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Gestern Gespräch mit „Tennet“-Projektleiter im Lügder Rathaus / Auch Rischenaus HVV hat das Reizthema auf der Agenda

Reker macht seinen Standpunkt zur Trasse klar

Lügde/Lippe. „Wenn Ihr denkt, dass Ihr mit uns auf dem Dorf alles machen, könnt, dann täuscht Ihr Euch!“ – Ganz sicher nicht in einem solch vertraulichen Wortlaut, aber dem Sinn nach hat Lügdes Bürgermeister Heinz Reker gestern Abend dem maßgeblichen „Tennet“-Projektleiter erklärt, was er vom Plan des Netzbetreibers hält, die seit Wochen diskutierte Stärkststromtrasse „Südlink“ ausgerechnet in unmittelbarer Nähe gleich mehrerer Lügder Ortsteile zu planen.

veröffentlicht am 26.02.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 12.01.2017 um 22:16 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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An dem Gespräch, das zunächst in Detmold stattfinden sollte, dann aber wegen der Lügder Betroffenheit im hiesigen Rathaus stattfand, nahmen neben dem aus Bayreuth angereisten Tennet-Vertreter Der Christoph Thiel auch Dr. Ute Roder und Berthold Lockstadt vom Kreis Lippe teil.

Warum Heinz Reker das Gespräch suchte, erklärte er hinterher auf PN-Anfrage so: „Die Anrufe nach Bekanntwerden der Trassenplanung waren mir zu wenig.“ Er habe dem Netzbetreiber zwar kurz nach den Telefonaten (wir berichteten) auch schon eine grundsätzliche persönliche Stellungnahme geschickt. „Aber meine Argumente wollte ich noch einmal mündlich untermauern.“

Da er mit der derzeitigen Trassenplanung – die Gleichstromleitung soll auf Lügder Gebiet zwischen Wörderfeld und Sabbenhausen entlangführen, dann relativ nah an Henkenbrink und Falkenhagen vorbei schließlich Rischenaus Osten tangieren – ganz und gar nicht einverstanden sei, wolle er nun vor allem wissen: „Warum diese Strecke – und keine andere?“, sagt Lügdes Rathaus-Chef und findet: „Diese Trasse ist nicht optimal. Rischenau wird dann ja regelrecht von Stromleitungen eingekesselt.“

Sofern Tennet triftige und auch für die Betroffenen nachvollziehbare Gründe habe, seine Planung auf dem Gebiet der Großgemeinde Lügde weiter zu verfolgen, dann erwartet Reker: „Der Netzbetreiber soll den Menschen das in einer Bürgerversammlung transparent, verständlich und nachvollziehbar erklären.“ Wo die Trasse in der Nähe von Wohngebieten verkaufe, müsse schließlich eine Erdverkabelung möglich sein – auch, wenn deren deutlich höhere Baukosten letztlich auf die Verbraucher umgelegt würden.

Über das informelle Gespräch im Lügder Rathaus sagt Reker, es habe in sachlicher Atmosphäre stattgefunden. Er betont aber zugleich: „Das heißt nicht, dass wir nicht unterschiedliche Standpunkte hätten.“ So habe er gegenüber dem Tennet-Projektleiter auch betont, wie wichtig der Faktor Landschaft für Lügde – gerade mit Blick auf den Tourismus – sei. Denn auch die Intaktheit der Natur sehe er durch den aktuell favorisierten Trassenverlauf gefährdet.

Nun gibt sich Reker zwar nicht der Illusion hin, dass ein Städtchen wie Lügde besonders viel mitzureden habe beim milliardenschweren Südlink-Projekt. „Aber wir haben schon das nötige Selbstbewusstsein, unseren Standpunkt deutlich zu machen“, sagt er.

Seit er sich kürzlich im WDR-Interview äußerte, hat der Bürgermeister übrigens viel Zuspruch bekommen. „Gefühlt mindestens 50 Anrufe“, vorwiegend von Bürgermeisterkollegen, seien seither zum Thema bei ihm eingegangen.“ Es hat sogar jemand aus Husum bei mir angerufen, der Lügde nicht einmal kennt“, sagt Reker. Und er bezweifelt nicht, dass ihn der Südlink weiter beschäftigen wird. „Auf den Generalversammlungen ist die Trasse d a s Thema.“

Bestätigt wird dieser Eindruck des Verwaltungschefs aktuell durch die Einladung zur Jahreshauptversammlung des Heimat- und Verkehrsvereins Rischenau: Während des Treffens am Samstag, 9. März, ab 19.30 Uhr sollen im Dorfgemeinschaftshaus auch die Folgen der Energiewende den Ort zur Sprache kommen.

Auf der Tagesordnung stehen dann sowohl ein Situationsbericht zum Stromtrassenverlauf als auch zu den Bauplänen einer Tochterfirma des Hochtief-Konzerns für das Pumpspeicherkraftwerk im und am Naturschutz- und FFH-Gebiet Mörth.

Das Thema Trasse dürfte in Lügde auch weiterhin öffentlich diskutiert werden. Vermutlich noch für März plant der Stromnetz-Betreiber Tennet dem Vernehmen nach eine „Dialogveranstaltung“ zum Thema.

Und auch Lippes SPD-Kreistagsfraktion hat das Thema auf der Agenda: Die Sozialdemokraten erwarten einen Sachstandsbericht der Kreisverwaltung zur geplanten Nord-Süd-Stromtrasse. Laut einer Pressemitteilung von gestern stellen sie einen entsprechenden Antrag für die Sitzung des Kreis-Umweltausschusses am Donnerstag, 13. März.

„Außerdem wollen wir, dass diese Informationen auch auf den Internetseiten des Kreises öffentlich zugänglich gemacht werden“, erläutert der stellvertretende Landrat Dr. Axel Lehmann (SPD). „Transparenz ist wichtig für ein solches Verfahren.“ Nur Transparenz schaffe das nötige Vertrauen.

Über die geplante Trasse soll laut Bundesnetzagentur im Zuge der Energiewende Strom aus den Windparks Norddeutschlands in den Süden der Republik transportiert werden, wo besonders viele Atomkraftwerke abgeschaltet werden müssen.

„Wir wollen sicherstellen, dass die betroffenen Menschen von Anfang an in den Planungsprozess einbezogen werden, alternative Trassenverläufe geprüft werden und die Auswirkungen auf Mensch und Umwelt so gering wie möglich bleiben“, erläutert Lehmann den Standpunkt der SPD.

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