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Bürgerinitiative will gegen die Stromtrasse Suedlink vorgehen – und attackiert die Politik

„Dem Deister droht der Supergau“

Springe. Die neuen Varianten der Südlink-Trasse, die unmittelbar durch Springer Stadtgebiet führen würden, sorgen jetzt für erste Kritik. Günter Gerber von der Bürgerinitiative Hallertal wirft der Politik vor, dass sie sich nicht deutlich genug gegen den Bau der Leitung durch Springer Gebiet wendet.

veröffentlicht am 07.10.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 26.05.2017 um 13:24 Uhr

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Mischer

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Ralf T. Mischer Redakteur zur Autorenseite
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„Da müssten doch eigentlich sofort alle Alarmglocken bei der Politik angehen“, sagt Gerber. Seine Bürgerinitiative werde sich künftig nicht nur gegen den möglichen Bau von Windkraftanlagen, sondern auch gegen den Bau der Stromleitung durch Springe engagieren. „Die Leute müssen bei dem Thema endlich wach werden“, sagt er – und spricht davon, dass dem Deister eine Art „Supergau in Sachen Naturverschandelung“ drohe und sich die Landschaft in eine „Industriebrache“ verwandeln würde, wenn die Stromleitung komme. Die Politik in Springe verstecke sich trotzdem hinter allgemeinen Floskeln. „Unser Bürgermeister Jörg-Roger Hische zitiert wieder einmal sein St.-Florians-Prinzip, wie schon bei dem geplanten Windpark geschehen“, schimpft der Chef der Bürgerinitiative. Er glaubt, dass sich die Politiker mit dem Vorhaben Stromtrasse bereits abgefunden haben. „Wer beachtet eigentlich noch die Bürgerinteressen?“, fragt er.

Dass Bürgerproteste durchaus Wirkung zeigen können, glaubt Springes Ortsbürgermeister Carsten Marock (SPD). Er nimmt an, dass die neuen Trassenvarianten nicht zuletzt darauf zurückzuführen sind, dass die Bürger in Hildesheim deutlich gegen die von der Betreiberfirma Tennet dort geplante Trasse protestiert hatten. Das deutete er während der Sitzung des Umweltausschusses an. Zum Hintergrund: Die ursprünglich von Tennet favorisierte Stromleitung führte über Hildesheimer Gebiet. Die alternative Trasse, die jetzt vorgestellt wurde und durch Springe verläuft, ist das Ergebnis eines sogenannten Dialogverfahrens der Firma. Heißt konkret: Bürger und Bürgerinitiativen konnten Vorschläge für eine alternative Streckenführung einreichen.

Katharina Jahn von Rantzau von den Grünen vermutet, dass sich Hildesheimer stärker am Dialog beteiligt haben als Bürger aus Springe. „Wir haben uns ja noch nicht angesprochen gefühlt, weil die erste Trasse an uns vorübergegangen wäre“, glaubt sie.

Unklar ist in Politik und Verwaltung, welche Gruppen oder Personen sich tatsächlich an dem Verfahren zur Erstellung der Alternativtrassen beteiligt haben – und was die Firma Tennet letztlich zur Auswahl neuer Trassen bewogen hat. Da bleiben die Angaben des Netzbetreibers bisher schwammig.

Aus eben diesem Grund will sich die Region Hannover übrigens vorerst nicht im Detail mit den Bürgervorschlägen für den Verlauf der Trasse beschäftigen.

Die Trassen-Pläne des Stromnetzbetreibers Tennet stoßen auf massiven Widerstand. dpa

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