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Stromtrassen-Pläne: Vertreter der Kommunen informieren sich bei Tennet / Versammlung am 25. März

„Gezielt unsere Rechte geltend machen“

Hameln-Pyrmont. Informationen aus erster Hand: Landrat Tjark Bartels, die heimischen Bürgermeister sowie weitere Vertreter aus der Region und der Bürgerinitiative Weserbergland haben in Hannover an einem Gespräch teilgenommen, bei dem näher über die Pläne des Unternehmens Tennet für eine Stromtrasse informiert wurde. Organisiert worden war das Treffen von den kommunalen Spitzenverbänden.

veröffentlicht am 26.02.2014 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 31.03.2014 um 14:14 Uhr

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Sorge bereitet Bartels die bei dem Termin gegebene Information, eine Erdverkabelung koste „drei- bis viermal so viel“ wie eine Hochspannungsleitung. Denn die Region müsse sich für einen unterirdischen Leitungsverlauf starkmachen, weil die Beeinträchtigungen geringer seien. „Sonst zahlen wir am Ende die Zeche“, so Bartels mit Blick auf mögliche Einbußen für Landwirtschaft, Natur und Anwohner. In Hannover sei nun aber deutlich gemacht worden, dass die vorhandenen 380-kV-Leitungen nicht genutzt werden könnten. Durch diese bestehende Leitung und durch das AKW Grohnde gebe es ohnehin eine hohe Belastungskonzentration im Wesertal. Hier setzt auch die Kritik von Hans-Ulrich Peschka, Bürgermeister von Coppenbrügge und Kreisgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, an, der mit vor Ort war. Das jetzige Vorhaben – zusammen mit den weiteren Plänen zum Windkraftausbau – „wirft uns im Bestreben, den Tourismus zu beleben, zurück“. Allerdings gibt er zu bedenken: „Wir wollen alle raus aus der Atomkraft.“

Bartels hält es nicht für angemessen, „in Panik zu verfallen“. Das Verfahren habe erst begonnen, die Firma Tennet hat noch keinen Antrag gestellt, es bleibe daher genug Zeit, das Thema „gründlich aufzuarbeiten“. Heißt: Gemeinsam mit den betroffenen Kommunen gründlich auf den genauen Trassenverlauf zu schauen – und zu fordern, dass der Eingriff überschaubar bleibt. Dabei dürfe nicht nach dem „St.-Florians-Prinzip“ verfahren werden, „sonst werden wir nicht gehört. Wir müssen gezielt unsere Rechte geltend machen“. Der Landschaftsschutz, vorhandene Belastungen wie die geplante Steinbrucherweiterung in Salzhemmendorf oder die Nöte der Flugsportgruppe Börry seien handfeste Argumente. Für Dienstag, 25. März, ist eine Informationsveranstaltung geplant, die der Landkreis Hameln-Pyrmont mit dem Landkreis Holzminden in Hameln organisieren will.

Nach dem nächsten Kreisausschuss wird sich der Kreistag öffentlich am 1. April öffentlich mit dem Thema beschäftigen, darum haben die beiden CDU-Kreistagsabgeordneten Rolf Keller und Dirk Wöltje den Landrat gestern gebeten. Keller ist Ortsbürgermeister von Börry und Mitinitiator der neuen Bürgerinitiative Weserbergland, Wöltje Ortsvorsteher in Großenberg. Sie berufen sich auf ein Gespräch, das die Initiative am Donnerstag mit Planern von Tennet in Esperde geführt hat. Nach dem Treffen mit dem Netzausbau-Gesamtprojektleiter Dr. Christoph Thiel und dem für den Bürgerdialog zuständigen Referenten Thomas Wagner hätten sie den Eindruck, dass „eine frühzeitige Beteiligung aller politischen Bereiche notwendig“ sei, schreiben Keller und Wöltje dem Landrat und verweisen darauf, dass das Unternehmen bereits in mehreren Kreistagen vorstellig geworden sei. Bartels entgegnet auf das Schreiben von Keller und Wöltje, das Thema sei „natürlich in unserem Fokus“ und Gegenstand aller politischen Gremien.

Bad Pyrmonts Bürgermeisterin Elke Christina Roeder hält ein Vorgehen aller betroffenen Städte und Gemeinden gemeinsam mit dem Landkreis für absolut notwendig. „Alleine wird eine Gemeinde oder eine Stadt kaum eine Chance haben, Einfluss auf den Trassenverlauf zu nehmen“, ist eine Erkenntnis, die sie bei dem Gespräch gewonnen hat. „Das Widerstandspotenzial ist groß, und das muss organisiert werden.“

Von einer sachlichen Information in Hannover spricht Emmerthals Bürgermeister Andreas Grossmann. Grundsätzlich müsse Tennet zugestanden werden, dass das Unternehmen für die Infrastruktur, die für die Energiewende als Folge des Atomausstiegs notwendig werde, einen gesellschaftlichen Auftrag und den Auftrag durch den Bund habe. Als wichtig wertet Grossmann den Bürgerdialog. Ihm sei in Hannover in Aussicht gestellt worden, dass es dazu Veranstaltungen vor Ort geben werde. Dabei müssten einige Fragen genauer beantwortet werden: Warum schwenke die Trasse in die Region so deutlich ein? Und was wird mit den bestehenden 380-kV-Leitungen, wenn das Kernkraftwerk stillgelegt worden sei?

„Anfangs- und Endpunkt stehen fest – dazwischen liegen 600 Kilometer, deren Verlauf noch nicht klar ist“, sagt Clemens Pommerening, allgemeiner Vertreter des Salzhemmendorfer Bürgermeisters. Bei der Trasse, mit der das Unternehmen an die Öffentlichkeit gegangen sei, handele es sich um „dessen persönliche Vorrangtrasse“, aber es gebe Alternativen. Die Salzhemmendorfer wollen in einem offiziellen Schreiben alle Konfliktpotenziale auflisten und versuchen, vor Ort eine Veranstaltung für die Bürger zu organisieren.

Karl-Heinz Grießner, stellvertretender Bürgermeister, bekräftigt dieses Vorhaben – „wenn wir die Trasse schon nicht verhindern können“. Eine Erdverkabelung würde einen erheblichen Eingriff in die Landwirtschaft mit sich bringen. Grießner gibt zu bedenken, dass es zwei Alternativtrassen gebe, die nicht vorgestellt worden seien. „Die Bundesnetzagentur muss prüfen, warum gerade diese Trasse realisiert werden soll und nicht die anderen.“

Unter Strom: Die Pläne der Firma Tennet bereitet den Vertretern der Kommunen Sorge.

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