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Suedlink wird als Erdkabel verlegt – alte Planungen taugen dafür nicht

Alles auf Null: Mega-Stromtrasse wird völlig neu geplant

Weserbergland (TT). Die von zahlreichen Bürgerinitiativen bekämpften Trassenvorschläge für die durch ganz Deutschland verlaufende Nord-Süd-Windstromleitung Südlink sind de facto vom Tisch. Die Planung muss nun wieder bei Null beginnen. Das hat der für den Bau der Mega-Trasse zuständige Netzbetreiber Tennet am Dienstag auf Anfrage der Dewezet klargestellt.

veröffentlicht am 28.07.2015 um 19:05 Uhr
aktualisiert am 29.07.2015 um 09:56 Uhr

Prototyp eines Erdkabels unter einer Hochspannungsleitung. dpa
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Nach der vor vier Wochen getroffenen Entscheidung der Bundesregierung, die Stromtrasse vorrangig als Erdkabel verlegen zu lassen, wartet Tennet nun darauf, die komplette Planungsphase neu starten zu können. Tennet-Referent Thomas Wagner sagte am Dienstag: „Wir gehen in jedem Fall davon aus, dass dann andere Korridore dabei herauskommen.“

Bei ihrem Klimagipfel am 2. Juli hatten sich CDU, CSU und SPD auf einen Kompromiss beim Ausbau der Stromnetze geeinigt. Dabei wurde vereinbart, beim Ausbau des Stromnetzes verstärkt auf bestehende Trassen zu setzen und vorrangig teurere Erdkabel zu verlegen. Diese Entscheidung hatten die mehr als 20 Landkreise der sogenannten „Hamelner Erklärung“, die sich für einen vorrangigen Ausbau von Erdkabeln starkmacht, als „phänomenalen Erfolg“ bezeichnet.

Zwar braucht Tennet noch einige konkrete Angaben sowie das entsprechende Gesetz zu der grundsätzlichen Erdkabel-Entscheidung der Bundesregierung, doch Tennet-Pressesprecherin Ulrike Hörchens sagt bereits jetzt, dass „komplett neu geplant werden muss“ – schließlich unterscheide sich „ein Erdkabelkorridor signifikant von einem Freileitungskorridor“. So unterschiedlich diese beiden Techniken seien, so völlig anders seien auch die planerischen Eckpunkte und Bedingungen für die Netzbauer.

Bislang hatte der Konzern einen Erdkabelanteil von 30 bis 50 Prozent berücksichtigt, nach der Entscheidung der Großen Koalition dürfte der Anteil des Erdkabels wohl zwischen 90 und 100 Prozent liegen. Also: Das Prozedere geht wieder von vorne los – und am Ende kommen neue Stromtrassenvorschläge auf den Tisch.

Wagner geht davon aus, dass sich nun alles um zwei bis drei Jahre verzögert. Mit Blick auf die nach dem Atom-GAU im japanischen Fukushima eingeleitete große Energiewende der Großen Koalition sagt Wagner: „Ob wir den Bau der Stromtrasse noch schaffen, bis im Jahr 2022 das letzte Atomkraftwerk abgeschaltet wird, lässt sich nur schwer abschätzen.“ Allerdings würde selbst dann im Süden nicht das Licht ausgehen.

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