weather-image
11°

Wer steckt Geld in die Stadt?

Hameln. Im Grunde läuft es in Hameln immer wieder auf die eine Frage heraus: Wie angelt man sich einen Millionär? So hieß einst ein Film mit Marilyn Monroe. Fotos der Hollywood-Ikone sind aktuell im Hochzeitshaus zu sehen – nur einer der Orte, an denen Hameln dringend die eine und andere Million vertragen könnte: Investoren müssen her, damit aus Wünschen, Konzepten und Plänen Wirklichkeit, aus Brachen oder gar Schandflecken Schokoladenseiten werden können. Ein Stadtrundgang.

veröffentlicht am 11.06.2015 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:02 Uhr

270_008_7728685_hm101_Wesermuehlen_Dana_1206.jpg
Frank Henke

Autor

Frank Henke Redaktionsleiter zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Britengelände: Ideen gibt es einige: seniorengerechtes Wohnen am Reimerdeskamp, vielleicht auch eine Skateanlage für Jugendliche, Fahrrad- und Fußgängerwege sowieso. Allein: Erst mal muss es jemanden geben, der sich des nun verwaisten Militärgeländes annehmen will. Jemanden mit Geld. Konkretes Interesse gibt es bisher am Herzstück – der Linsingen-Kaserne. Die Elisabeth-Selbert-Schule soll auf das Areal ziehen, ebenso die Niedersächsische Behörde für Straßenverkehr. Interessiert sind auch die Technische Akademie und die Akademie Überlingen. Doch ansonsten hat sich noch nicht viel getan. Ein Solarpark auf dem Ravelin-Camp schien schon fast in trockenen Tüchern, dann sprang der potenzielle Betreiber ab. Auch hier heißt es nun: Investor gesucht.

Hochzeitshaus: Das desaströse Scheitern der Erlebniswelt Renaissance hinterließ eine Wunde, an der kaum noch jemand rühren mag: das entkernte Hochzeitshaus. Der nicht eben mitgliederstarke „Bürgerverein Hochzeitshaus“ bringt derzeit als Einziger das Thema überhaupt noch auf die Agenda. Kosten von „vier bis fünf Millionen Euro“, so die inzwischen zwei Jahre alte Schätzung, erwartet der Verein, für die Realisierung seiner Vision eines Umbaus samt rekonstruiertem Renaissance-Saal. Einen potenziellen Investor für das Hochzeitshaus gab es schon einmal, mit repräsentativen Sälen hatte der jedoch wenig im Sinn: Eine „Bar Celona“ sollte entstehen. Doch nach lebhafter Diskussion war das Thema vor vier Jahren dann auch wieder vom Tisch: Das gastronomische Konzept war mit dem Denkmalschutz nicht in Einklang zu bringen. Seitdem tat sich im Grunde nichts, andere Probleme drängten mehr. Für Investoren fällt das Hochzeitshaus wohl eher in die Kategorie Liebhaberstück. Denn ganz leicht wird es wohl für niemanden, hinter die kleinen Fenster der historischen Fassade Kundschaft zu locken.

Wienerwald: Eine weitere Geschichte des Scheiterns. Baustoff-Händler Klaus Peter Othmer warf im Oktober 2014 hin. Aus dem geplanten Restaurant mit Biergarten, dass er gerne anstelle des Wienerwald-Gebäudes errichtet hätte, wurde nichts. Uneinig waren Stadt und Investor etwa beim Thema Parkplätze. Nun will die Stadt das Gebäude erneut anbieten. Ob es beim einst geforderten Kaufpreis von 400 000 Euro bleibt, verrät das Rathaus nicht. Die Verwaltung spricht bereits von mehreren Investoren – die Spannung steigt.

270_008_7728680_hm101_Wienerwald_Dana_1206.jpg
270_008_7728770_hm_Elisabeth_Selbert_Schule_Dana_1206.jpg
  • Die Elisabeth-Selbert-Schule - hier der Standort am Langer Wall - soll unter einem Dach vereinigt werden. Foto: Dana
270_008_7728760_hm101Gundolph_Dana_1206.jpg

Wesermühle: Der Komplex ist gewaltig – die Aufgabe ebenso. Die ehemalige Kampffmeyer-Mühle sucht einen Käufer. Weniger als eine Million würde der Eigentümer, die Good Mills Group, für das 21 000 Quadratmeter große Gelände verlangen, heißt es. Wo die Grenze nach unten liegen könnte, lässt sich nur mutmaßen. Schließlich müssten wohl so einige Millionen fließen, um dem imposanten Industriebau neues Leben einzuhauchen.

Weserufer: Noch ist das Thema nicht akut, doch das könnte sich schon bald ändern: Zieht die Elisabeth-Selbert-Schule auf das Kasernengelände, steht das Gebäude am Langen Wall leer. Die Stadt hat bereits vor geraumer Zeit ein Architektenbüro eine Vision entwerfen lassen. Von der Chance, die Stadt näher ans Wasser zu rücken, war die Rede, von Wohnen, Arbeiten und Freizeit auf engstem Raum, von kleinen Stadthäusern mit Blick auf den Fluss. Doch all das müsste – welch Überraschung – jemand bezahlen. Gleich vis-à-vis, auf dem Werder, scheiterten vor drei Jahren die Pläne eines Investors, ein Wohn- und Geschäftshaus zu errichten – hoffentlich kein schlechtes Omen.

Nicht nur für das Hochzeitshaus werden Geldgeber gesucht.

Dana

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare