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Kauf der Linsingen-Kaserne dauert / Gespräche mit Interessenten

Was gibt‘s Neues in Sachen Bildungscampus?

HAMELN. Stadt und Landkreis wollen die Linsingen-Kaserne kaufen. Die Kaufverhandlungen mit dem Bund ziehen sich hin – das Gelände muss zunächst für die zivile Nutzung freigegeben werden. Zudem gilt der Bund als harter Verhandlungspartner. Nichtsdestotrotz werden die Pläne für den Bildungscampus im Rathaus konkreter.

veröffentlicht am 03.07.2016 um 15:07 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 18:14 Uhr

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Wiebke Kanz

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Wiebke Kanz Reporterin (in Elternzeit) zur Autorenseite
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Die Flüchtlingsunterkunft ist Geschichte, nun soll der Bildungscampus kommen: Mitte Juni hatten sich Hamelns Oberbürgermeister Claudio Griese und Landrat Tjark Bartels – nach einigen Wochen zähen Ringens um die Frage, ob die Erstaufnahmeeinrichtung für Familien trotz sinkender Flüchtlingszahlen eine Zukunft hat oder nicht – darauf geeinigt, das Gelände der Linsingen-Kaserne von nun an gemeinsam entwickeln zu wollen. Der erste Schritt: Stadt und Landkreis wollen das 12,5 Hektar große Gelände gemeinsam kaufen – und das nach Möglichkeit noch in diesem Jahr. Schritt zwei: Auf dem ehemaligen Kasernengelände soll ein Campus „aus öffentlich-rechtlichen und privaten Bildungsträgern sowie Einrichtungen aus dem Gesundheitsbereich“ entstehen, wie es in der von Griese und Bartels unterzeichneten Absichtserklärung heißt.

Einige der künftigen Akteure auf dem Bildungs- und Gesundheitscampus sind bereits bekannt: So möchte der Landkreis für seine Berufsbildende Elisabeth-Selbert-Schule, die bislang auf drei Standorte über das Stadtgebiet verteilt ist, für rund 37 Millionen Euro neu bauen und die Schule somit an einem Standort zentralisieren. Als im September die Erstaufnahmeeinrichtung auf dem Gelände der Linsingen-Kaserne eingerichtet wurde und das Areal auf unbestimmte Zeit belegt war, hatte der Landkreis die Neubau-Pläne auf ein anderes Briten-Gelände in der Nordstadt, den Gundolph-Park, umgehoben. Nun aber, da die Linsingen-Kaserne früher als gedacht wieder zur Verfügung steht, kommen die ursprünglichen Pläne wieder zum Tragen.

Daneben verhandelt die Stadt Hameln bereits seit Jahren mit der Technischen Akademie (TA), die schon lange nach einem größeren Gebäude sucht. Hier ist zwar – anders als bei der Elisabeth-Selbert-Schule, für deren Neubau und Zentralisierung es einen Kreistagsbeschluss gibt – noch nichts in trockenen Tüchern, aber TA-Geschäftsführer Frédéric Philipp Thiele hatte in den vergangenen Monaten immer wieder betont, die Akademie sei nach wie vor an einer Expansion in Hameln interessiert. Ursprünglich wollte die TA auf dem Kasernengelände neben Unterrichtsräumen auch Wohnungen für ihre Studenten entstehen lassen. Ob an diesen Plänen festgehalten wird, ist allerdings unklar: Erst im Mai hatte die Technische Akademie 21 leer stehende ehemalige Britenwohnungen an der Jahnstraße gekauft, um dort Wohngemeinschaften unterzubringen.

Wer sich sonst noch auf dem Bildungscampus ansiedeln wird, ist offen. „Es gibt nach wie vor verschiedene Interessenten aus dem Bildungs- und Gesundheitsbereich, die Interesse an einer Ansiedlung auf dem Linsingen-Areal haben“, sagt eine Stadtsprecherin. Mit diesen Interessenten „fanden und finden Gespräche statt“. Mit welchen Einrichtungen derzeit allerdings verhandelt werde, ist nicht zu erfahren. „Wir geben keine Auskunft zu laufenden oder stattgefundenen Gesprächen. Das können wir nicht einfach über den Kopf der Interessenten hinweg tun“, heißt es aus dem Rathaus.

