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Wie viele Reihen von Strommasten werden für den Suedlink durchs Land gezogen?

Angst vor der Mehrfachtrasse

Weserbergland. Wie wird er am Ende aussehen – der Suedlink? Sollten die Forderungen nach einer Erdverkabelung folgenlos verhallen: Wie viele Reihen von Strommasten werden am Ende durch die Landschaft gezogen? Ottensteins Bürgermeister Manfred Weiner sprach nun in einer Sitzung des Samtgemeinderates Bodenwerder-Polle davon, dass langfristig nicht, wie bisher erwartet, nur eine, sondern sogar drei Leitungen Windstrom von Nord nach Süd durchs Land führen sollen. Weiner bezog sich auf eine kürzlich in Kassel abgehaltene Konferenz der betroffenen Landkreise. „Bündelungsstrategie“ heiße die Devise. Es werde nach dem Prinzip verfahren „Wo schon etwas ist, wird noch etwas draufgepackt“, sagte der Bürgermeister.

veröffentlicht am 26.03.2015 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 27.03.2015 um 13:03 Uhr

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Die Befürchtung, es könnten eines Tages sogar jeweils zwei oder drei Hochspannungsmasten nebeneinander sein, die für die Stromautobahn errichtet werden, kann Trassenbetreiber Tennet nicht entkräften. Derzeit, betont Sprecherin Eva-Maria Schäffer, sei zwar eine Reihe von „Gestängen“ geplant. Darauf sollen die beiden Ausbauvorhaben Brunsbüttel–Großgartach und Wilster–Grafenrheinfeld zusammengeführt werden: zweimal zwei Gigawatt, zweimal etwa 500 Kilovolt, verteilt auf jeweils zwölf Kabel. 24 Kabel an einem Drahtmast also, dessen Höhe etwa zehn Meter über der von gewohnten Hochspannungsmasten läge – im Schnitt bei 65 Metern. Allerdings: Dass es bei der einen Mastenreihe für den Suedlink bleibt, sei ein „Ziel“ von Tennet, dass man zu erreichen „hoffe“, sagt Schäffer. Ob es tatsächlich klappt, wird sich erst im Rahmen der weiteren Planung zeigen. Eventuell wird die Stromtrasse also von Anfang an in Zweierreihe gebaut.

Geplante Trasse wohl schon bald am Limit

Und dann ist die Energiewende natürlich noch nicht abgeschlossen. Der Netzentwicklungsplan, den die Stromnetzbetreiber unter Beteiligung der Bundesnetzagentur aufstellen, entwirft Szenarien und gibt Empfehlungen für die kommenden Jahrzehnte. Und diese sprechen letztlich für die vom Ottensteiner Bürgermeister erwähnten drei Reihen von Masten nebeneinander: Denn nicht vier, wie nun geplant, sondern zehn Gigagawatt wären demnach schon 2024 vom Suedlink zu bewältigen. Zwei weitere Reihen müssten her.

Tennet-Sprecherin Schäffer versucht zu beruhigen: „Nicht alles, was im Netzentwicklungsplan steht, wird auch festgezurrt“ – sprich: in den Bundesbedarfsplan aufgenommen. Und: Ja, zwar gebe es die Bündelungsoption, die dafür spricht, weitere Leitungen dort zu bauen, wo bereits Leitungen verlaufen. Doch grundsätzlich orientiere sich dieses Prinzip an „bestehenden Infrastrukturprojekten“, so etwa auch an Autobahnen. Es müsse also nicht unbedingt der ursprüngliche Suedlink sein, der dann Zuwachs in direkter Nachbarschaft bekäme. Dass allerdings schon in wenigen Jahren ein vergleichbar aufwendiges Planungsprozedere wie das aktuelle für eine weitere Stromtrasse gestartet wird, kann sich derzeit wohl kaum jemand vorstellen.

Aber auch die Bündelung von Trassen, Bahnen und Co. habe ihre Grenzen, so Schäffer. Eine „Überbündelung“ soll vermieden werden, heißt es oft. Dieser Begriff allerdings, räumt die Tennet-Sprecherin ein, steht in keinem Gesetz.

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