieder. Der Ortsbürgermeister berichtet von „einem sachlichen Gespräch“ mit den Projektverantwortlichen des Unternehmens Tennet. Wagner habe den Planungsstand erläutert, nach dem es vier mögliche Varianten von Nord nach Süd gebe. Die nun vorgestellte Trasse sei aus infrastrukturellen und wirtschaftlichen Gründen die favorisierte Variante. Eine Einbindung des Kernkraftwerks Grohnde sei ausgeschlossen. Sollten die Dörfer bis zu einer Nähe von 400 Metern betroffen sein, wäre eine Teilerdverkabelung möglich, zitiert Keller den Unternehmensvertreter.

Helmut Sobottka von der Initiative beispielsweise fragte an, warum mit der aktuellen Trasse eine 200 Kilometer längere Strecke in Kauf genommen werde. Dabei für ihn wichtig: Ob andere überörtliche Landes- und Bundespolitiker bereits Einfluss genommen hätten? Wagner entgegnete, dass es trotz der Länge die wirtschaftlichste Variante sei. Von der Bürgerinitiative kamen weitere Argumente ins Gespräch. Thomas Hanke etwa verwies darauf, dass die Trassenführung durch das Weserbergland gegen mindestens zehn Raumordnungsziele verstoße. Dabei nannte er beispielsweise FHH-Gebiete (Flora Fauna Habitat), Tourismus sowie Landschafts- und Wasserschutzgebiete. Ganz konkret wären auch die Folgen für die Drachenfluggruppe am Walterberg in Börry. Udo Berndt verdeutlichte dabei mit einer Fotomontage, dass die Trasse das Aus der Gruppe bedeuten würde. Ortsvorsteher Willi Brankov, der ebenfalls der Bürgerinitiative angehört, zeigte mit Bildern die Verhältnisse in den Pyrmonter Bergdörfern auf.

Wagner kündigte an, die Argumente in die weitere Planung einzubeziehen. Wie Rolf Keller weiter berichtet, ist ein ständiger Kontakt verabredet worden. Auf ihrer Internetseite für das Projekt (http://suedlink.tennet.eu/home.html) ruft das Unternehmen die Bevölkerung sogar ausdrücklich dazu auf, Anregungen zu geben, um „zu bestmöglichen Lösungen zu kommen“. Wie Wagner berichtet, sind schon rund 600 E-Mails mit „ganz konkreten Hinweisen“ eingegangen, die für den Trassenverlauf geprüft werden sollen. Für die Region kündigte er eine öffentliche Informationsveranstaltung an, bei der das Projekt noch einmal vor Beginn des formellen Antragsverfahrens vorgestellt werde. Ein Termin sei noch offen. cb

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