Als der Campus vor gut einem Jahr in der Planung war, hatte Stadtbaurat Herrmann Aden von fünf ernsthaften Interessenten gesprochen, darunter ein ortsansässiges Unternehmen für Rehabilitation. Auch waren immer wieder die Namen der Handelslehranstalt (HLA) und der Akademie Überlingen gefallen, auch die Niedersächsische Behörde für Straßenverkehr soll Interesse signalisiert haben – und die Hochschule Weserbergland (HSW) war zwar immer wieder in der Diskussion, betonte aber auch stets, ihren Standort am Stockhof behalten zu wollen. Informationen darüber, ob diese Akteure aktuell Gespräche mit der Stadt führen, erhielt die Redaktion am Freitag nicht.

Bevor ernsthafte Verkaufsgespräche geführt und Verträge unterzeichnet werden können, steht ohnehin zunächst der Kauf des Kasernengeländes an. Dieser soll laut Absichtserklärung von Stadt und Landkreis zwar nach Möglichkeit noch in diesem Jahr erfolgen. Aber: Zuerst muss die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), in deren Besitz sämtliche von den britischen Streitkräfte genutzten Flächen und Gebäude übergegangen sind, die Kaserne „freigeben“. Das heißt: Die Bima muss erklären, dass das 12,5 Hektar große Gelände nicht mehr militärisch benötigt wird und zivil genutzt werden kann. Anschließend steht noch eine Prüfung durch das Bundesverteidigungsministerium an – erst dann darf die Bima das Gelände verkaufen.

Bis zum Startschuss für den Bildungs- und Gesundheitscampus könnte also noch einige Zeit vergehen. „Verhandlungen finden derzeit noch nicht statt“, teilt das Rathaus auf Anfrage mit – entsprechend könne derzeit auch weder eine Summe genannt werden, die Stadt und Landkreis für das Areal bezahlen sollen, noch ein möglicher Stichtag. Fest steht: Vergünstigungen wird es, anders als beim Kauf von Bima-Liegenschaften für die Unterbringung von Flüchtlingen, nicht geben. „Ankaufswert ist in diesem Fall der gutachterlich festgestellte Verkehrswert“, heißt es aus dem Rathaus, „dazu gibt es noch keinen Wert.“ Möglicherweise wird es in diesem Punkt noch Überraschungen geben: Die Bima gilt als knallharter Verhandlungspartner, der ehemalige Geschäftsführer des städtischen Unternehmens Wohn- und Stadtbau in Münster beispielsweise stellte fest, dass die Bima „nur zu Höchstpreisen“ verkaufe.

Einig ist man sich hingegen bereits über die Aufteilung: 5,5 Hektar will der Landkreis für den Neubau der Elisabeth-Selbert-Schule kaufen. Die restlichen 7 Hektar – knapp 60 Prozent der Fläche – soll die Stadt Hameln beziehungsweise eine städtische Gesellschaft kaufen. Dafür hat die Stadt bereits im letzten September einen Fördermittelbescheid des Amtes für regionale Landesentwicklung Leine – Weser zur Aufnahme in das Förderprogramm „Stadtumbau West“ erhalten. Während der Landkreis die Fläche kauft, um auf ihr eine Berufsbildende Schule zu betreiben, möchte die Stadt das Grundstück weiterverkaufen: „Wir würden die Grundstücke nicht vermieten oder verpachten“, sagt eine Sprecherin der Stadt Hameln – „bebaute oder unbebaute Grundstücke werden Gesundheits- und Bildungseinrichtungen, zum Beispiel der TA, zum Kauf angeboten.“ Dies dürfte kein Problem sein: Die TA war in der Vergangenheit sowieso ausschließlich an einem Kauf interessiert.

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