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Clemens Pommerening warnt vor ausgehöhltem Untergrund durch Bergbau

Kann der Osterwald Strommasten tragen?

Salzhemmendorf. Den schwarzen Peter hat eindeutig die Bundesnetzagentur. Das zieht sich wie ein roter Faden durch die Erklärungen von Thomas Wagner, für die Suedlink-Planung mitverantwortlicher Tennet-Mitarbeiter. Und wurde bei seinen Erläuterungen im KGS-Forum der Schule am Kanstein in Salzhemmendorf gestern Abend deutlich. Zu den seit Freitag im Internet stehenden Trassenplänen zum Stromtransport aus dem Norden in den Süden von Wilster bei Hamburg bis nach Grafenrheinfeld bei Schweinfurt sagte er: „Die Bundesnetzagentur wird entscheiden, welche Trasse wir am Ende im Detail prüfen. Was wir bislang vorgelegt haben, ist nur unsere Bewertung nach den uns vom Gesetzgeber vorgegebenen Kriterien.“

veröffentlicht am 15.10.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 13.01.2015 um 10:27 Uhr

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Es ist eine überraschend ruhige Informationsveranstaltung, zu der Clemens Pommerening, künftiger Bürgermeister von Salzhemmendorf, und Hans-Ulrich Peschka, Bürgermeister von Coppenbrügge, eingeladen haben, nachdem erst vor wenigen Wochen eine neue Variante im Ostkreis bekannt geworden war – die Trassenvariante durch den Osterwald. Nur wenige Emotionen kochen hoch, wenn es um Gesundheitsfragen geht oder den SPD-Politikern Gabriel und Oppermann oder dem niedersächsischen Umweltminister Wenzel (Grüne) unterstellt wird, sie hätten die Trassenvariante entlang der Autobahn A 7 verhindert, um Northeim und Göttingen zu verschonen.

Thomas Wagner bleibt währenddessen ziemlich ruhig. Er erklärt alles mit den umfassenden Kriterien, welche die Trasse Mitte-West durch das Kerngebiet des Weserberglands aus der Sicht von Tennet als „Vorzugstrasse“ erscheinen lasse. Ein wenig irritiert wirkt Wagner nur, als er von dem Landschaftsplaner Manfred Redslob auf mehrere behördlich genehmigte Segelflugplätze wie in Bisperode oder den Ith-Wiesen hingewiesen wird, auf Hubschrauberübungsstrecken, auf Landschafts- und Naturschutzgebiete, auf FFH-Gebiete oder auch von Pommerening auf den durch langjährigen Bergbau stark ausgehöhlten Untergrund des Osterwaldes, der möglicherweise die Riesenmasten gar nicht tragen könne. Woher die Vorschläge für die neuen Trassenvarianten kommen, lässt Wagner sich nicht entlocken. „Das haben wir alles anonymisiert“, betont er, „relevant sind für uns nur die Argumente, die für oder gegen eine Trasse sprechen.“

Und weil er nicht auf jede Frage im Detail antworten kann (oder will), verweist Wagner immer wieder auf den ins Netz gestellten, mehrere Tausend Seiten starken Antrag, der Anfang November der Bundesnetzagentur übergeben werden soll, um in die Bundesfachplanung einsteigen zu können. „Bis dahin können wir manche der von Ihnen für relevant erachteten Dinge noch nicht beachten“, verteidigt er das bisherige Vorgehen. Für die von Tennet als „Vorzugstrasse“ ausgewiesene Trasse Mitte-West mit dem Westschwenk südlich von Hannover habe gesprochen, dass sie die geringsten „Raumwiderstände“ aufgewiesen habe. Der A 7 nach Süden zu folgen sei wegen der starken Siedlungsbebauung rechts und links der Autobahn nicht möglich gewesen.

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  • Zur geplanten Stromtrasse Suedlink kursieren derzeit viele Trassenkorridorvorschläge – auch über Salzhemmendorf und speziell durch den Osterwald führt eine Alternative. Ebenso ist die Nachbargemeinde Coppenbrügge von alternativen Trassenführungen betroffen. dpa

Auch die Variante der Erdverkabelung spielt eine Rolle im Frage-und-Antwort-Dialog der Veranstaltung. Wagner macht hierzu deutlich: „Der Gesetzgeber hat uns zum Bau einer Freiluftleitung verpflichtet, Erdkabel dürfen wir nur dort verlegen, wo wir den auf 400 Meter festgelegten Mindestabstand zu Siedlungen unterschreiten würden.“

Im gut gefüllten Forum der Schule am Kanstein stellte sich der Tennet-Planer Thomas Wagner (stehend) den Fragen zahlreicher Bürger zum Verlauf der geplanten Suedlink-Trasse. wft

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