weather-image
Bürger kritisieren mangelnde Informationspolitik zur geplanten Stromtrasse Suedlink

Fragezeichen über Fragezeichen

Salzhemmendorf. Wertminderung ihrer Immobilien, Eingriffe in Naturschutzgebiete, Angst vor gesundheitlichen Schäden, Bedrohung schützenswerter Tierarten und Verschandelung der Landschaft – Bürger aus Salzhemmendorf sorgen sich um die Lebensqualität in ihrer Region. Grund ist der beabsichtigte Netzausbau einer rund 800 Kilometer langen Stromtrasse von Nord nach Süd quer durch Deutschland – bezeichnet als Suedlink-Trasse. Sie soll von 2022 an große Mengen Windstrom vom Norden in den Süden transportieren und dort die Stilllegung mehrerer Atomkraftwerke ermöglichen. Betroffen im Landkreis Hameln-Pyrmont könnten nach den vorgestellten Plänen des Netzbetreibers Tennet die Stadt Bad Pyrmont sowie die Gemeinden Emmerthal und Salzhemmendorf sein.

veröffentlicht am 15.03.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.03.2014 um 13:42 Uhr

270_008_7017041_lkcs150_1503.jpg
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

„Die uns bisher vorliegenden Informationen sind äußerst dürftig“, bedauert Jan Elste aus Salzhemmendorf. Leider habe im Ort bislang keine Informationsveranstaltung für Anwohner stattgefunden. Elste hat sich Mitte Februar auf einer Bürgerversammlung in Esperde informiert, wo die „Bürgerinitiative Weserbergland“ ins Leben gerufen worden war. „In dieser BI sollten sich auch möglichst viele Bürger aus Salzhemmendorf engagieren, denn rechtzeitige Einflussnahme ist unerlässlich“, appellierte Elste in der Sitzung des Ortsrats Salzhemmendorf. Er und sein Nachbar Manfred Waldbach bedauerten, dass nur drei interessierte Bürger an der Sitzung teilnahmen, obwohl die neue Gleichstromverbindung Suedlink auf der Tagesordnung gestanden habe. Den meisten Leuten sei die Tragweite des Themas wahrscheinlich noch nicht bewusst.

Mangelnde Informationen beklagten auch die Ortsratsmitglieder. Das Vorhaben des Netzwerkbetreibers sei ein „massiver Eingriff“ in die Landschaft. „Wir brauchen deshalb schleunigst Details, um kritische Punkte festlegen zu können“, waren sich alle einig. Ortsbürgermeister Lutz Hesse versicherte, er werde sich um einen zeitnahen Termin kümmern. Ähnlich äußerte sich Karl-Heinz Grießner: „Wir als Flecken werden auf jeden Fall noch eine eigene Bürgerinformation organisieren“, bekräftigte der stellvertretende Gemeindebürgermeister. Er will veranlassen, dass ein entsprechender Punkt auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung des Verwaltungsausschusses am 26. April aufgenommen werde. Ein von dem Betreiber und dem Landrat vorgesehener „Infomarkt“ in Salzhemmendorf am 27. März sei mit Politik und Verwaltung nicht abgestimmt worden und deswegen terminlich nicht machbar, da zeitgleich eine Ratssitzung stattfinde.

Die Gemeindeverwaltung habe bereits den Auftrag erhalten, anhand der bislang bekannten Trassenführung angelehnt an die bestehende 380-Kilovolt-Leitung Konfliktpunkte kenntlich zu machen. „Dabei wird es insbesondere um das in Niedersachsen geltende Abstandsgebot von 200 Metern zu Einzelhäusern beziehungsweise von 400 Metern zu Siedlungsgebieten gehen“, führte Grießner aus. Seiner Information nach soll die 380-Kilovolt-Leitung weiterhin in Betrieb bleiben. Die mögliche neue 500-Kilovolt-Gleichstromtrasse müsse etwa 120 bis 150 Meter von der vorhandenen Trasse entfernt sein. Die Masten werden etwa 60 bis 80 Meter hoch sein. „Bereits diese Vorhaben lassen zumindest einen oberirischen Verlauf der neuen Trasse nicht zu, da die Abstände im gesamten Gemeindegebiet nicht einzuhalten sein werden“, sagte der stellvertretende Gemeindebürgermeister. Zu prüfen sei darüber hinaus, ob wegen der im Gebiet von Oldendorf/Ahrenfeld stehenden Windräder überhaupt eine Trassenführung möglich sei. Eine Erdverkabelung erfordere nach Auskunft von Tennet mindestens eine Arbeitsfläche von 20 Metern.

Ein Baumbewuchs werde auf dieser Fläche dann nicht mehr möglich sein, sodass mit kahlen Stellen im Thüster Berg/Kanstein und im Ith zu rechnen sei. Es gebe noch mögliche Korridore westlich und östlich von Salzhemmendorf. „Warum diese Streckenführungen nicht in Betracht kommen sollen, ist uns noch nicht nachvollziehbar erklärt worden“, bedauerte Grießner.

Am Dienstag, 25. März, beginnt im Weserberglandzentrum Hameln um 18 Uhr eine Informationsveranstaltung statt. Sie ist öffentlich.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare