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Stromtrassen-Gegner hoffen auf „ehrliche Antworten“ nächste Woche bei Treffen im Landtag

Kritik an Beruhigungs-Taktik von Tennet

Emmerthal. Gemischte Gefühle bei der Bürgerinitiative Weserbergland, die in der Region die Gegner der Stromautobahn

veröffentlicht am 15.07.2014 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 13.01.2015 um 10:27 Uhr

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Suedlink vertritt: Zwar erlebt sie einen großen Zulauf, wie Börrys Ortsbürgermeister Rolf Keller, Ansprechpartner der Initiative im Ilsetal, sagt, doch seien die Erfolge teilweise ernüchternd. „Aus den vielen Veranstaltungen und den Äußerungen von Tennet-Mitarbeitern und auch von der Bundesnetzagentur wird immer deutlicher, dass wir als Betroffene lediglich informiert und beruhigt werden sollen“, bilanziert Keller. Nun setzen die Kritiker der Trasse vor allem auf die Politik – weil von ihr die Vorgaben für die Stromautobahn zwischen dem Norden und Bayern kommen. Am 24. Juli findet ein Gespräch im Landtag statt, an dem eine Delegation der Trassen-Gegner teilnimmt.

Nach Angaben von Keller ist der Mitgliederzulauf aus den Kommunen des Landkreises Hameln-Pyrmont, der Gemeinde Halle sowie dem Flecken Ottenstein „ungebrochen hoch“. Weit mehr als 1000 Mitglieder unterstützen nach seinen Angaben die Bürgerinitiative. Eine Reihe von Aktivitäten prägt den Alltag der Kritiker, um gegen die rund 800 Kilometer lange Gleichstromverbindung, die einen nicht nachvollziehbaren Schwenk ins Weserbergland macht, vorzugehen. Als „angenehm und problemorientiert“ bezeichnet der Ortsbürgermeister den „Runden Tisch“ beim Landkreis, bei dem die Initiative ständig ihre Argumente vorbringe. Zwei Mitglieder seien am 27. Juni bei der Bundesnetzagentur in Bonn bei einem Anhörungsforum gewesen, außerdem seien die Veranstaltungen in Vahlbruch und die Demonstration in Hannover unterstützt worden.

Es sei auch deutlich geworden, dass die Politik in Berlin und in den betroffenen Ländern im Mai 2013 der Bundesnetzagentur den geplanten Trassenverlauf vorgeschrieben habe, meint Keller. „Die uns gegenüber genannten geringeren Raumwiderstände im Weserbergland sind vorgeschoben und nicht begründet.“ Mit den Raumwiderständen bezeichnen die Verantwortlichen verschiedene Kriterien, die für den Trassenverlauf untersucht worden sind. Bei der Raumwiderstandsanalyse wird geprüft, an welchen Orten das Leitungsvorhaben im Konflikt steht mit wichtigen Umweltbelangen wie auch mit der Nutzung der jeweiligen Gebiete. Hierbei stehen insbesondere Siedlungs- und Erholungsflächen und sensible Einrichtungen wie Kliniken, Pflegeheime und Schulen im Vordergrund, aber auch militärische Vorranggebiete und Eignungsflächen für Windkraftanlagen, wie Tennet erläutert.

Nach Vermutung von Keller haben maßgeblich politische Größen aus dem Raum Göttingen die Vorgaben bei der Planung gemacht. Daher, so der Christdemokrat, „sehen wir eine Möglichkeit, über die Politik diesen Trassenverlauf zu verhindern“. Er selbst habe mehrfach die Abgeordneten in Hannover und in Berlin aufgefordert, die Einwohner aus dem Weserbergland zu unterstützen – „und zwar aus allen politischen Lagern“. Mut mache der Initiative, dass die betroffenen Politiker in Nordrhein-Westfalen offensiver die BI Marienmünster unterstützen würden.

Nun habe der heimische CDU-Landtagsabgeordnete Otto Deppmeyer, der auch für heute einen Besuch von seinem Kollegen Ulf Thiele in Esperde veranlasst hat, ein Treffen organisiert. Elf Mitglieder der Bürgerinitiative fahren am 24. Juli vormittags in den Landtag nach Hannover. Dort treffen sie sich mit Vertretern aller Fraktionen des Landtags sowie Tennet und der Regionalvertretung der Bundesnetzagentur. Laut Keller richtet sich das besondere Interesse auf Aussagen von Tennet und einer Mitarbeiterin aus dem Wirtschaftsministerium, die bei einer Diskussion vom NDR in Esperde gemacht worden sind. Danach könne das Land einen eigenen Vorschlag zum Trassenverlauf machen. Keller: „Wir hoffen auf ehrliche Antworten.“ cb

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