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Wie die Hochebene gemeinsam auf die „Suedlink“-Pläne reagiert / Demografische Argumente

Kontraproduktiv zur Dorferneuerung

Ottensteiner Hochebene. Die Dörfer „auf dem Berg“ gehen auf Schulterschluss – gegen die geplante Stromtrasse „SuedLink“. Denn die geplanten Oberleitungen, die mit Strom-Spannungen von 60 Kilovolt bis hin zu Höchstspannungen von etwa 1000 Kilovolt den an der Nordsee erzeugten Windkraft-Strom in den Süden transportieren sollen, werden direkt über die Ottensteiner Hochebene laufen. Geplante Strommasten von 70 Meter Höhe und mehr sollen dann – aus Richtung Lüntorf kommend – die Straße von Ottenstein nach Lichtenhagen queren, das Glessetal überspannen und an Vahlbruch vorbei über die lippische Grenze Richtung Rischenau führen. Auf Pyrmonter Veranlassung wollen jetzt die betroffenen Hochebenen-Dörfer am Montag, 26. Mai, länder-, landkreis- und gemeindeübergreifend ihren Unwillen über das Projekt äußern: bei einer Informationsveranstaltung in Vahlbruch, bei der auch Vertreter von Tennet und der Bundesnetzagentur als Genehmigungsbehörde Rede und Antwort stehen sollen. Hier werden auch Unterschriftenlisten der Bürgerinitiative Weserbergland gegen den Trassenbau ausliegen, kündigt Vahlbruchs stellvertretender Bürgermeister Henning Becker an. Und damit der Platz für alle Interessierten, die im Trassenverlauf von Esperde bis Rischenau eingeladen sind, auch reicht, soll die Veranstaltung im Zelt stattfinden, das ohnehin an Vahlbruchs Schulstraße für das Zeltfest zu Pfingsten aufgebaut wird.

veröffentlicht am 08.05.2014 um 13:23 Uhr
aktualisiert am 08.05.2014 um 14:51 Uhr

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Wer will schon

zwischen Masten ein Haus bauen?

Die Argumentation gegen die neue Stromtrasse über die ohnehin dünn besiedelte Hochebene ist dorfübergreifend ähnlich: Neben dem Argument, dass hier die Landschaft schon mit Windkraftanlagen zugepflastert ist und eine weitere Hochspannungsleitung den touristischen Ambitionen den endgültigen Todesstoß versetzen würde, wird die demografische Entwicklung angeführt.

So gibt Ottensteins Bürgermeister Manfred Weiner zu bedenken: „Wir hier oben verlieren jeden Tag Einwohner. Und welche junge Familie will da beispielsweise noch im Neubaugebiet Lichtenhagen bauen – eingekesselt zwischen Windrädern und Hochspannungsleitungen?“ Auch Heinrich Ostermann, Bürgermeister von Vahlbruch, führt an, dass durch den

„Sued-Link“ ein rapider Verfall der Immobilienwerte zu erwarten sei: Steigt doch durch Wegzug der jungen und Sterben der betagten Hausbesitzer die Zahl der Leerstände in den Dörfern der Hochebene. Und wer will schon einen Altbau in Blicknähe zu einem 70-Meter-Masten kaufen? Denn die dürften in Vahlbruch nach den derzeitigen Planungen nur knapp 300 Meter neben der Dorfrandbebauung und dem Neubaugebiet am Ortsausgang stehen. „Aber 400 Meter von der Ortsgrenze entfernt ist in Niedersachsen Vorschrift“, gibt Vahlbruchs Bürgermeister Ostermann zu bedenken.

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  • Direkt über das Ortsschild vom Neersen führt die Trasse der bereits bestehenden 380-Kv-Leitung , an der sich der „SuedLink“ orientieren soll.

Am Dienstag kommender Woche soll den Gemeinden Vahlbruch und Ottenstein die Bewilligung für ihr in diesem Jahr startendes Dorferneuerungsprogramm der Region „Ottensteiner Bergdörfer“ feierlich überreicht werden. Ziel der Dorferneuerung wird es sein, auf den demografischen Wandel zu reagieren. „Diese Bemühungen würden durch eine landschaftsverschandelnde neue Trasse gleich wieder kaputtgemacht“, befürchtet Weiner. Orientieren soll sich die „SuedLink“-Trasse am Verlauf der bereits bestehenden 380-kV-Leitung, die heute nur rund 50 Meter an Neersens ersten Häusern vorbeiführt. Neersens Ortsvorsteher Willi Brankov geht daher davon aus, dass die neue Stromtrasse künftig das Glessetal überspannen wird. Auch dort, so Brankov, dürfte es dann zum Verfall der Immobilienwerte kommen. Daneben, so der Ortsvorsteher des Pyrmonter Bergdorfes, könnte es im Trassenverlauf zu Enteignungen von Landbesitzern kommen: Immerhin sind für die 70 bis 90 Meter hohen Masten alle 300 bis 500 Meter Fundamente von 11 mal 11 Metern notwendig, so Brankov.

Dirk Wöltje, Ortsvorsteher von Großenberg und Sprecher der Pyrmonter Bergdörfer, meint: „Dass wir hier oben der Zukunft der Energiewende eine Chance geben, haben wir mit den zahlreichen Windrädern mehr als bewiesen. Einer weiteren Verschandelung unseres Landschaftsbildes werden wir nicht tatenlos zustimmen. Was nützen uns da noch Projekte wie das Dorferneuerungskonzept oder Unser Dorf hat Zukunft?“

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