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Hannover macht sich eventuell für Güterstrecke durchs Weserbergland stark – Verkehrsclub: „Gute Lösung“

Höchste Eisenbahn an der Trasse?

Weserbergland / Hannover. Die Hannoveraner werden sich möglicherweise dafür starkmachen, künftig viele Güterzüge durch Bad Oeynhausen, Hameln und Coppenbrügge zu leiten. Das befürchten die Mitglieder der Hameln-Pyrmonter Bürgerinitiative Transit (BI), nachdem die Verwaltung der Region Hannover diese Option nun in den Fokus genommen hat (wir berichteten). „Man muss davon ausgehen, dass die Region Hannover dem Bundesverkehrsministerium aufgrund der in Auftrag gegebenen ‚Studie zur künftigen Leistungsanforderung an den Bahnknoten Hannover‘ die Elektrifizierung und den zweigleisigen Ausbau der Löhner Bahn empfehlen wird“, heißt es in einer Reaktion des BI-Vorstandes. Die Vorsitzende Bettina Tovar-Luthin ruft deshalb die heimische Politik auf, nicht nachzulassen. Die Einwände, die Hamelns Stadtrat sowie der Kreistag bei Landes- und Bundesregierung vorgelegt haben, müssten „deutlich bekräftigt werden“. Andernfalls sei zu befürchten, „dass die erheblichen sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Beeinträchtigungen“ für das Weserbergland nicht angemessen berücksichtigt würden.

veröffentlicht am 27.01.2014 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 31.03.2014 um 14:39 Uhr

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Nach den vorläufigen Planungen für den Bundesverkehrswegeplan 2015 könnte die „Löhner Bahn“ längs der Weser und von Hameln aus in Richtung Hildesheim und Braunschweig einen Teil des weiter zunehmenden Ost-West-Güterverkehrs aufnehmen. Dazu müsste die Trasse elektrifiziert werden und wie in früheren Zeiten zweigleisig sein. Die Bürgerinitiative mahnt beim Protest zur Eile, weil derzeit alle für den neuen Verkehrswegeplan angemeldeten Projekte des vorrangigen Bedarfs geprüft werden. Würde der „Planfall 33“ mit der Strecke durchs Wesertal tatsächlich aufgenommen, wäre die gesetzliche Basis für den Ausbau geschaffen.

Das Bundesverkehrsministerium will den Referentenentwurf für den Verkehrswegeplan im zweiten Halbjahr 2015 vorlegen. Danach wird es Gespräche mit betroffenen Verbänden geben, außerdem werden schriftliche Stellungnahmen bearbeitet. Das Kabinett könnte Ende 2015 über den Entwurf abstimmen, danach würde sich der Bundestag damit befassen.

Immer deutlicher zeichnet sich ab, dass die Bahnausbau-Gegner im Weserbergland einer starken Lobby gegenüberstehen. Nicht nur die Verantwortlichen in Hannover suchen nach solchen Alternativrouten, sondern eben auch das Land, der Bund und die Europäische Union. Experten prognostizieren, dass beim Güterverkehr in Deutschland bis zum Jahr 2025 das Transportaufkommen um 48 Prozent steigen wird, die von den Lastwagen und Zügen zurückzulegende Strecke sogar um 74 Prozent. Für die Schiene alleine wird eine Steigerung der Verkehrsleistung um zwei Drittel prognostiziert.

Auch VCD lässt

eine Studie zur Güterbahn erstellen

Die „Stärkung umweltfreundlicher Verkehrsträger wie der Schiene“ sei ohne den Ausbau der Infrastruktur nicht möglich, erklären die Vertreter des Bundesministeriums. Weil wegen solcher Verkehrsinvestitionen häufig Anrainer befürchten, insbesondere durch Lärm gestört zu werden, seien Proteste und Widerstände gegen den Ausbau die Folge. Wichtig sei deshalb eine frühzeitige Beteiligung der Betroffenen. Während die BI Transit auf den Ausbau der Strecke zwischen Minden und Seelze setzt, hält der ökologisch orientierte Verkehrsclub Deutschland (VCD) die Trasse durchs Weserbergland für sinnvoll. Der Landesvorsitzende Hans-Christian Friedrichs erklärt, diese Erweiterung sei „im Gesamtkontext eine gute Lösung“. Es sei aber wichtig, „den Verkehr menschengerecht zu gestalten“. Dazu gehöre, die Züge leiser zu machen und längs der Strecke, falls erforderlich, in den Lärmschutz zu investieren. Tempolimits und ein Nachtfahrverbot für zu laute Waggons seien ebenfalls möglich. Es dürfe auch nicht allein darum gehen, Güter auf die Schiene zu bringen; es müsse die Gelegenheit genutzt werden, den Personenverkehr zu optimieren.

Schon vor zwei Jahren hatte Friedrichs mit Blick auf die Wesertrasse betont: „Wir begrüßen den Ausbau dieser Bahnstrecke, denn sie verteilt die Passagier- und Transportströme auf viele Schultern.“ Die Strecke über Hameln habe die Aufgabe des Gütertransports bereits über Jahrzehnte erfüllt und werde „als Entlastung zur stark genutzten Bahn-Hauptachse von Bielefeld/Löhne nach Hannover mehr denn je benötigt“. Der VCD kritisiert „den Raubbau an Bahn-Infrastruktur“ in früheren Jahren. Der Landesvorstand wird am kommenden Samstag ebenfalls eine Studie zur Zukunft des Güterschienenverkehrs in Auftrag geben, kündigt Friedrichs an. Während darin auf ganz Niedersachsen geblickt werde, plant Hannover – federführend auch für Landesverkehrsministerium und Landesnahverkehrsgesellschaft – Untersuchungen zu kurzfristigen (ab dem Jahr 2016) und langfristigen (bis 2030) Veränderungen rund um die Landeshauptstadt.

Das Bundesverkehrsministerium gibt bereits zu bedenken: „Im Hinblick auf Komplexität und Umfang des Verfahrens zur Aufstellung des Bundesverkehrswegeplans sowie unter Berücksichtigung der großen Zahl von potenziell zu Beteiligenden wird es aufgrund von Interessenkonflikten kaum möglich sein, zu allen Strategien, Methoden und Projekten immer Konsens zu erzielen.“

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