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Wie sich in Rischenau der Protest gegen den „Südlink“ formiert

„Sprengstoff“ für Region

Rischenau. Die Bekanntgabe der „Südlink“-Trassenführung sorgt mittlerweise für helle Aufregung im sonst eher beschaulichen Lügder Ortsteil. Deshalb baten die Verantwortlichen des Heimat- und Verkehrsvereines nun Bürgermeister Heinz Reker und Ortsbürgermeister Dieter Diekmeier bei der Jahreshauptversammlung um einen Situationsbericht zu den möglichen Folgen der Energiewende für Rischenau.

veröffentlicht am 10.03.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 14.11.2016 um 17:01 Uhr

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Autor:

Wolfgang Siefert
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Umfassend nahmen beide Stellung zu den bisherigen Versuchen, den Betreiber Tennet zu konkreten Aussagen zu bewegen. Die 500 kV-Trasse soll, von Falkenhagen kommend über das Gewerbegebiet, nahe an der Wohnbebauung und dem Baugebiet „Scharpenberg“ vorbei in den Kreis Höxter führen. Nach einer ersten Planung wäre die Region nicht betroffen gewesen. Doch die von Hamburg bis Hildesheim noch parallel zur Autobahn A 7 verlaufene Trasse macht dann zwei wesentliche Schlenker – und durchzieht nun die Kreise Hameln-Pyrmont, Holzminden, Lippe und Höxter.

„Besonders in Rischenau fühlen sich die Menschen wie in einem Kessel“, sagt Bürgermeister Diekmeier. Zusätzlich zu der von Elbrinxen kommenden 110 kV-Leitung führt schon seit Jahren eine 380 kV-Trasse vom Atomkraftwerk Grohnde am Ort vorbei. Die nun drohende dritte Trasse bringt die Menschen in Rage.

Bürgermeister Reker bemängelt die schleppende Aufklärung durch Tennet: „Deren Schulaufgaben können wir nicht übernehmen.“ Die Stadtverwaltung habe vom „Südlink“ erstmals am 5. Februar aus den Medien erfahren. „Mir war bewusst, dass dies Sprengstoff für unsere Region ist“, so Reker. Seinen Widerspruch habe er deshalb „sofort und in aller Deutlichkeit mehrmals zum Ausdruck gebracht“. So würden Lügdes Landschaftsbild und der Tourismus empfindlich beeinträchtigt. Auch mit Blick auf das von Hochtief teils im Naturschutzgebiet geplante Pumpspeicherwerk „werden wir quasi zu einer Transitstrecke für Energie“, schildert Reker seinen Eindruck einer Entwicklung, für die ihm das Verständnis fehlt. Dabei solle die Trassenführung – gehe es nach dem Gesetzgeber – doch möglichst geringe Auswirkungen auf Mensch und Natur haben.

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  • Andreas Rohrbeck, Biesterfeld: „Eine Trasse durch ganz Deutschland ist ökologischer Irrsinn“. Wenn weite Strecken zurückgelegt werden müssen, etwa bei Tiertransporten oder Warenlieferungen, rechnet sich das nicht.“
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  • Simon Hottel (21) Rischenau: Die denken sicher, hier ist der Widerstand am geringsten. Da täuschen die sich aber. Unser Auftrag ist es, die Menschen zu unterrichten. Außerdem transportiert die Trasse wahrscheinlich in erster Linie Kohlestrom.“
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  • Marita Hottel, Rischenau: Tennet zahlt nach eigener Aussage für jeden Kilometer HGÜ-Freileitung 40 000 Euro an die jeweilige Kommune. In Lügde werden neun Kilometer verlegt. Aber wir lassen uns nicht verkaufen!“

Es gebe Trassen, die deutlich konfliktärmer seien, so der Verwaltungschef, der mit den anderen beteiligten Kommunen der Kreise Hameln-Pyrmont, Holzminden und Höxter gin ständigem Kontakt ist. Bundes- und Landtagsabgeordnete wurden eingeschaltet und der Städte- und Gemeindebund um Unterstützung gebeten. Vom Netzbetreiber Tennet will Reker vor allem wissen, warum die Trassenführung ab Hildesheim einen solch gravierenden Umweg nimmt. „Die Chancen der Lügder sind begrenzt“, glaubt der Bürgermeister .Aber durch einen Zusammenschluss aller Beteiligten bekomme das Anliegen eine andere Dynamik. „Eine 380 kV-Leitung und zusätzlich eine 500 kV-Leitung – das gibt es nicht“, machte Reker seinen Standpunkt deutlich, und bekam dafür den Beifall der zahlreichen Besucher.

Schon am Vormittag hatten einige Bürger vor dem Tölle-Markt mit einem Info-Stand ihren Unmut zum Ausdruck gebracht und reichlich Zuspruch bekommen. „Wir wollen die Bürger informieren, mit ihnen diskutieren und notfalls auch demonstrieren“, sagte Marita Hottel, die mit Gleichgesinnten Unterschriften gegen die geplante Trassenführung sammelte. Innerhalb weniger Tage haben sich bereits 400 Rischenauer Einwohner eingetragen; auch in den anderen Ortsteilen liegen Listen aus. In Falkenhagen etwa stößt dessen Ortsbürgermeister Bernd Waltemode ebenfalls auf offene Ohren. Einige Bürger dächten bereits über einen Hausverkauf nach, ist zu hören. „Und auch in Rischenau haben Bauwillige Bedenken geäußert - eine Katastrophe für die Dörfer.“ Die Trasse soll über den Klosterberg in Falkenhagen – ein großes Reservoir der Trinkwasserversorgung – führen.

Marita Hottel sagt: „Unsere Dörfer bluten ohnehin aus. Diese Trasse würde uns den Todesstoß geben“. Am Donnerstag, 13. März, wollen sie und andere zur Sitzung des Kreis-Umweltausschusses reisen(15.30 Uhr im Freilichtmuseum). Gespannt auf die von Tennet für den 7. April in Rischenau geplante Bürgerinformation (PN vom Samstag) sind sind sie außerdem.

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