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Konferenz mit Anrainern in Hannover

BUND fordert Baustopp für Südlink

HANNOVER/WESERBERGLAND. Vor der zweiten Konferenz zur Stromtrasse Südlink fordert der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Niedersachsen den sofortigen Planungs- und Baustopp. „Südlink ist energiepolitisch der falsche Weg, denn er verhindert eine dezentrale Energiewende“, sagt der Landesvorsitzende Heiner Baumgarten.

veröffentlicht am 12.06.2017 um 19:48 Uhr

Foto: Tennet

Autor:

Christian Brahmann und Marc Fisser
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„Anstatt eines massiven Netzausbaus, der mit der Genehmigung von Südlink zementiert würde, muss auf Landes- wie auf Bundesebene zuerst die Notwendigkeit für Leitungen dieser Art ermittelt werden. Der Bau einer solchen Stromautobahn der dritte Schritt vor dem ersten!“ In Hannover wird am Dienstag der mögliche Trassenverlauf von Scheeßel nach Bad Gandersheim diskutiert. Die dritte Antragskonferenz in Niedersachsen ist am 20. Juni in Verden geplant.

Ursprünglich hatte die Höchstspannungstrasse einen Bogen mitten durch das Weserbergland schlagen sollen; die politische Entscheidung zur Erdverkabelung hatte die Trassensuche dann neu starten lassen. Die etwa 700 Kilometer lange Gleichstromtrasse soll als „Hauptschlagader“ der Energiewende Windstrom von der Küste zu den Industriezentren in Süddeutschland transportieren.

Wie der BUND fordert auch der Bundesverband der Bürgerinitiativen eine grundlegende Neuererstellung der Stromnetzplanung. Die Naturschützer kritisieren unter anderem, dass auch Strom aus Steinkohle über die Trasse in den Süden transportiert werden soll. Der BUND will, dass die Berechnungsverfahren im Zusammenhang mit der Stromtrasse offengelegt, der Bau dezentraler Kraftwerke zur Minderung des Netzausbaus berücksichtigt und regionale Verteilnetze einbezogen werden. Zudem müsse erneuerbare Energie auch als Gas transportiert werden. All diese Vorschläge seien von den Netzbetreibern und der Bundesnetzagentur abgelehnt worden. „Statt einer Energiewende mit Offshore-Windanlagen und HGÜ-Stromautobahnen in der Hand großer Konzerne sind regionale Wirtschaftskreisläufe mit Energieerzeugung und sparsamer Energienutzung durch Energiegesellschaften von Bürger/innen nötig“, meint Baumgarten. Der BUND möchte für die dezentrale Energiewende eine Ertüchtigung der bestehenden Übertragungs- und Verteilnetze sowie neue Regeln des Strommarktes zugunsten regionaler Lösungen mit Energiespeichern. „Innovative technische Ansätze, die heute bereits vorliegen, müssen in die Planung des Netzumbaus einfließen“, so Baumgarten.

Für den Verlauf haben die Netzbetreiber Tennet und TransnetBW verschiedene Routen konzipiert. Schon bei der Südlink-Konferenz vorige Woche in Osterode hatte es eine Reihe kritischer Hinweise gegeben. Bauern verlangten, dass der Boden nach Verlegung der Erdkabel weiter landwirtschaftlich genutzt werden kann.

Wie weit ist das Projekt Südlink schon gediehen? „Das einzige, was bislang feststeht, sind Start und Ende. Alles dazwischen ist offen“, betont der Sprecher der Bundesnetzagentur, Fiete Wulff. Bei den Antragskonferenzen können sich die betroffenen Kommunen, Verbände und Bürger einbringen. Die Hinweise werden an die Netzbetreiber weitergegeben. Wo exakt die Trassen gebaut werden, wird etwa 2020/21 feststehen. Die Inbetriebnahme ist ab 2025 vorgesehen.

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