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Politiker und Beherbergungsbetriebe in Sorge / „Das würde uns hart treffen

Stromtrasse bedroht Tourismus-Pläne

Die Suedlink-Pläne des Unternehmens Tennet stoßen auf Widerstand. Im Weserbergland befürchten die Einwohner erhebliche Folgen, wenn die Strom-Autobahn mit über 70 Meter hohen Masten gebaut wird. Eine Serie zeigt verschiedene Aspekte auf – wie heute den Tourismus.

veröffentlicht am 19.05.2014 um 15:04 Uhr

Der Radweg an der Weser bringt der Gemeinde viele Touristen. Foto: Dana
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Emmerthal. Kaum verstärkt die Gemeinde Emmerthal ihre Bemühungen, den Tourismus professionell zu vermarkten, bedrohen die Pläne für eine Stromtrasse die Hoffnungen. „Die Stimmung ist unten“, beschreibt Friedrich-Wilhelm Sander die Gefühle der Vermieter von Ferienwohnungen und Besitzern von Pensionen und Hotels. Der Vorsitzende des Verkehrsvereins, in dem rund 50 Beherbergungsbetriebe sich um Gäste bemühen, sorgt sich um die Zukunft. „Wir werben mit der schönen Landschaft, und dann diese riesigen Strommasten“, sagt Sander. „Das wäre der Todesstoß für den Tourismus.“

 Auch Bürgermeister Andreas Grossmann (SPD) hegt schlimmste Befürchtungen, wenn die Trasse in wenigen Jahren die Gemeinde von Esperde über das Ilsetal bis nach Lüntorf auf der Hochebene durchschneidet. Auf zehn bis zwölf Kilometern Länge, schätzt er. Schon jetzt nehme er bei Spaziergängen die bereits bestehenden Masten der 380-kV-Leitungen ganz anders wahr, die plötzlich wieder ins Bewusstsein kommen würden. „Wirkliche Monsterdinger“, wie er empfindet. Die Masten der geplanten 500-kV-Leitung zwischen Küste und Bayern würden mit über 70 Metern Höhe sogar doppelt so hoch. „Das würde uns hart treffen in den Bemühungen, die wir beim Tourismus angeschoben haben“, sagt Grossmann.

 Ganz frisch ist der Beschluss der Politik, dass die Gemeinde sich dem Touristikzentrum Westliches Weserbergland anschließt. Dem Zweckverband gehören Rinteln, Hessisch Oldendorf, Aerzen und Auetal an, Porta will ebenfalls Mitglied werden. Das Fachbüro Schindler Consulting hatte die Emmerthaler über Monate begleitet, um die Vorbereitungen für ein professionelles Tourismusmarketing zu treffen.

 Rudolf Welzhofer, CDU-Fraktionsvorsitzender und Bürgermeisterkandidat, räumt zwar ein, dass die Partei „eine unglückliche Rolle“ bei den Beratungen und bei der Abstimmung eingenommen habe, doch stellt er klar: „Der eingeschlagene Weg wird mitgetragen.“ Von daher würden CDU und FWE allen Gefahren mit entgegentreten, die das Tourismuskonzept bedrohen könnten. Die Trasse hätte negative Auswirkungen. Und das würde die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus einschränken. Schließlich, so Welzhofer, sei es das Ziel, den Tourismus zu stärken, wenn die Übernachtungsgäste, die etwa während der Revision am Kernkraftwerk vor Ort sind, nach dem Aus der Atomenergie ausbleiben würden.

 Grossmann sieht weitere Ziele für „das zarte Pflänzchen Tourismus“ gefährdet. Eine Idee sei beispielsweise, im Zuge der touristischen Entwicklung die Leerstände in den Dörfern zu beseitigen. „Warum nicht die Kita Hajen in eine Vier-Sterne-Ferienwohnung umwandeln?“, sei eine Überlegung, bei der er auf Investoren hoffe. Doch, so die Befürchtung von Grossmann, wenn die Tennet-Pläne eintreffen: „Wer würde schon eine Ferienwohnung unter der Stromtrasse anbieten?“ Mit Sorge verfolgt auch Heinz-Jörg Templin, der in das Grohnder Fährhaus und den Campingplatz erheblich investieren will, die Diskussionen. Dies sei für Emmerthal „ein großes Problem und beeinträchtigt sehr den Tourismus“. Templin: „Ich würde natürlich ebenfalls dagegenstimmen und würde bei eventuellen Maßnahmen unterstützend zur Seite stehen.“

 „Es muss auf allen Ebenen versucht werden, die Trasse zu verhindern“, sagt Sander für den Verkehrsverein. Aus Erfahrung berichtet er, dass die Gäste vor allem kommen würden, um „die Landschaft zu genießen und Ruhe zu haben“. Sollte die Leitung gebaut werden, wachse sicher „das Unbehagen“ der Gäste wegen möglicher gesundheitlicher Risiken. Die Beherbergungsbetriebe würden auch auf Stammgäste setzen. „Es wird dann noch schwieriger, Touristen heranzuholen“, meint Sander. „Und sie kommen dann höchstens einmal zu uns – und dann nie wieder.“ 

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