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Suedlink-Trasse folgt bestehendem Hochspannungskorridor / Netzbetreiber wirbt um kritische Begleitung

Das Atomkraftwerk ist schuld

Hameln-Pyrmont. Das Weserbergland ist elektrisiert: Muss die Höchstspannungsleitung Suedlink wirklich durch diese Landschaft verlaufen? Kann auf den Trassenverlauf noch Einfluss genommen werden? Das waren die wichtigsten Fragen gestern im Hamelner Weserbergland-Zentrum. Nach einem mäßig besuchten „Informationsmarkt“ vom Netzbetreiber Tennet und von der Bundesnetzagentur – der zweite von 24 Terminen in Deutschland – strömten am Abend Hunderte Lokalpolitiker und hiesige Anrainer der ins Auge gefassten Trasse zur Informationsveranstaltung der Landkreise Hameln-Pyrmont und Holzminden. Die rund dreistündige Podiumsdiskussion war von Sachlichkeit geprägt, wenngleich Hameln-Pyrmonts Landrat Tjark Bartels (SPD) als Moderator seine Ablehnung klar formulierte: „Eine weitere Schädigung des Landschaftsraumes werden wir abwehren!“ Auch seine Kollegin aus Holzminden, Angela Schürzeberg (SPD), verlangt, Alternativen zur vorgeschlagenen Trasse zu finden.

veröffentlicht am 26.03.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 27.03.2014 um 11:27 Uhr

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Ob Ulrika Platz von der Bundesnetzagentur oder Dr. Christoph Thiel als Projektleiter bei Tennet: Beide luden die Bewohner des Weserberglandes ein, sämtliche Bedenken zu äußern und damit dazu beizutragen, die letztlich optimale Streckenführung zu finden. „Wir haben nur ein erstes Zwischenergebnis vorgelegt“, sagte Thiel mit Blick auf die Streckenführung über Salzhemmendorf, Emmerthal und die Ottensteiner Hochebene. „Wir haben noch die volle Flexibilität. Mit Ihren Hinweisen etwa zu Naturschutzgebieten und Siedlungen erarbeiten wir mögliche Alternativen für den Korridorverlauf.“ Thiel räumte ein, bei der bisher noch groben Planung „eventuell etwas übersehen“ zu haben, und versprach: „Alle Hinweise werden transparent dokumentiert und von uns an die Netzagentur weitergegeben.“ Platz ergänzte: Der Übertragungsnetzbetreiber sei verpflichtet, nicht nur einen „Vorzugskorridor“ für die Gleichstromtrasse zu entwickeln, sondern in seinem Antrag auch Alternativrouten aufzuzeigen. Im Genehmigungsverfahren sei die Öffentlichkeit, „die lokale Kompetenz“, weiter beteiligt. Die Netzagentur lege anschließend einen Korridor von 500 bis 1000 Metern Breite vor. Erst im Rahmen der Planfeststellung würden am Ende die Standorte der Masten oder Abschnitte der Erdverkabelung fixiert.

Die Inbetriebnahme des 600 Kilometer langen Suedlink, der Windenergie aus dem Norden zu den Verbrauchern im deutschen Süden bringen soll, ist für 2022 geplant. Für die Trassenführung hat Tennet mithilfe auch externer Fachleute ein Gebiet in der Größe eines Viertels der Bundesrepublik untersucht. Die Route mit dem Schwenk durchs Weserbergland sei „in der Gesamtschau“ aus derzeitiger Sicht die optimalste, sagte Thiel. Die Führung längs der Autobahn 7 zwischen Hildesheim und Kassel sei wegen der dortigen Siedlungsdichte ungünstiger. Der Weserraum stehe im Blickfeld, weil er bereits von Hochspannungsleitungen des Atomkraftwerkes Grohnde durchzogen werde. Thiel: „Eine Autobahn ist weniger bündelungsstark als eine bestehende Stromtrasse.“ Hoffnungen, dass zumindest die alten 380-kV-Leitungen nach dem Abschalten des AKW Grohnde durch die 500-kV-Gleichstromkabel ersetzt werden können, zerschlug Thiel: „Die Stromnetzinfrastruktur wird für den Abklingprozess des Atomkraftwerks weiterhin benötigt.“ Und veränderte Vorschriften bei den Abständen zu den Siedlungen erlaubten es nicht, an allen Stellen die bisherige Route zu nehmen. Gegen den Einsatz von Erdverkabelungen hat Tennet nichts einzuwenden: Die Mehrkosten – „das Vier- bis Achtfache“ – trägt letztlich der Stromverbraucher. Die bäuerliche Nutzung des Geländes sei dabei auch weiterhin möglich. Thiel sieht – anders als manche besorgte Zuhörer – auch keine Gesundheitsgefahren durch die Magnetfelder der Gleichstromleitungen. „Die Strahlung ist gerade einmal so groß wie die des Erdmagnetfeldes.“

Landrat Bartels möchte, dass das Weserbergland in Sachen Suedlink am Ball bleibt. Er lädt die Vertreter der Kommunen und Bürgerinitiativen nun alle 14 Tage zu Koordinierungstreffen ins Kreishaus. Außerdem werde die Stelle eines Projektkoordinators geschaffen.

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  • Die Mitglieder der Bürgerinitiative Weserbergland befürchten negative Folgen durch die Stromtrasse. Dana

Ein Videobericht unter: www.dewezet.de

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